Kannst du mir Moodle beibringen?
By Ralf Hilgenstock on Dec 29, 2009 | In Anwendung, Bildungsprozesse | 11 feedbacks »
Ich bin gerade ganz begeistert von einer Reihe von Blogbeiträgen von Tomasz aus Perth. Er unterrichtet an einer Schule und hat dort die gleichen Fragestellungen, die auch ich aus Schulen kenne. Ich übersetze daher einfach mal einen seiner Beiträge:
Heute Nachmittag kam eine Kollegin auf mich zu und sagte: “Tomaz, ich mitbekommen, dass du mit diesem Moodle arbeitest. Du musst mir das unbedingt zeigen und beibringen.” Das war tatsächlich Musik in meinen Ohren. Aber dann gab ich ihr zur Antwort, was mittlerweile ein Standardsatz von mir - und eine Herausforderung ist: “Ich werde es vermutlich nicht können!”
Sie stand da, war verwundert aber noch freundlich mir gegenüber. Puhh, hatte ich weiter ihre Aufmerkamkeit?
Ich setzte dann fort:”Ich würde dir gerne Moodle erläutern und zeigen, aber zuerst solltest du dir einmal unseren ‘Sandkasten’ (Demoraum) anschauen und vielleicht das eine oder andere Infovideo. Du hast dann einen ersten Überblick darüber, was du mit Moodle tun kannst. Wenn du das gemacht hast, überleg dir ein konkretes Unterrichtsproblem. Wir können dieses dann gemeinsam in Angriff nehmen und dazu Moodle nutzen. Was hältst du davon?”
“Ok. Dann sehen wir uns am Montag bei unserem kleinen privaten Moodle-Workshop” war die umgehende und enthusiastische Antwort.
Allzu oft versuchen wir Software einzuführen indem wir den Menschen Features erklären. “Das sind die Funktionen. Klicken Sie hier, klicken Sie dort….” und dann überlassen wir die Menschen sich selber und ihrem Vorstellungsvermögen was sie denn nun damit anfangen können. Wir schaffen dabei eines der zentralsten Kommunikationsprobleme. Wir reden über die Köpfe der Menschen hinweg. Es geht dann um die Software, nicht um die Menschen.
Wenn wir es nun aber umdrehen, geht es besser. Wir lösen ein reales Problem im Klassenraum, eine Herausforderung, ein konkretes Szenario. Die Kollegen eignen sich damit die Software an. Sie wird für sie zum Werkzeug. “Ja, damit kann ich arbeiten” werden sie sagen.
Lehrer sind sehr pragmatisch veranlagt. Sie suchen wirklich nach gut geeigneten Werkzeugen. Zeig Ihnen, dass Moodle dies kann und sie werden es nutzen. Wenn eine Lehrerin in Naturwissenschaften eine tolle Lösung mit Moodle umgesetzt hat, ein Problem gelöst hatund davon erzählt, eine Deutschlehrerin davon hört, dann, ja dann würde ich wetten kommt sie und fragt ob und wie sie Moodle auch nutzen kann. Wenn Sie dies von einer anderen Kollegin hört und nicht gerade von mir, der ich als Moodle Enthusiast ja schon bekannt bin, dann ist das besonders wirksam. ("Wenn die damit umgehen kann, dann werde ich das ja wohl auch können.")
‘Klassenraumlösungen (mit Software)’ versus ‘Softwarelösungen (im Klassenraum)’.
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11 comments
Lehrer müssen das Lernen wieder lernen wenn es um neue Medien und das web 2.0 geht.
- Setzen wir Lernplattformen ein?
- In welchen Schulstufen. in welchen Fächern?
- Mit welcher unterrichtsdidaktischen Zielsetzung?
- Wie werden didaktische Feinzielkonzepte und Unterrichtsentwürfe entwickelt, intern qualitätsgesichert, evaluiert, untereinander verteilt (distribuiert)?
http://www.ted.com/talks/lang/eng/dan_pink_on_motivation.html
(Der Vergleich von Encarta und Wikipedia erinnert mich ein bisschen an die Idee des Moodle-Camps. Ich vermute, hier kann wirklich ein Katalysator gezündet werden, der die „schwer erträgliche Langsamkeit in den Veränderungen des Schulwesens“ etwas beschleunigt.)
Beim Umgang mit Lernplattformen gehört ein großer Teil der Lehrerschaft, und dazu zähle auch ich mich, nicht zu den „digital natives“, sondern zu den „digital immigrants“, was bedeutet, dass jegliches Fachwissen diesbezüglich bisher in Eigenregie erlernt werden musste. Mittlerweile hat sich hier zum Glück einiges getan, und auch die Immigranten können nun auf hervorragend ausgebildete Betreuer zugehen und ihre Lücken schließen. Das braucht aber in der Tat Zeit. Wer sich dieses Wissen bereits angeeignet hat, neigt manchmal dazu zu vergessen, dass es eben diese andere Seite von Welt auch noch gibt.
Ich würde den Aufgaben einer Schulleitung eine Dimension hinzufügen:
- eine Ausrichtung einer Schule nachhaltig verfolgen
Es geht nicht nur um
- eine Rahmen für Entwicklung schaffen
- Vorgeschriebenes umsetzen
- Lehrerinitiativen unterstützen.
Die meisten Schulen haben heute ein Schulkonzept/Schulprogramm oder ähnliches. Viele dieser Papiere sind jedoch Papiere, die zu Eltern-/Neuschüler-Infoveranstaltungen hochgehalten werden im Alltag jedoch nicht konsequent umgesetzt werden. Es ist Aufgabe der Schulleitung, die Umsetzung immer wieder anzustossen, zu fördern und zu fordern.
Oder: Soll die gesamte Lehrerschaft auf Biegen und Brechen auf ein neues Konzept eingeschworen werden, mit dem nur wenige umgehen können und das der Rest sich in Windeseile aneignen soll?
So funktioniert Schule, zumindest in diesem Bereich, nicht.
Aber Scherz beiseite. Ich argumentierte primär gegenüber Rene Schepplers 'Es kann nur so gehen', das sich auf die Initiative des einzelnen Lehrers bezog.
Ich nutze gerne das Bild von Inseln und einem Verlandungsprozess (hab früher mal Erdkunde-Leistungskurs gehabt).
Die Einführung eines Unterrichtsprinzips in der Fläche kann auf verschiedenen Wegen erfolgen.
Einzelne Lehrer ergreifen die Initiative und fangen an (Inseln). Alleine sind sie aber Wind, Stürmen und Sturmfluten ausgesetzt. Die Gefahr 'unter zu gehen' ist groß. Wenn sie sich zusammen tun, Dämme bauen, sich vernetzen (Brücken) können sie Probleme leichter bewältigen.
Die Schulleitung kann systematisch in solch einem Prozess Dämme errichten, Freiräume schaffen, Wege stabilisieren und über Schleusen kanalisieren, was hineinkommt. Die Schulleitung kann damit Leher aus der Angriffslinie der Unbillen des Wetters ziehen und sie im 'sicheren Hafen' arbeiten lassen.
Die Schulleitung kann aber auch den Prozess der Entwicklung mit den Kollegen, Schülern, Eltern planen und vorantreiben.
Vermutlich gibt es noch 49 andere Wege. Mir geht es nur auch darum, dass ich immer wieder sehe wie einzelne Lehrer sich abstrampeln und alleine nach drei Jahren aufgeben, weil es für sie zu viel ist. Ich will ungerne Situationen fördern, in denen sich dann andere aufreiben und verschleißen. Das passiert oft genug.
Niedrige Einstiegsschwellen (so wie wir sie von BRN-Moodle auch umsetzen) können sein:
- schnelles Supportsystem/FAQ
- Demokurse zur Technik für Lerner wie für Lehrer
- Best practice Beispiele, die man sofort im eigenen Unterricht auch einsetzen kann
- Newsletter/Magazin mit didaktischen und technischen Tipps und Tricks
- Unterstützersysteme an den Schulen und in der Region
So sehr in einigen Beiträgen zwar die Rolle der Schulleitung hervorgehoben wird: Schule wird noch immer von den Lehrern gestaltet, nicht von der (Schul-)Verwaltung. Wenn die Verwaltung aber pädagogische Freiräume schaffen kann, so werden diese von Lehrern mit Leben gefüllt werden und diese Lehrer überschreiten dann Schwellen in neue Bereiche.
Ich möchte dieses System der MiB- (= medienpädagogisch-informationstechnische Beratung) Tutoren kurz erklären:
· Jede bayerische Realschule stellt ein MiB-Tutoren-Tandem, das innerhalb der Schule Ansprechpartner für MiB-Fragen darstellt und neue Ideen einbringt, testet, evaluiert...
· Das Tandem wird unterstützt innerhalb der Schule von Schulleitung, IT-Lehrern und Systembetreuer
Nun kommt der geniale Schachzug der bayr. Realschule ins Spiel:
· Außerhalb der Schule sind die MiB-Tutoren vernetzt auf Ebene der Regierungsbezirke durch regelmäßige Fortbildungen und Arbeitstagungen durch die sog. medienpädagogisch-informationstechnischen Berater (=MiB), die auch jederzeit bei Fragen und Problemen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.
· Die MiBs der Regierungsbezirke arbeiten bayernweit zusammen.
Solchermaßen eingebettet, können nun z.B. auch Lernplattformen auf ihre Tauglichkeit überprüft und eingesetzt werden. Speziell für Moodle hat das bayerische Realschulnetz den Lehrern eine Plattform zur Verfügung gestellt, auf der die Kollegen nicht versanden, sondern zusammenarbeiten können und bei Problemen sofort Hilfe erhalten. Der Oberfranken-MiB Christoph Kasseckert leistet hier eine Betreuungsarbeit, für deren Würdigung genau genommen die Worte fehlen.
Auf der Plattform ( www.brn-moodle.de )habe ich übrigens auch diesen Blog entdeckt ;-)
Der Kreis schließt sich, denn wer in einem solchen Netzwerk arbeiten darf, hat auch keine Problem mit der Schepplerschen Aussage, dass es „nur so gehen kann“.
es ist gut, dass die Schulleitung mit Schul-Verwaltung gleich setzt. Aus meiner Sicht ist eine Schulleitung im Sinne von Führung der Schule als Ganzes wünschenswert und erforderlich. Für einen rein verwaltenden Job braucht man vermutlich kaum einen OStD. Für die Führung einer Schule aber ganz sicher.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Schulleiter mit dem Anspruch der Führung einer Schule viel bewegen können. Nicht innerhalb eines halben Jahres, aber über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren.
Ich glaube, dass 20, 30, 50 oder gar über 100 Lehrer nicht jeder sein eigenes Reich aufbauen können und sollten. Genau da ist die Gefahr sehr groß, dass sich jeder für sich aufreibt. Schulleitung kann hier Richtung geben (oder unterstützen), koordinieren, abfedern und korrigieren. Ab einer bestimmten Größe kann auch Schulleitung das nur im Team leisten.
In dem Kontext wird dann Unterrichtsentwicklung und Schulentwicklung auch zusammen verstanden werden.
Ralf
es ist sehr schön zu hören, wie es für die bayr. Realschulen auf den Weg gebracht wurde. Diese konkreten Beispeile sind für andere immer hilfreich, um zu sehen, wie klappt es woanders, was können wir daraus lernen? Dieses Wissen ist häufig nur im Rahmen lokaler Grenzen oder innerhalb der Bundesländer verfügbar.
Vielen Dank daher.
Ich denke, es gibt auch in anderen Bundesländern Strukturen dieser Art. In den meisten Schulen gibt es Beauftragte für dies-und-das. Ich habe den Eindruck, dass es meist an einer verbindlichen Einbindung in einer schulübergreifende Struktur mangelt.
Trotzdem bleibe ich skeptisch so lange es
- an der individuellen Initiative einzelner Lehrer hängt
- keine Abstimmung innerhalb von Fachkonferenzen gibt
Ich habe immer ein paar Fragen, wenn ich sehe, dass in einer Schule drei Lehrer acht Kurse im Schuljahr machen und das über mehrere Schuljahre so bleibt. Das wird dann für die aktiven Lehrer schwer.
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