Digitale Lehrbücher nur noch mieten statt kaufen
By Ralf Hilgenstock on Jan 6, 2010 | In Hintergrund, Bildungsprozesse, Ressourcen | 4 feedbacks »
Stephen Downes verweist auf ein Video amerikanischer Buchverleger hin. Darin zeigen sie eine interessante Vision der künftigen Nutzung von Lehrbüchern.
Diese werden nur noch digital zeitlich befristet zur Verfügung gestellt. Mit Hilfe von Tablet-PCs kann in ihnen gearbeitet werden. Schaut man sich die Vorberichterstattung zur amerikanischen PC-Consumermesse (CES) an so scheint es im Bereich der Tablett-PCs in Kürze zu einem Boom zu kommen. Mit Spannung wird die Vorstellung eines solchen Geräts von Apple erwartet. Auch das One-Laptop-per-child Projekt geht in diese Richtung.
Coursesmart bietet nunmehr digitale Bücher im Auftrag diverser großer Verlage an. Dazu gehören Elsevier, John Wiley & Sons, McGraw Hill Higher Education, Pearson u.a.
Die Bücher können als Online-Version oder als downloadbare Version geordert werden. Die Bücher kommen dann jedoch nicht einfach als PDF daher, sondern in einem eigenen Format. Dadurch werden Anmerkungen, Markierungen und ähnliches möglich gemacht.
Entscheidend ist jedoch, dass man das Buch nicht erwirbt, sondern nur mietet. Im Prinzip handelt es sich um eine kommerzielle digitale Leibibliothek. Der Zugriff wird für 180 oder 360 Tage zur Verfügung gestellt.
Die Bücher sind dafür günstiger als die gedruckten Versionen. In den USA hat sich ein umfangeicher Markt beim Handel mit gebrauchten Lehrbüchern entwickelt. Dies scheint nun ein Weg zu sein, ein alternatives Vertriebsmodell zu etablieren.
Der Einsatz von Tablet-PCs ist die technologische Voraussetzung, um diese digitalen Bücher sinnvoll und effektiv zu nutzen.
Digitale Bücher machen Sinn. Sie entlasten den Schulranzen und wenn sie auch noch Anmerkungen zu lassen können Schüler sich die Inhalte ‘aneignen’. Selbst selbstgemalte ‘Kunstwerke’ oder grafische ‘Verschönerungen’ aus Schülerhand könnte man sich am Rande vorstellen. Der Preis für diese Inhalte müsste jedoch deutlich unter denen der gedruckten Versionen liegen.
Die allgegenwärtige Praxis des schulinternen Ausgebens eines Schulbuchs für ein Jahr ist der Wegbereiter für die digitale Version. Man ist bereits gewohnt, das Buch nur im aktuellen Schuljahr zu nutzen und später nicht mehr darauf zugreifen zu können.
Das sollte dann aber auch zur Konsequenz haben, dass ein volles Bücherregal mit gelesenen Büchern nicht mehr als Nachweis des Bildungsbürgertums gilt. Besitzen von Büchern ist dann out. Man hat sie mal zur Verfügung gehabt. Vielleicht kann man dann einen digitalen Bilderrahmen im Wohnzimmer aufstellen, der die Cover der letzten 1.000 gelesenen Bücher im Wechsel anzeigt.
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4 comments
Beste Grüsse
Spätestens wenn die Geräte dazu stabil und zuverlässig laufen und verfügbar sind, wird der Druck auf die sich aktuell mit Händen und Füßen wehrenden "Schulbuchverlagsmonopolisten" seitens der Länder und Schulen hoffentlich auch durch preisliche Anreize so stark, dass das massenhafte Drucken von Schulbüchern abnimmt.
Aber zum Leihmodell: Das halte ich ja für sehr fragwürdig. Wieso sollte ich das tun? Meine Festplatte ist groß, eBooks sind nicht sonderliche Speicherfresser und mit Blick auf ein lebenslanges Lernen würden wir doch genau den Eindruck vermitteln, der aktuell so oft beklagt wird: die Schüler lernen für die das Kapitel abschließende Arbeit/Test und empfinden das Thema als gegessen. Ebenso bei Schülbüchern, die derzeit jahrgangsweise verliehen werden: Buch wieder abgegeben, Inhalt ebenso, Thema abgehakt. Wie gerne würde ich als Lehrer manchen 8. Klässler nochmal das Geschichtsbuch aus Klasse 7 oder 6 in empfehlen, um ihn etwas auffrischen zu lassen. Aber dank Schulbuchfreiheit hat er das ja nicht mehr und die der Schule zur Verfügung stehenden Exemlare sind natürlich im aktuellen Jahrgang.
Und die Schulen müssten dann im Sinne der Schulbuchfreiheit jedes Jahr neue Lizenzen erwerben?
Und persönlich fände ich es fatal, wenn ich am 361. Tag nochmal was nachschlagen will und dann das Buch "verschwunden" ist. Nein Danke, aber ein Leihsystem für Schul- und Lehrbücher halte ich für hoch fragwürdig. So einen Roman lese ich vielleicht mal kurzweilig auf der Zugfahrt und "brauche" ihn dann nicht mehr. Da würde ich mir das bei deutlichem Preisvorteil gefallen lassen.
Diese Idee ist schlicht diabolisch gut: Bücher an die digitale Kette, alle Macht dem Verleger.
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