Was der Bildungsbericht 2008 über Online Lernen zu sagen hat.
Von Ralf Hilgenstock am Jun 15, 2008 | In Ankündigungen
Der in der letzte Woche veröffentlichte Bildungsbericht 2008 befasst sich kurz auch mit dem online Lernen. http://www.bildungsbericht.de/daten2008/g_web2008.pdf
Dabei wird dieses unter informellem Lernen abgearbeitet. Informelles Lernen wird (Seite 146) “als Lernaktivitäten begriffen, die nicht durch Bildungseinrichtungen organisiert, sondern von Individuen selbst wahrgenommen oder in berufliche oder anderen sozialen Kontexte erfahren werden, jedoch ohne zufälliges oder beiläufiges Lernen". Die Definition folgt Europäische Kommission 2006; CLA Classification of learning activities, Luxemburg (http://www.statbel.fgov.be/aes/classifications.pdf). Dazu heißt es im Bericht in einer weiteren Erläuterung: “Der hier verwandte Begriff [des informellen Lernens Erwachsener] ist von formaler und non-formaler Bildung in institutionellen, pädagogisch organisierten Veranstaltungen abgegrenzt. “
Dem informellen Lernen werden nach dem Bildungsbericht die Bereiche
- Lernen durch Beobachten, Ausprobieren
- Lesen von Fachliteratur
- Unterweisung/Anlernen durch Kollegen, Vorgesetzte oder Externe
- Besuch von Fachmessen/-Kongressen
- Betrieblich organisierte Fachbesuche in anderen Abteilungen
- Computergestützte Selbstlernprogramme
- Lernangebote u.ä. Im Internet am Arbeitsplatz
- Qualitätszirkel, etc.
- Supervision
- Jobrotation
- Austauschprogramme
gezählt.
Zieht man nun noch einmal die Klassifikation der Europäischen Kommission zu Rate, so werden dort diverse Bereiche die der dt. Bildungsbericht dem informellen Lernen zuordnet den non-formalen Lernen zugeordnet. Formales Lernen orientiert sich demnach an nationalen Rahmenlehrplänen. Informelles Lernen ist nicht institutionalisiert. Non-formales Lernen wäre demnach Lernen, das in der Organisation absichtsvoll gestaltet wird. dazugehören dann auch Einarbeitungsprogramme, Training on the job, Computergestützte Selbstlernprogramme und Lernangebote im Internet.
Dass online oder computergestützte Lernangebote nicht pädagogisch organisiert seien, halte ich glatt für eine Diffamierung.
Wie kommt es zu diesen Ungereimtheiten. Insgesamt erscheint mir hier eine Vermischung von Definitionen einer Organisation (Europ. Kommission) mit den statistischen Erhebungen (Berichtssystem Weiterbildung) einer anderen vorgenommen zu sein, die zwar den gleichen Begriff, nicht aber die gleichen Begriffsinhalte verwenden.
Hier dann noch ein paar statistische Aussagen.
Zwischen 2003 und 2007 haben sich die Beteiligungsquoten für E-Learning nahezu verdoppelt
- Computergestützte Selbstlernprogramme von 8% auf 15 %
- Lernangebote u.ä. Im Internet am Arbeitsplatz von 7% auf 13 %
Im Gegensatz zu einer sonst deutlich rückläufige Weiterbildungsbeteiligung eine interessante Aussage.
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