'Alles so schön bunt hier': besser Lernen durch Farben
By Ralf Hilgenstock on Jun 27, 2009 | In Schule, Anwendung, Bildungsprozesse | 1 feedback »
Schaut man sich die vielen Web 2.0 Anwendungen an, so fallen verschiedene gestalterische Elemente als Muster auf:
- Alles wird rund. Es gibt keine Ecken und Kanten mehr.
- Zurück zu den 70ern. Bonbonfarben sind in.
- Alles ist vorläufig. Fehler sind Programm. Es ist toll, sich als Beta zu bezeichnen.
- Benutze Formen mit ‘Strahlenzacken’ (mir fällt gerade kein besserer Begriff dafür ein).
Daraus wird zugleich in der Diskussion abgeleitet: eine Lernumgebung ist gut wenn sie bunt und rund ist. Was früher Kinder im Kindergartenalter und bis in die dritte Klasse hin begleitete wird nun verallgemeinert als Paradigma der Gestaltung.
Der Begriff “Edu-Tainment” bringt es auf den Punkt. Lernen durch Unterhaltung. Und Günther Jauch und viele Nachahmer zelebrieren es täglich im Fernsehen. Wobei auch das eigentlich reichlich altmodisch ist, da die Abwechslung der visuellen Präsentation ganz marginal ist.
Sollte der Lehrende jetzt als Enter-Tainer durch die Welt ziehen. Latein-Vokabeln lernen wir als Show. 333: Bei Issus Keilerei, das geht noch als Rap. Woww! Die Frage ist nur ob wir das können und wann wir dessen überdrüssig werden.
Zudem beinhaltet es die Notwendigkeit einer permanenten Erneuerung und ggfs. sogar Steigerung. Wer hält das durch?
Und es ist Ablenkung. Der Focus wird auf eine Form gelenkt und vom Inhalt abgelenkt. Eine konsequente mediale Umsetzung von Form- und Inhalte ist aufwendig und kaum zu leisten. Also wird man sich im pädagogischen Alltag auf eine begrenzte Menge an Formen konzentrieren.
Die Alternative ist das konsequente Einkaufen kommerziell mit hohem Aufwand produzierter Contents und den Lehrenden als ‘Abspielstation’ externer Contents.
Damit kein Missverständnis aufkommt, ich will nicht zu schwarz-weißen Bleiwüsten zurück. Visualisierung ist extrem wichtig für das Erfassen von Zusammenhängen.
Der erfolgreiche Lernprozess hängt jedoch nicht von Farben und visuellen Formen, sondern von Beziehungen zwischen Lernenden und Lehrenden ab, die Faszination und Interesse wecken.
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1 comment
Wenn es dazu hilft besser die Lernziele zu erreichen, und die Zielgruppe erreicht, ist das eine tolle erfrischende Sache, die ich sehr begrüssen würde.
Die Vermittlung von seriösen Inhalten mit der richtigen Methode und dem nötigen Schuss an Unterhaltung und Entertainment, ich denke wenn die 3 Dinge zusammen kommen funktioniert Lernen besonders gut.
Gerade in digitalen Lernumgebungen fühlt man sich häufig wie in digitalen Hochregallagern die ziemlich Staub angesetzt haben. Die Aktivierung und Motivierung der Teilnehmer sehe ich auch eher im Face to Face aber es ist schon auffällig wie wenig Liebe zur Detail in manchen virtuellen Lernumgebungen steckt und wie stark diese zu den Ansprüchen der Nutzer abfallen.
Digitale Lernumgebungen attraktiv zu gestalten muss nicht immer etwas mit einem multimedialen Feuerwerk zu tun haben und ist auch deshalb nicht automatisch besser. Aber ich erlebe immer wieder wie trostlos manche e-Learning Plattformen daher kommen.
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