Jochen Robes befasst sich im Weiterbildungsblog mit der Frage des Lernens bei Wissensarbeitern. Dabei konstatiert er für sich selber
die Selbstbeobachtung, dass ich schon lange nicht mehr in Seminaren, in Kursen oder durch Lehrbücher lerne, also bewußt aus meinem Arbeitsprozess heraustrete, um mir grundlegend einen Gegenstand zu erschließen.
Es geht mir ähnlich. Meine letzte Anmeldung zu einem Seminar liegt länger zurück. Bei Lehrbüchern müsste man noch einmal darüber reden,wie man den Begriff ‘Lehrbuch’ konkretisiert. Es gibt viel Bücher aus der letzten Zeit, die für mich lehrend waren.
Zunächst einmal erinnere ich mich jedoch an statistische Auswertungen zur berufsbezogenen Weiterbildung, die immer schon ausweisen, dass Mitarbeiter mit steigendem Alter jährlich weniger Fortbildungstage nutzen. Das gilt nicht nur für Deutschland sondern wohl international.
Klassisch zählt man den Besuch von Tagungen und Konferenzen zur organisierten Weiterbildung. Da Jochen einer der eifrigsten Konferenzbesucher ist, sollte auch bei ihm etwas davon hängen bleiben. ![]()
Eigentlich geht es jedoch um die Debatte über (in-)formelles Lernen. Während man unter formellem Lernen (fremd) organisierte Lernangebote versteht, meint informelles Lernen die vom Individuum selbst gesteuerten Lernprozesse. Zugleich handelt es sich auch um die ad hoc Lernvorgänge im Alltag durch Gespräche mit Kollegen, Kunden oder die persönliche Auswertung von Erfahrungen.
In der Informations- und Community-Gesellschaft verlagern sich Informationsquellen an extrem viele Orte (im Netz), mit einer früher nicht gekannten Dynamik (Neues kommt hinzu, anderes verschwindet) und dem Drang immer alles sofort mitzubekommen.
Den Anfang machte die Explosion der Zahl der gedruckten Zeitungen und Zeitschriften, dann der Hörfunk- und Fernsehsender. Seit relativ kurzer Zeit Webseiten, Blogs, Foren, Communities, Netzwerke.
Der Versuch up-to-date zu bleiben und die Verlagerung dieser Anforderung auf das Individuum führt zu nicht unerheblichem Zeitaufwand. Da es sich nicht um organisierte Arbeit handelt, verlagert sich dieses zunehmend in den Bereich der Privatzeit.
Manche Apologeten des Web-2.0 Lernens vertreten die Einschätzung formale Lernprozesse würden vollständig durch informelle Lernprozesse verdrängt. Ich folge dieser Ansicht ausdrücklich nicht.
Erstens gibt es arbeitgeberseitig einen Steuerungsbedarf für die Wissens- und Kenntnisstände der Mitarbeiter ausgerichtet an strategischen Überlegungen der Unternehmenssteuerung.
Zweitens kann nicht davon ausgegangen werden, dass alle Mitarbeiter automatisch und eigenverantwortlich informell lernen, um den Wert der Arbeitskraft zu entwickeln.
Drittens stellt sich vielfach die Frage der Effektivität von informellem Lernen. Wenn 20 Mitarbeiter sich persönlich - ohne voneinander zu wissen - mit einem Themenfeld befassen, Quellen suchen, lesen, bewerten, verwerfen, exzerpieren, Transferüberlegungen anstellen dann wird häufig Doppelarbeit entstehen. Die klassische Aufgabe eines Trainers ist es ein Thema stellvertretend aufzubereiten und an andere zu vermitteln. Diese Professionalität hat ihren Wert. Bestandteil des Trainings kann natürlich in Workshopform die Bewertung und Transferüberlegung durch die Seminargruppe sein.
Genau dieser dritte Aspekt beschäftigt mich auch für meine persönlichen Entscheidungen. Wo ist es wichtig mich kurzfristig (quasi täglich) up-to-date zu halten? Wo ist es völlig ok, mich heute schlau zu machen und mit diesem Kenntnisstand die nächsten drei Monate glücklich zu leben, mich dann wieder umzuschauen, was ist passiert? Und letztlich auch zu entscheiden, wo ist es gut, mir jemanden zu suchen, der mich kompetent macht. Und letzteres wiederum kann ein formeller Lernprozess sein. Dazu zähle ich jetzt auch mal ein Netzwerktreffen mit Vortrag und Diskussion.
Betrachtet man die Diskussion über Lernplattformen und Persönliche Lernumgebungen (PLE) so wird hier gerade ziemlich viel Unsinn verbreitet. Auch die Überschrift der Podiumsdiskussion auf der CEBIT (Lernplattformen vs. PLE) kann eigentlich nur als Marketinggag verstanden werden.
Im gesamten Bildungsbereich hat sich gezeigt, dass neue Methoden und Techniken additiv ins Portfolio aufgenommen werden wenn sie sich bewähren. Sie ersetzen die alten nicht. Weder hat E-Learning den Klassenraumunterricht ersetzt, noch werden Blogs und Wikis aufbereitete Inhalte in Filmform ersetzen. Und: trotz Open-Space-Formaten gibt es weiter Vorträge.
Es gibt jedoch immer noch ein häufig anzutreffendes Verständnis von Lernplattformen als SCORM-Lernpaket-Abspielstation. Diese ‘klick dich schlau’ Konzeptionen von Lernen sind mehr oder minder unterhaltsam verpackte Frontalvorträge mit integriertem Verständnistest.
Ok. Genau dafür sind sie gut. Für eine vertiefte kooperative Auseinandersetzung mit dem Lernstoff. Für einen organisierten Lerntransfer in den Arbeitsalltag taugen sie jedoch nicht.
Wer mit einer Lernplattform wie Moodle arbeitet, begrenzt sich längst nicht darauf. Wir haben seit langem eine Arbeitsumgebung, die Lernen als kommunikativen kooperativen Prozess unterstützt.
Link: http://hotpot.uvic.ca/
Hotpotatoes ist ein insbesondere im Schulbereich sehr beliebtes Programm zur Erstellung von Tests. Kreuzwörträtsel oder Drag-and-Drop-Fragen gehören zum Repertoire. Die Fragen können in Webseiten eingebunden werden oder mit dem extra zu aktivieren Hotpot-Modul im Moodle Kursraum integriert und auch ausgewertet werden.
Hotpotatoes war bislang unter einer besonderen Lizenz veröffentlicht. Die Nutzung im Schulbereich war frei wenn man die damit erstellten Fragen wiederum anderen zur Verfügung stellte. Für andere Einsatzbereiche gab es kostenpflichtige Lizenzen.
Heute hat Hotpotatoes bekannt gegeben, das die Software ab sofort als Freeware zur Verfügung gestellt wird. Im Unterschied zu Open Source ist die Software kostenfrei verfügbar. Der Programmcode wird nicht zur Verfügung gestellt und kann nicht bearbeitet werden.
Für die Software wird nunmehr kein Support mehr zur Verfügung gestellt.
Der Download ist unter http://hotpot.uvic.ca/ möglich.
Ich bin immer wieder verwundert mit welcher Selbstverständlichkeit - man könnte es auch Unverfrorenheit oder Dreistigkeit - manche Apologeten des Web 2.0 ihre Thesen in die Welt streuen.
Martin Lindner ist so ein Beispiel.
Zu einem Teil habe ich das Gefühl nicht wirklich zu verstehen, was da geäußert wird. Es scheint mir manchmal ein wenig unausgereift. Vielleicht bin ich auch zu blöd dafür.
Zum anderen habe ich häufig das Gefühl, dass hier die Laborsituation der Hochschule und der Modellversuch in einem Technologie- oder IT-Unternehmen nahtlos auf ‘die Wirtschaft’ übertragen wird.
Bei den meisten Unternehmen mit denen ich zu tun habe ist die hier immer wieder vorausgesetzte Kulturentwicklung an keiner Stelle gegeben und häufig auch gar nicht gewünscht.
Wer jetzt entgegnet: Es wird in einer dynamischen Welt nur überleben, wer da konsequent mitzieht, dem wiederum entgegne ich: die geplatze Dotcom-Blase und genauso die aktuelle Krise einer virtualisierten Finanzwelt zeigt, dass nicht alles,was hoch gehypt wird letztlich Bestand haben wird.
Ein weiterer Kandidat auf dieser Liste ist der Finne Teemu Arina.
Hier ein Video: http://www.vimeo.com/1254531
Und hier ein durchaus lesenwertes Interview (übrigens von Martin Lindner geführt)
http://www.scribd.com/doc/12513592/InformelleWeiterbildungLindnerArina2008
Link: http://www.cobocards.com/
Ein interessantes Werkzeug, um gemeinsam nach dem Karteikartenprinzip zu lernen.
Gerade komme ich von der Bettshow aus London zurück. Diese Fachmesse konzentriert sich auf den Einsatz elektronischer Medien im Schulbereich. Man stelle sich in Deutschland die Didacta vor, die jedoch ausschließlich elektronische Medien zum Gegenstand hat. Auf etwa drei Messehallen tummeln sich alle Anbieter mir Rang und Namen und viele in Deutschland völlig unbekannte Player.
Für mich sehr auffällig war der Stellenwert des Themas ‘Elektronische Tafeln’. Mindestens 50 Anbieter nutzten elektronische Tafeln und zeigten deren Einsatz im Unterricht. Es gibt eine Vielzahl von Unterrichtshilfen, die sich mit dem Einsatz der Tafeln befassen. Manche Präsentation zeigte sehr kreative Lösungen zum Einsatz.
Eine sehr große Bedeutung hat auch das Thema Kontrolle und Verhaltensauswertung bei den Schülern. So gibt es Anbieter für Softwaretools zur Verhaltensauswertung und -analyse. Dabei zeigen die Tools Detaillierungsgrade, die in Deutschland die Datenschützer sofort auf den Plan riefe.
Andererseits stellt sich die Frage was ist Schein und was ist Sein. Im Gespräch mit einem Anbieter von Lernhilfen, berichtete dieser, die verbindliche Existenz von Lernplattformen bedeute nicht, dass diese auch genutzt würden.
Ja, ich bin noch immer dabei. Ich lese Hartmut von Hentigs Biografie. Wieder ein interessantes Zitat:
Es traf sich, dass mein Nachbar zu Rechten eben gerade leuchtende Auges verkündet hatte, man werde in allernächster Zeit schon in der Lage sein, das gesamte unserer Zeit auf einer Kassette von der Größe einer Streichholzschachtel unterzubringen - triumphierend hielt er eine solche hoch. Man könne es bei sich tragen und brauche seinen Kopf nicht damit zu belasten. “Und diese Kassette, Herr Kollege", übernahm ich das Wort von ihm, “werde ich kaufen und in den nächsten Gully werfen - nicht aus Missachtung dieser technischen Leistung, sondern um zu beweisen, dass weder mir noch der Welt dabei etwas verloren geht.Nur was ein Mensch weiß, und das heißt: sich angeeignet hat, darf sich ‘Wissen’ nennen. Alles andere sind angehäufte Daten, die erst durch Anstrengung des denkenden Menschen tauglich gemacht werden.”
Wie wahr.
Link: http://moodalis.de
Digital Library for Moodle and other systems providing fulltext search, customizable metadata models and more…
und auch der Repository-Server
Beide Videos liegen auch in höher auflösender Version vor:
Introduction to the Repository Server
Repository and Moodle
Link: http://www.rechtzweinull.de/
Einen sehr interessanten Blog betreibt Dr. Carsten Ulbricht aus Stuttgart. Er berichtet über diverse Themen rund um online Aktivitäten und rechtliche Aspekte.
Hier befasst er sich z.B. mit Contentdiebstahl und Möglichkeiten, sich dagegen zu wehren. Lesenswert.
Link: http://moodle.de/mod/wiki/view.php?id=2135
Im Serviceforum auf Moodle.de ist ein neues Wiki eingerichtet in dem Quellen zu Materialien (Texten, Fotos, Grafiken, Musik) gesammelt werden können, die urheberrechstfrei eingesetzt werden können. Ausserdem werden hier künftig Quellen zu Fragen des Urheberrechts gelistet.
In den nächsten Tagen werden die ersten Einträge gemacht.
Link: http://www.ispringsolutions.com/
Powerpointdateien gehören weiter zu den heiß geliebten Werkzeugen zur Darstellung von Inhalten. Die direkte Einbindung von Powerpoint in die Lernplattform erfordert jedoch Powerpoint auf jedem Anwender-PC oder zumindest den kostenfreien Player. Selbstverständlich öffnet auch das Präsentatonsprogramm Impress in OpenOffice eine Powerpoint-Datei.
Um die Powerpointdatei jedoch ohne Start eines weiteren Anwendungsprogramms in einer Lernplattform darzustellen ist es erforderlich das ppt-Format nach Flash umzuwandeln. Flash kann mit dem meist vorhandenen Plugin des Browsers direkt dargestellt werden.
Neben kommerziellen Lösungen gab es hierzu bislang nur die Umweglösung über OpenOffice-Impress. Hier kann man die Powerpointdatei öffnen und dann als Flash-Datei wieder abspeichern.
Nachteil dieser Lösung ist, dass alle Animationen verloren gehen.
Mit iSpring gibt es nun eine interessante Alternative. Das in der Free 3.2 Version kostenlose Programm bindet sich im Powerpoint direkt ein und kann die Präsentationsdatei direkt nach Flash umwandeln. Man hat die Wahl eine HTML-Version (mit Aufruf eines Players) oder die reine swf-Datei erstellen zu lassen. Zudem kann man wählen ob die Präsentation automatisch abläuft oder auf einen Mausklick wechselt und Animationen abspielt.
Für die Einbindung in Moodle empfehle ich die HTML-Version. Im neu angelegten Ordner liegen dann drei Dateien. Eine HTML-Datei, eine Player-Datei und die Flash-Präsentation. Laden Sie alle drei Dateien in einen Ordner und erstellen Sie in Moodle einen ‘Link auf eine Datei’ und wählen Sie dann die index.html-Datei aus. Diese Datei lädt automatisch den mitgelieferten Player und die Teilnehmer haben keine Probleme die Präsentation zu nutzen, selbst wenn ein Browser-Plugin fehlt.
Das Programm ist in dieser Version kostenfrei. Es gibt zwei weitere kostenpflichtige Versionen, die weitere Funktionen enthalten. Die Ultra-Version enthält z.B. einen zusätzlichen Export nach SCORM 1.2 und SCORM 2004.