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Comment from: Barbara Hauck [Visitor] Email
Auch ich bin der Meinung, dass dieser Ansatz der sinnvollere ist. Wenn man selbst ein moddle-begeisterter Lehrer ist und meint, missionarisch tätig sein zu müssen, geht es vermutlich schief. Im Unterrichtsbetrieb werden Neuerungen, die zunächst erst einmal mit Arbeit verbunden sind, aus vielen guten Gründen auf die lange Bank geschoben. D.h. der Unterrichtende muss erst einmal den Mehrwert erkennen können, bevor er sich auf mehr Arbeit einlässt. Wir haben es an unserer Schule so gelöst, dass wir für alle Kollegen eine kleinen Kurs angelegt haben, in dem sie sich als Schüler bewegen und somit erste Erfahrungen sammeln konnten. (Und selbst hier war bei manchen die Hemmschwelle extrem hoch.) In einem einstündigen(!) Moodle-Quickie haben wir die Kollegen mit drei Basic-Anwendungen vertraut gemacht und im Anschluss daran für Interessierte Workshops in Aussicht gestellt, in denen sie mit eigenen Unterrichtsideen und Materialien Moodle für ihren Unterricht nutzen können. Wir werden sehen, was die Moodle-Zukunft an unserer Schule bringt ;-).
2009-12-30 @ 18:24
Comment from: scheppler [Visitor] Email · http://www.blog.initiatived21.de
Es kann nur so gehen. Unterricht ist zu komplex, thematisch different und letztlich auch individuell als dass man da mit einer Standardeinführung ausreichend beibringen könnte, was der einzelne Kollege akut braucht. Solche Crash-Kurse schaffen vielmehr Ablehnung und post-seminare Depressionen angesicht einer vermittelten und wieder vergessenen Vielfalt und der damit einhergehenden gefühlten Unfähigkeit, die ja keineswegs Ursache ist.

Lehrer müssen das Lernen wieder lernen wenn es um neue Medien und das web 2.0 geht.
2010-01-01 @ 14:19
Comment from: Ralf Hilgenstock [Member] Email
Ja und Nein. Natürlich ist es die beste Ausgangssituation, wenn eine Sogwirkung da ist. Natürlich ist es richtig, Qualifizierung auf Problemlösung auszurichten. Nur geht das nicht immer. Dem 'es kann nur so gehen' von Rene Scheppler will ich jedoch entschieden widersprechen. Im Umkehrschluß würde es bedeuten, Schul- und Unterrichtsentwicklung wird nur passieren wenn jeder einzelne Lehrer sie aktiv nachfragt. Hier ein entschiedenes: Nein. Schule als Ganzes, Fachbereiche und Schulleitung haben eine gemeinsame Verantwortung für die Weiterentwicklung einer Schule und des Unterrichts. Diese Verantwortung reicht bis in den Unterricht des einzelnen Lehrers. Nur wenn diese Verantwortung als Leitungsaufgabe wahrgenommen wird, kann die Verbesserung des Unterrichtswesens gelingen. Der Lehrer ist Beamter (oder zumindest im öffentlichen Schuldienst tätig). Damit ist er an Weisungen des Dienstherren gebunden und nicht frei in seinen Entscheiden. Dienstherr ist in der Regel das Land, die Schulaufsicht, die Schulleitung. Dieser hat sich auch ein Lehrer zu unterwerfen. Die Langsamkeit der Veränderung im Schulwesen ist manchmal nur schwer erträglich. Das Handeln der Schulpolitik auch. Es kann aber nicht sein, dass Lehrer sich darauf zurückziehen, alleine - also individuell - zu entscheiden, was sie wie tun. Bezogen auf den Einsatz von Lernplattformen fordere ich die Verbindlichkeit von Entscheidungen der Schule/der Fachkonferenzen für den Unterricht ein.
  • Setzen wir Lernplattformen ein?
  • In welchen Schulstufen. in welchen Fächern?
  • Mit welcher unterrichtsdidaktischen Zielsetzung?
  • Wie werden didaktische Feinzielkonzepte und Unterrichtsentwürfe entwickelt, intern qualitätsgesichert, evaluiert, untereinander verteilt (distribuiert)?
Ich weiß, dass ich damit den heiligen Gral des Lehrerseins ankratze. Aber das musste zu Jahresanfang mal gesagt sein.
2010-01-02 @ 09:23
Comment from: Barbara Hauck [Visitor] Email
Gerade weil Schulleitung eine Verantwortung hat für die Weiterentwicklung des Unterrichts, hat sie auch dafür Sorge zu tragen, eine Umgebung zu schaffen, in der Neuerungen passieren können und dürfen, und zwar nicht nur, weil etwas verbindlich vorgeschrieben wird, sondern weil Unterrichtende für sich eine Notwendigkeit entdecken, sich mit solchen Neuerungen auseinandersetzen zu w o l l e n. Dies ist umso wichtiger, je mehr Kreativität und nicht nur reine Methodik eine Rolle spielt, was vor allem eben auch beim Einsatz von Lernplattformen eine wesentliche Grundlage für den Erfolg des Unterrichts darstellt. Ein sehr gelungenes Beispiel für den Zusammenhang zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation ist in folgendem Clip zu sehen:

http://www.ted.com/talks/lang/eng/dan_pink_on_motivation.html

(Der Vergleich von Encarta und Wikipedia erinnert mich ein bisschen an die Idee des Moodle-Camps. Ich vermute, hier kann wirklich ein Katalysator gezündet werden, der die „schwer erträgliche Langsamkeit in den Veränderungen des Schulwesens“ etwas beschleunigt.)

Beim Umgang mit Lernplattformen gehört ein großer Teil der Lehrerschaft, und dazu zähle auch ich mich, nicht zu den „digital natives“, sondern zu den „digital immigrants“, was bedeutet, dass jegliches Fachwissen diesbezüglich bisher in Eigenregie erlernt werden musste. Mittlerweile hat sich hier zum Glück einiges getan, und auch die Immigranten können nun auf hervorragend ausgebildete Betreuer zugehen und ihre Lücken schließen. Das braucht aber in der Tat Zeit. Wer sich dieses Wissen bereits angeeignet hat, neigt manchmal dazu zu vergessen, dass es eben diese andere Seite von Welt auch noch gibt.

2010-01-02 @ 21:02
Comment from: Ralf Hilgenstock [Member] Email
Vielen Dank für den Link zum Video. Obwohl ich TED immer wieder verfolge war mir dieser Beitrag durchgegangen.

Ich würde den Aufgaben einer Schulleitung eine Dimension hinzufügen:
- eine Ausrichtung einer Schule nachhaltig verfolgen

Es geht nicht nur um
- eine Rahmen für Entwicklung schaffen
- Vorgeschriebenes umsetzen
- Lehrerinitiativen unterstützen.

Die meisten Schulen haben heute ein Schulkonzept/Schulprogramm oder ähnliches. Viele dieser Papiere sind jedoch Papiere, die zu Eltern-/Neuschüler-Infoveranstaltungen hochgehalten werden im Alltag jedoch nicht konsequent umgesetzt werden. Es ist Aufgabe der Schulleitung, die Umsetzung immer wieder anzustossen, zu fördern und zu fordern.
2010-01-04 @ 17:49
Comment from: Barbara Hauck [Visitor] Email
Zurück zu Moodle: Wenn nun das Schulprofil (noch) nicht ausgerichtet ist auf das Arbeiten mit Lernplattformen, sollte dann ein einzelner Lehrer dies nicht nutzen dürfen, nur weil es vielleicht zu lange dauert, bis das gesamte Kollegium so weit ist?
Oder: Soll die gesamte Lehrerschaft auf Biegen und Brechen auf ein neues Konzept eingeschworen werden, mit dem nur wenige umgehen können und das der Rest sich in Windeseile aneignen soll?
So funktioniert Schule, zumindest in diesem Bereich, nicht.
2010-01-04 @ 19:12
Comment from: Ralf Hilgenstock [Member] Email
Natürlich muss jede individuelle Initiative eines einzelnen Lehrers grundsätzlich und entschieden unterbunden werden. So geht es natürlich nicht. :-))

Aber Scherz beiseite. Ich argumentierte primär gegenüber Rene Schepplers 'Es kann nur so gehen', das sich auf die Initiative des einzelnen Lehrers bezog.

Ich nutze gerne das Bild von Inseln und einem Verlandungsprozess (hab früher mal Erdkunde-Leistungskurs gehabt).

Die Einführung eines Unterrichtsprinzips in der Fläche kann auf verschiedenen Wegen erfolgen.
Einzelne Lehrer ergreifen die Initiative und fangen an (Inseln). Alleine sind sie aber Wind, Stürmen und Sturmfluten ausgesetzt. Die Gefahr 'unter zu gehen' ist groß. Wenn sie sich zusammen tun, Dämme bauen, sich vernetzen (Brücken) können sie Probleme leichter bewältigen.

Die Schulleitung kann systematisch in solch einem Prozess Dämme errichten, Freiräume schaffen, Wege stabilisieren und über Schleusen kanalisieren, was hineinkommt. Die Schulleitung kann damit Leher aus der Angriffslinie der Unbillen des Wetters ziehen und sie im 'sicheren Hafen' arbeiten lassen.

Die Schulleitung kann aber auch den Prozess der Entwicklung mit den Kollegen, Schülern, Eltern planen und vorantreiben.

Vermutlich gibt es noch 49 andere Wege. Mir geht es nur auch darum, dass ich immer wieder sehe wie einzelne Lehrer sich abstrampeln und alleine nach drei Jahren aufgeben, weil es für sie zu viel ist. Ich will ungerne Situationen fördern, in denen sich dann andere aufreiben und verschleißen. Das passiert oft genug.

2010-01-04 @ 19:26
Comment from: Christoph Kasseckert [Visitor] Email · http://www.brn-moodle.de
... eine interessante Diskussion, die auch wir im Team von BRN-Moodle (Bayerisches Realschulnetz) oft diskutiert haben. Egal, welchen Weg man gehen will, Moodle oder E-Learning in die Breite zu bringen, man braucht eine niedrige Einstiegsschwelle. Im übertragenden Sinne trifft dies auch auf das Bild der Verlandung zu.
Niedrige Einstiegsschwellen (so wie wir sie von BRN-Moodle auch umsetzen) können sein:
- schnelles Supportsystem/FAQ
- Demokurse zur Technik für Lerner wie für Lehrer
- Best practice Beispiele, die man sofort im eigenen Unterricht auch einsetzen kann
- Newsletter/Magazin mit didaktischen und technischen Tipps und Tricks
- Unterstützersysteme an den Schulen und in der Region

So sehr in einigen Beiträgen zwar die Rolle der Schulleitung hervorgehoben wird: Schule wird noch immer von den Lehrern gestaltet, nicht von der (Schul-)Verwaltung. Wenn die Verwaltung aber pädagogische Freiräume schaffen kann, so werden diese von Lehrern mit Leben gefüllt werden und diese Lehrer überschreiten dann Schwellen in neue Bereiche.
2010-01-04 @ 21:30
Comment from: Barbara Hauck [Visitor] Email
Jetzt verstehe ich, warum wir offensichtlich ständig aneinander vorbei reden. Ohne selbstherrlich wirken zu wollen, kann ich sagen, ich habe das Glück, an einer bayerischen Realschule unterrichten zu dürfen. Denn hier gibt es sowohl ein brückenbauliches Netzwerk innerhalb der Schulen als auch ein Vorantreiben medientechnischer Neuerungen auf höherer Ebene. D.h. wir sind schon einen Riesenschritt weiter und agieren ganz im Hilgenstockschen Sinne.
Ich möchte dieses System der MiB- (= medienpädagogisch-informationstechnische Beratung) Tutoren kurz erklären:
· Jede bayerische Realschule stellt ein MiB-Tutoren-Tandem, das innerhalb der Schule Ansprechpartner für MiB-Fragen darstellt und neue Ideen einbringt, testet, evaluiert...
· Das Tandem wird unterstützt innerhalb der Schule von Schulleitung, IT-Lehrern und Systembetreuer

Nun kommt der geniale Schachzug der bayr. Realschule ins Spiel:
· Außerhalb der Schule sind die MiB-Tutoren vernetzt auf Ebene der Regierungsbezirke durch regelmäßige Fortbildungen und Arbeitstagungen durch die sog. medienpädagogisch-informationstechnischen Berater (=MiB), die auch jederzeit bei Fragen und Problemen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.
· Die MiBs der Regierungsbezirke arbeiten bayernweit zusammen.

Solchermaßen eingebettet, können nun z.B. auch Lernplattformen auf ihre Tauglichkeit überprüft und eingesetzt werden. Speziell für Moodle hat das bayerische Realschulnetz den Lehrern eine Plattform zur Verfügung gestellt, auf der die Kollegen nicht versanden, sondern zusammenarbeiten können und bei Problemen sofort Hilfe erhalten. Der Oberfranken-MiB Christoph Kasseckert leistet hier eine Betreuungsarbeit, für deren Würdigung genau genommen die Worte fehlen.
Auf der Plattform ( www.brn-moodle.de )habe ich übrigens auch diesen Blog entdeckt ;-)
Der Kreis schließt sich, denn wer in einem solchen Netzwerk arbeiten darf, hat auch keine Problem mit der Schepplerschen Aussage, dass es „nur so gehen kann“.
2010-01-05 @ 09:24
Comment from: Ralf Hilgenstock [Member] Email
Hallo Christoph,

es ist gut, dass die Schulleitung mit Schul-Verwaltung gleich setzt. Aus meiner Sicht ist eine Schulleitung im Sinne von Führung der Schule als Ganzes wünschenswert und erforderlich. Für einen rein verwaltenden Job braucht man vermutlich kaum einen OStD. Für die Führung einer Schule aber ganz sicher.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Schulleiter mit dem Anspruch der Führung einer Schule viel bewegen können. Nicht innerhalb eines halben Jahres, aber über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren.

Ich glaube, dass 20, 30, 50 oder gar über 100 Lehrer nicht jeder sein eigenes Reich aufbauen können und sollten. Genau da ist die Gefahr sehr groß, dass sich jeder für sich aufreibt. Schulleitung kann hier Richtung geben (oder unterstützen), koordinieren, abfedern und korrigieren. Ab einer bestimmten Größe kann auch Schulleitung das nur im Team leisten.

In dem Kontext wird dann Unterrichtsentwicklung und Schulentwicklung auch zusammen verstanden werden.

Ralf

2010-01-05 @ 15:07
Comment from: Ralf Hilgenstock [Member] Email
Hallo Barbara,

es ist sehr schön zu hören, wie es für die bayr. Realschulen auf den Weg gebracht wurde. Diese konkreten Beispeile sind für andere immer hilfreich, um zu sehen, wie klappt es woanders, was können wir daraus lernen? Dieses Wissen ist häufig nur im Rahmen lokaler Grenzen oder innerhalb der Bundesländer verfügbar.

Vielen Dank daher.

Ich denke, es gibt auch in anderen Bundesländern Strukturen dieser Art. In den meisten Schulen gibt es Beauftragte für dies-und-das. Ich habe den Eindruck, dass es meist an einer verbindlichen Einbindung in einer schulübergreifende Struktur mangelt.

Trotzdem bleibe ich skeptisch so lange es
- an der individuellen Initiative einzelner Lehrer hängt
- keine Abstimmung innerhalb von Fachkonferenzen gibt

Ich habe immer ein paar Fragen, wenn ich sehe, dass in einer Schule drei Lehrer acht Kurse im Schuljahr machen und das über mehrere Schuljahre so bleibt. Das wird dann für die aktiven Lehrer schwer.
2010-01-05 @ 15:14

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