Online lernen setzt sich langsam durch - eine quantitiative Betrachtung

Online lernen wird nach und nach zu einem selbstverständlichen Bestandteil unserer Lernwelt. Während die Marktschreier der E-Marktes vor Jahren wähnten digitale Medien würden bereits in Kürze den klassichen Unterricht völlig überflüssig machen, ist inzwischen längst eine realistischere Betrachtung eingetreten.

In vielen Bildungsbereichen sind online gestützte Lernprozesse zu einem selbstverständlichen methodischen und didaktischen Element geworden. In diesem Frühherbst wehte ein kalter Luftzug durch die Szenerie als die Frage gestellt wurde, ob man nicht künftig auf ‘E-Learning’ ganz verzichten könnte. Gemeint war jedoch nicht, E-Learning wieder einzustampfen, sondern auf das ‘E-’ zu verzichten und die Nutzung von Online-Lernwerkzeugen ganz normal in den Werkzeugkasten pädagogischen Handelns einzureihen und ihm damit den Nimbus des besonderen zu nehmen.

Die deutsche Diskussion war ein Abklatsch einer bereits seit über einem Jahr stattfindenden internationalen Debatte mit gleichem Tenor.

In den letzten Jahren hatte ich Gelegenheit viele unterschiedliche Organisationen bei der Implementierung von Online lernen zu begleiten; darunter Unternehmen wie auch Schulen, kleine und große Organisationen.

Betrachtet man Schulen so stellt man zunächst fest, dass sich häufig nur wenige Lehrer mit dem Thema engagiert auseinander setzen. Etwas despektierlich könnte man von kleinen Inseln sprechen. An manchen Schulen sind es drei Lehrer an anderen ein gutes Dutzend, die den Weg beginnen, mit Online Lernangeboten neue Impulse zu setzen. Schulen haben häufig zwischen 40 und 80 Lehrer und zwischen 500 und 1.000 Schüler.

Von einer deutschen Hochschule las ich gerade, inzwischen würden gut 10 % der Lehrveranstaltungen mit einer Lernplattform unterstützt. Viel oder wenig? Vergleicht man dies mit den Daten der Unternehmen, so ist es auf den ersten Blick nahezu rückständig, was Schulen und Hochschulen zu bieten haben.

Bereits in der ersten Anwendung schult eine Agentur 2.000 Promotoren für eine Kundenprojekt. Eine Bank schult alle Mitarbeiter in neuen gesetzlichen Bestimmungen und den sich daraus ergebenden Veränderungen im Bankhaus.

Sieht man sich die Daten etwas genauer an, so scheinen sie in einem anderen Licht. Die Rahmenbedingungen sind im Unternehmen und in Schule/Hochschule völlig andere.

Das genannte Bankhaus qualifizierte drei Mitarbeiter einheitliche Lernprogramme für über 6.000 Mitarbeiter zu entwickeln, die damit einheitlich geschult wurden. Ein als E-Learning-Autor qualifizierten Mitarbeiter steht 2.000 Mitarbeitern gegenüber.

Eine Hochschule hat bei 30.000 Studenten etwa 3.000 Mitarbeitende und führt vielleicht 6.000 Lernangebote im Jahr durch. In der Schule unterrichten 50 Lehrer 750 Schüler. Im Jahr werden 300-400 ‘Fächer’ (Lehrer x unterrichtete Klassen/Schuljahr) unterrichtet. Wenn in dieser Schule sechs Lehrer E-Learning aktiv als Autoren einsetzen, ergibt sich ein Verhältnis von 1:125.

Eine Schweizer Kollegin berichtet mir kürzlich, dass sie inzwischen 25 % aller Lehrer gewonnen habe E-Learning einzusetzen.

Da das Produkt von Schule und Hochschule ‘Lernen’ ist, ist es selbstverständlich, dass das Verhältnis von Lehrenden zu Lernenden deutlich günstiger ist als in einem Unternehmen. Schulen und Hochschulen haben einen deutlich differenzierteren Lernkanon an meist kleinere Gruppen weiter zu geben, wie es in Unternehmen der Fall ist.

Während das Unternehmen gar nicht erst anstrebt, alle leitenden Mitarbeiter zu Lehrenden zu machen, ist dies in der Schule Normalität.

So betrachtet ist eine Schule, die 15-20 % ihrer Lehrer innerhalb eines Jahres dazu bewegt, punktuell E-Learning zu nutzen, auf einem guten Weg.

Noch kein Feedback
Einen Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht auf dieser Seite angezeigt.

Ihr URL wird angezeigt.
SchlechtExzellent
(Zeilenumbrüche werden zu <br />)
(Name, E-Mail-Adresse & Webseite)
(Benutzern erlauben, Sie durch ein Kontaktformular zu kontaktieren (Ihre E-Mail-Adresse wird nicht weitergegeben))
Trackback-Adresse für diesen Eintrag

http://dialoge.info/b2/htsrv/trackback.php?tb_id=336