T-System lässt Schulen T-Online.de sperren
Ok. Die Überschrift ist etwas verwirrend. Um was geht es?
T-Systems versucht seit einiger Zeit die Schulministerien davon zu überzeugen, dass die Lernplattform der Zukunft ein Konzept von vorgestern braucht. Der Name: Edunex. Eine alte Plattform der Schulbuchverlage, die bereits in den Versuchen einiger Bundesländer nur mäßig angenommen wurde, wurde in wenig aufgepeppt.
Mit dem Argument, dass die Plattform bereits die Inhalte der Schulbuchverlage enthalte, wird auf Kundenfang gegangen. Tatsächlich wurden einzelne wenige Inhalte der Schulbuchverlage, die bereits vor Jahren entwickelt wurden, eingestellt. Wie mir ein Mitarbeiter eines der beteiligten Verlage erzählte, handele es sich um die alten Materialien, die nicht an neue Curricula oder bundesländerspezifische Anforderungen angepasst wurden.
Weitere Inhalte der Verlage bestehen aus Verlinkungen auf die Angebote der Verlagswebseiten mit der Option des käuflichen Erwerbs. Diese Materialien sind jedermann bereits heute über die Webseiten zugänglich.
Werner Grafenhain (lo-net) kommentierte nun den neuesten Clou von T-Systems zum Verkauf seines Ladenhüters. Auf der Cebit stellte T-Systems den narrensicheren Schutz der Schüler vor. “Edukey ist ein kleiner Kasten mit integriertem Fingerabdruck-Leser und WLAN-Modul, der an den USB-Port eines Rechners angeschlossen wird, der von USB aus booten kann. Im 8 Gigabyte großen Flash-Speicher befindet sich ein bootfähiges Windows XP Embedded, dazu eine komplettes Microsoft Office und ein Browser.”
Sicher ist sicher. Warum?
1. “Außerdem forderten Eltern von den Schulen, dass sie sicherstellen, dass ihren Kindern im Internet “nichts passiert". Vom großen Internet sind nur die Seiten verfügbar, die die jeweilige Schule auf eine White-List gesetzt hat.”
Damit sollten als erstes die Seiten des eigenen Konzern unter http://t-online gesperrt werden. Erstens wegen penetranter Werbung und zweitens wegen der Eroti k-Seiten. Damit soll die Notwendigkeit des Jugendschutzes nicht in Abrede gestellt werden.
2. “Mit Edukey habe der Schüler keine Möglichkeit, Webseiten zu besuchen, die ihn von seinem Lernerfolg abhalten, heißt es bei T-Systems. Hat sich der Schüler mit seinem Fingerabdruck identifiziert, bootet der Edukey direkt über den Browser in die Edunex-Schulumgebung, wobei schon der Verbindungsaufbau verschlüsselt ist.” Toll!
3. Besonders klever an dem Ganzen ist, dass zugleich ein wirksamer Schutz vor Pfuschen eingebaut wird und damit online sicher eine Klassenarbeit geschrieben werden kann. “Während einer solchen Klassenarbeit soll der Schüler bei jeder Aufgabe per Fingerabdruck bestätigen, dass er selbst die Aufgabe gelöst hat. Zusätzlich soll dabei eine Prüfung per Webcam erfolgen, dass nicht geschummelt wird.”
Davon wird sicher sicher jeder Schüler abhalten lassen, den Spickzettel selber zu nutzen oder den Nachbarn heimlich selber zu fragen. Welche Schule an jedem PC nun eine Webcam integriert hat und was Datenschützer von solchen Formen von Kontrolle halten und wer dann bei 33 Schülern 33 Webcam-Aufzeichnungen über 45 Minuten auswertet, dafür hat T-System sicher auch schon eine technische Lösung. Zumindest braucht man wohl nur nebenan im Konzern mal nachzufragen wie man Überwachungen von Mitarbeitern im großen Stil rational durchführt. Erfahrungen gibt es da wohl reichlich.
Übrigens: Das ganze System funktioniert natürlich nur mit dem Internet Explorer als Browser. Dieser Browser wird an immer mehr PCs ausgemustert, das sagen die Auswertungen der Zugriffe auf die meisten Webseiten. Offensichtlich scheint er aber für Kontrollzwecke besonders gut geeignet zu sein.
Zitate von heise-Online
| Print article | This entry was posted by Ralf Hilgenstock on 11.03.09 at 18:34:33 . Follow any responses to this post through RSS 2.0. |
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