Über das Richtigkeitsproblem bei Wikis im Unterricht

Es ist schon einige Zeit her, als eine Lehrerin mich zum Nachdenken brachte mit der Frage, wie sie denn gewährleisten könnte, dass in einem von Schülern erstellten Wiki alle Informationen immer richtig seien.

Nach kurzem Nachdenken kam ich zur Einschätzung, dass die Grundeinstellung dahinter erst zu dem Problem führt und man anders zu guten Lösungen kommen kann.

Man kann im Schülerwiki genauso wenig sicherstellen, dass alle Texte immer richtig sind wie man auch nicht sicher stellen können, das alle Lehrertexte immer richtig von der Tafel abgeschrieben werden oder alle Hausaufgaben immer richtig gemacht werden.

Wie kann man nun eine gute Lösung finden? Zentral ist die Festlegung des Lernziels: Am Ende haben wir ein Ergebnis mit richtigen Inhalten. Vom Beginn bis zum Ende findet ein mehrstufiger Prozess statt.

1. sammeln
2. strukturieren, gliedern
3. aufbereiten
4. verifizieren = Richtigkeit inhaltlich prüfen
5. Formulierung, Sprachstil optimieren
6. Rechtschreibung optimieren.

Die Stufen 1-3 können gut in Gruppen erarbeitet werden. Stufe vier kann eine gruppenübergreifende Arbeit sein. Stufe 5 und 6 sind optionale Schritte je nach Lernziel.

Stufe 4 enthält zugleich verschiedene Metalernziele, Inhalte im Web kritisch zu hinterfragen, ein Peerfeedback so zu geben, dass die anderen es annehmen können und unterschiedliche Sichten zu diskutieren.

Entscheidend für das Gelingen des Prozesses ist die Klarheit beim Lehrenden, welche Ziele in Vordergrund stehen und wie die eigene Rolle verstanden wird.
Selbst wenn sich einem die Fußnägel kringeln und der Rotstift heftig zuckt, um Rechtschreibfehler anzustreichen, ist dies in den Phasen 1-4 eher störend, da die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema behindert wird.

  • Maik Riecken
    Kommentar von: Maik Riecken
    05.05.09 @ 17:58:06

    Wie motiviert man SuS dazu, eigene Inhalte zu hinterfragen und mehrfach (!) zu überarbeiten?

    Man braucht dafür nach meinen Erfahrungen - und ich arbeite mit dieser Methode oft - u.a.:
    * Einsicht in die Notwendigkeit
    * Distanz zum eigenen Text (damit eigentlich auch zu seiner Persönlichkeit)
    * die Fähigkeit, die richtigen Fragen zu stellen
    * Durchhaltevermögen

    ... also erhebliche soziale und kognitive Kompetenzen, die bei vielen Erwachsenen auch nicht immer entwickelt sind.

    Ich weiß auf die Frage keine Antwort.

    Als zusätzliche Konstante sei das bestehende Schulsystem (29er-33er-Klassen) gegeben. Die Klasse als Korrektiv einzuspannen zieht am Anfang, später nicht mehr unbedingt - das sind in der Regel Zwangsgemeinschaften. Ich brauche pädagogische Antworten für meinen *Alltag*.

    Gruß,

    Maik

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