Kategorie: "Anwendung"

Vom arg begrenzten Wert der öffentlichen Wikis und Blogs für den Bildungsbereich

April 3rd, 2009

Seit einiger Zeit wird sehr engagiert über den Einsatz von Wikis und Blogs im Bildungsbereich diskutiert. User generated Content und offene Strukturen sollen demnach den Einsatz von Lernplattformen überflüssig machen.

Insbesondere wird dabei hervorgehoben, dass die Offenheit von Wikis und Blogs und die Verbindung zu Menschen außerhalb der Lerngruppe besondere Möglichkeiten für das Lernen und damit zusätzliche Motivation erschließen würde.

Ich bin an dieser Stelle sehr skeptisch. Ich sehe durchaus, dass die Öffnung der Lernprozesse für Außenstehende von Wert ist. Lernprozesse sind heute black boxes. Lehrende und Lernende wissen was darin passiert, aber sonst niemand. Damit bleiben spannende Lernszenarien Externen verborgen. Manch einer scheut sich, selber Lernvorhaben in Angriff zu nehmen, weil er nicht weiß, was dort passiert. Die Sichtbarkeit kann also durchaus Vorteile haben. Völlig klar ist auch, dass der produktive Schaffensprozess des Lernenden in Form einer eigenen Arbeit für die Nachhaltigkeit des Lernens äußerst wertvoll ist.

Andererseits braucht Lernen den Schutz der geschlossenen begrenzten Öffentlichkeit. Lernen ist ein Feld in dem Fehler auftreten und auch auftreten sollen, damit diese erkannt und korrigiert werden können. Dieser Erkenntnisprozess geht die Öffentlichkeit nichts an. Viele Lernende liegen großen Wert darauf, im Schutz der Gruppe zu agieren. Viele trauen sich bereits in einer Gruppe von 15 Teilnehmern nicht, frei zu reden. Die große Öffentlichkeit wäre dann also nicht hilfreich.

Vielleicht dient mancher Lernprozess mit Wikis mehr der öffentlichen Profilierung der Kehrenden als den Lernenden. Das würde zumindest erklären warum die meisten dieser öffentlichen Lernprozessen in den mediendaktischen Seminare unserer Hochschulen stattfinden und selten in andere Fachgebiete übertragen werden. Zumindest ist auffällig, dass überdurchschnittlich häufig Seminare mit entsprechenden Themenstellungen (Web, neue Medientechnologien, Communities) Weblogs und Wikis verwenden.

Die geschlossene Gruppe bietet Raum zum Experimentieren mit Möglichkeiten. Gerade dies in in einem ungeschützten Raum meist nicht mehr möglich.

Ein anderes Problem mit Wikis und Blogs in der Öffentlichkeit für Lernprozesse ergibt sich durch die begrenzte Skalierbarkeit und Wiederholbarkeit. Wer mit einer Gruppe von 20 Teilnehmern ein thematisches Wiki erstellt hat, kann mit der nächsten Gruppe an diesem Wiki in Form von Verbesserungen und Ergänzungen weiter arbeiten. Dabei werden jedoch andere Lernziele realisiert wie mit der ersten Gruppe. Die dritte Gruppe findet ein nahezu perfektes Produkt vor. Sie kann diese lesend erschließen, aber kaum mehr neu erarbeiten. Da es jedoch zum Alltag der Lehrenden gehört, mit wechselnden Gruppen das gleiche Thema zu bearbeiten, sind die Möglichkeiten zur Wiederholung des methodischen Ansatzes für das Thema begrenzt.

Berücksichtigt man dann noch, dass in manchen Bereichen (Schule, einheitliche Lektüren, Curricula) auch noch viele Institutionen das Gleiche bearbeiten, ist mit einem mehrfachen Einsatz der gleichen Methodik (Inhaltserarbeitung durch Wikis) zu rechnen. Das steigert die Gefahr des gegenseitigen Abschreibens.

Ein besonderer Blick auf die leistungsschwachen Teilnehmer lohnt sich besonders. Gerade diese wünschen sich nicht, dass ihre Mängel und Schwächen öffentlich sichtbar werden. Zugleich bleibt ihnen ggfs. ein Erfolgserlebnis durch öffentliche Sichtbarkeit guter Ideen versagt.

Nicht zuletzt sei der Aufwand für Lehrende beim wiederholten Anlegen von Wikis oder Blogs für Teilnehmer genannt, der erhöhte technische Kenntnisse erfordert. Das Anlegen eines Wikis (z.B. auf Grundlage von Mediawiki) und die Bildung von Gruppen darin ist kein Pappenstil. Das Gleiche gilt für Blogs.

Die heutigen Lernplattformen hingegen bieten die Möglichkeit mit wenigen Klicks Wikis anzulegen oder Blogs für Gruppen zur Verfügung zu stellen. Hintergrundwissen über Datenbanken und Webserver sind dafür nicht erforderlich. Gelungene Lernergebnisse können ohne Probleme einer Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Damit ich nicht missverstanden werde, Wikis und Blogs sind tolle Instrumente, um mit einer Lerngruppe Inhalte aufzubereiten und Lernprozesse zu reflektieren. Ich halte es jedoch für gefährlich diese als Allheilmittel darzustellen und damit das Aus für andere Instrumente zu verbinden.

Nach über 30 Jahren aktiver Tätigkeit im Bildungsbereich habe ich viele Methoden kommen und manche auch wieder verschwinden sehen. Hilfreiche Modelle haben sich im Laufe der Zeit bewährt und das Methodenrepertoire ergänzt, ohne dabei andere vollständig zu verdrängen. Auswendiglernen und Frontalvorträge haben auch heute ihren Stellenwert, auch wenn sie immer wieder als steinzeitlich diskreditiert werden.

Es wäre hilfreicher, neue methodische Ansätze so auszuwerten, dass deutlich wird, wann und unter welchen Bedingungen sie hilfreich sind und wann sie unangebracht oder schädlich sind.

Simplify your Moodle

März 23rd, 2009

Der Wunsch, Moodle einfacher zu gestalten tritt immer wieder auf. Warum eigentlich?

Sicher gibt es dafür mehrere Gründe. Der eine ist, dass man sich mit einem komplexen Instrument befasst, dass viele Möglichkeiten hat, man selber im Moment aber nur sehr wenige nutzen möchte. Der andere ist, dass man der Ansicht ist, man könne sofort durchstarten, ohne sich mit dem Instrument zu beschäftigen. Wer in eine neue Wohnung einzieht, muss sich auch erst mal die Zimmer anschauen und dann einrichten. Das ist nicht fertig wenn man den Mietvertrag unterzeichnet.

Nun, man kann Moodle vereinfachen indem man die Funktionen reduziert. Dazu gleich mehr. Man muss jedoch damit beachten, dass man nicht auch die pädagogischen Handlungsmöglichkeiten reduziert. Aus Erfahrung weiß ich, dass kaum ein Trainerkreis oder ein Lehrerkollegium sich auf ein gemeinsames Set an Funktionen einigen wird, die es benötigt oder nicht benötigt.

Wo sind nun die Elemente zum Reduzieren der Funktionen?

  • Weniger Blockoptionen: In der Website-Administration unter Module-Blöcke nicht benötigte Blöcke ausblenden. Hier kann man getrost 50 % abschalten
  • Weniger Lernaktivitäten in der Auswahl: In der Website-Administration unter Module-Blöcke nicht benötigte Lernaktivitäten ausblenden. Alternativ kann man bestimmte Lernaktivitäten nur den Admins vorbehalten (In Website-Administration unter Sicherheit-Modul-Sicherheit). Sie können diese dann im Kurs von Hand hinzufügen.
  • Weniger Blöcke oder andere Anordnung in neu angelegten Kursen. Hierzu muss in der Datei config.php auf dem Server ein Eintrag gemacht werden. In der Datei conf-dist.php sind dazu Musterformulierungen.
  • Neu angelegte Kurse anders vorkonfigurieren. In neuen Systemen unter http://meinmoodle.irgendwo/admin/settings.php?section=coursesettings (nur für Admins) diverse Einstellungen vornehmen, die sonst unter im Kurs unter Einstellungen im Administrationsmenu vorgenommen werden.
  • Kursraumadministrationsmenus für Trainer reduzieren. Dies erfolgt über Anpassungen in der Rolle Trainer. Es ist jedoch nicht möglich, darüber Lernaktivitäten abzuschalten
  • Standardkursaufbauten. Hierzu können Sie einfach vorbereitete Leerkurse mit Strukturen anlegen und in einer eigenen Kurskategorie hinterlegen. Hier können alle Dozenten Zugriff bekommen und eine Sicherung nutzen, um sie wieder herzustellen.
  • Nachrichtenforum im Kurs abschalten. Das Nachrichtenforum kann einfach ausgeblendet werden (Augensymbol). Wenn man es löscht taucht es nach kurzer Zeit automatisch wieder auf. Um es ganz zu verbergen muss der ‘Neueste Nachrichten’ im Kurs gelöscht werden und unter Administration - Einstellungen im Kurs ‘Anzahl neuester Nachrichten’ auf ‘0′ gesetzt werden.

Es gibt übrigens noch eine Möglichkeit und die lautet schlicht ignorieren.

Neue Website des deutschen Moodle-Partners

März 16th, 2009

Passend zur Moodle-Konferenz ist die Webseite von eLeDia komplett neu gestaltet worden.

Ausführlich werden Leistungen für verschiedene Zielgruppen dargestellt. Hosting, Schulungen und Handbücher können direkt online gebucht, bzw. bestellt werden.

Viel Spaß

auf http://eledia.de

"Vorsicht Moodle"

März 14th, 2009

Moodle hat sich weltweit im Markt der E-Learningplattforen in allen Bildungsbereichen durchgesetzt. Das ist erfreulich, zugleich aber auch Last.

Moodle ist kein Hype. Unter Hype verstehe ich Produkte und Trends, die hochgepuscht werden, viel öffentliche Aufmerksamkeit erleben, aber sich nicht tatsächlich durchsetzen.

Erst Moodle hat z. B. in Deutschland dazu geführt, dass tausende von Bildungseinrichtungen Lernplattformen zur Unterstützung des Präsenzlernens einsetzen. Der hohe Bekanntheitsgrad von Moodle und die Flexibilität haben zugleich den Erwartungsdruck erhöht und unrealistische Vorstellungen entstehen lassen.

Einige Beispiele:
‘Moodle verbessert den Unterricht.’
Das ist tatsächlich richtig, wenn der Lehrer Moodle dazu benutzt. Moodle bietet ein gut geeignetes Werkzeug dies zu tun. Der eigentliche Verbesserer ist und bleibt aber der Lehrende. Moodle schafft das nicht automatisch und das ist auch gut so.

‘Moodle ist einfach zu nutzen.’
Auch das ist tatsächlich der Fall. Wenn man es vergleicht mit anderen Werkzeugen. Man muss sich jedoch auch auf eine Systematik einlassen. Ein Test ist per se keine einfache Sache. Lehrende entwickeln ihn häufig intuitiv. Die einzelnen Schritte verlaufen nicht unbedingt bewusst reflektiert. Beim Anlegen eines Tests muss man sich die formalen Schritte (Einsatzszenario, Fragentyp, Fragentext, Antworten, Feedback, Bewertung, Zusammenstellung, Auswertungen und Gesamtfeedback) klar machen. Diese sind dann in Moodle zu hinterlegen. Im Alltag eines Lehrers werden diese häufig zeitversetzt gemacht. Bewertung und Feedback werden meist erst während der Bewertung selber entwickelt. In Moodle erscheint daher die Erstellung eines Tests aufwendig.
P.S.: Ganz sicher sind Formulare in Moodle für Aufgaben und Tests optimierungsfähig und gerade daran wird aktuell auch heftig gearbeitet.

Simple-Moodle vs. Funktionserweiterung
Auf der einen Seite wird erwartet, dass man Moodle auf wenige Funktionen beschränken können solle, da Moodle viel zu umfangreich sei. Andererseits wird argumentiert, man könne Moodle überhaupt nur dann nutzen wenn diese und jene zusätzliche Funktion genau auf diese oder jene Art und Weise zur Verfügung stünde. Das Phänomen ist, dass diese Aussagen u. U. in der gleichen Institution gestellt werden. Entweder geht es um eine gruppendynamische Auseinandersetzung in einem Kollegium mit ganz anderen Zielen oder um mangelnde Fähigkeit, nicht genutzte Funktionen einfach zu ignorieren. (Verweigern die Simplifizierer eigentlich auch den Einsatz einer Textverarbeitung, weil sie selber nur 5 % der Funktionen nutzen? Oder warum sind die ‘Funktionsforderer’ nicht mit Workarounds zufrieden, wenn diese das angestrebte Ziel erreichen?) Übrigens viele der Simplifizierungen sind durch die einfache einmalige Konfiguration von Moodle (Abschalten von Lernaktivitäten und Blöcken, anderer Aufbau neuer Kursräume) leicht gestaltbar. Manchmal muss man halt jemanden fragen, der isch damit auskennt.

Moodle erreicht heute Personen, die wenig Kenntnisse in der Medienentwicklung haben.
Heute arbeiten Menschen mit Moodle, die bisher mit Fotokopierer und Klebstoff Lernmaterialien zusammengebastelt haben. Manche von Ihnen schaffen es gerade eben, in eine Word-Datei ein Bild einzufügen. Ganz zu schweigen davon, in Powerpoint eine wirkungsvolle, nicht überladene, Animation zu erstellen. Die gleichen Menschen erwarten nun, dass sie mit Moodle Seiten und Inhalte hochprofessionell erstellen und das natürlich einfach von der Hand geht, sich selbst erklärt, weder Schulung noch Übung erfordert.

Manche dieser Forderungen sind schlicht unrealistisch. Andere sind Herausforderungen bei der Weiterentwicklung von Moodle.

Aktuell findet eine sehr engagierte Diskussion um Nutzerführung und Design in Moodle statt. Dabei geht es genau um solche Fragen der Orientierung und der Nutzerführung, aber auch um die visuelle Identität und Anpassbarkeit. Die Diskussion findet im Wesentlichen unter http://moodle.org - Kursraum Using Moodle im Developerforum, im Forum Theme und im Quiz-Forum statt.

In medias res: Was Moodle kann und was nicht ...

Februar 22nd, 2009

So langsam nimmt die pädagogische Debatte rund um Moodle Fahrt auf. Das ist gut so.

Es ist nicht Moodle, das den Unterricht verändert. Moodle ist ein Instrument unter vielen in der Hand des Lehrenden, das das Potenzial hat Unterricht zu verändern. Aber es geht nicht von alleine.

Mathias Funk und Sven Gänger berichten in einem Beitrag über die Ergebnisse eines hessischen Modellversuchs zu e-Portfolios (Das E-Portfolio als Werkzeug zur Förderung selbstbestimmten Lernens? in:Zeitschrift für e-learning, 2-2008). Im Fazit schreiben sie u.a. “dass die Nutzung einer strukturierten E-Portfolio-Plattform nicht der Garant dafür ist, dass sich Unterricht in Richtung Selbstbestimmung und Individualisierung entwickelt.”
Hintergrund ist die Fallstudie dreier Lehrer, deren Einsatz von E-Portfolio zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen führt und die Lehrpraxis und die Haltung der Lehrer entscheidend ist. Abschließend formulieren Sie, dass die Veränderung der Lernkultur bereits eingeleitet, zumindest aber ein erklärtes Ziel darstellen solle wenn E-Portfolios eingeführt würden.

Letztlich wird damit betont, nicht das Werkzeug ist das Ziel.

In der Taz findet sich am 28.1.2009 ein Beitrag über Blogs für das Lernen 2.0. Darin wird Kritik über Moodle laut:

Prinzipiell ist Scheppler mit Moodle nicht unzufrieden. Anderswo heimste die Plattform dagegen jede Menge Kritik ein und gilt unter Lehrern vielfach als das viel geförderte Tool, das niemand benutzen möchte. Vielen ist es zu kompliziert. Unterrichtsblog-Pionier Thomas Rau ist es zu hässlich, zu wenig öffentlich - und es fehlt die Möglichkeit, Schüler zur Heimarbeit mit Moodle zu verpflichten. Auch weil eben noch immer nicht davon ausgegangen werden kann, dass jeder Schüler einen Computer mit funktionierendem Internetanschluss zu Hause stehen hat.

Drei Stichworte liefert uns Lehrer Rau:
kompliziert: Die wesentlichen Dinge sind einfach. Man kann die einfachsten Dinge sehr effektiv nutzen. Man muss nicht alles haben. Es wird kein Tool geben, dass alle Lehrer lieben. Das ist Gesetz.
hässlich: Moodle kann angepasst werden. Es gibt viele Beispiele, die zeigen dass Moodle ganz anders aussehen kann, wenn man will. z.B: http://ecdl-moodle.de oder http://playpen.riverview.nsw.edu.au/moodle19/ oder http://quantum.riverview.nsw.edu.au/. Alles Moodle-Systeme, jedoch mit grafischen Anpassungen. Dass Schulen häufig die altbackensten Oberflächen auswählen, liegt nicht unbedingt an Moodle.
zu wenig öffentlich: Dies ist eine Frage des Öffnens und des Wollens. Da das Internet ein Gedächtnis hat, das nicht kontrollierbar ist, ist die Nicht-Öffentlichkeit ein ganz wesentlicher Schutzraum. Dennoch ein Lehrer kann jederzeit seinen Kurs für Gäste öffnen und damit öffentlich machen. Viele in der Lehre genutzte Blogs setzen aus meiner Sicht Schüler und Studenten einer Öffentlichkeit schutzlos aus.

Und nochmal Lehrer Rau aus der taz zitiert:

Nicht das Einzige, was Rau, der selbst an seiner Schule “Moodle-Beauftragter” ist, stört. “Das selbstorganisierte Lernen läuft damit auch nicht optimal", mäkelt er und gibt aber dennoch zu: “Aber es ist besser als gar nichts.”

Fink und Gänger (s.o.) machen sich in ihrem Beitrag eine Begriffsunterscheidung von Thomas Häcker zu eigen.

Von selbstgesteuertem Lernen spricht er, wenn die Lernenden lediglich bei den regulativen Prozessen des Lernens mitentscheiden können, also bei der Auswahl von Lernformen und Methoden. Von selbstbestimmten Lernen ist dagegen erst zu sprechen wenn … auch die Mitbestimmung bei den Inhalten und Lernzielen sowie bei der Einschätzung und Bewertung des Lernprozesses und der Lernergebnisse eine Bedeutung erhält.

Was ist nun selbstorganisiertes Lernen? Gabi Reinmann hat kürzlich in zwei Aufsätzen kritisiert, dass es in der Debatte an begrifflicher Klarheit fehlt.

Maik Rieken zieht nun eine persönliche Bilanz seiner Arbeit mit Moodle (hier und hier)

# Moodle muss den Lernenden (denen in der Teilnehmendenrolle) noch weit mehr Möglichkeiten geben, an der inhaltlichen und strukturellen Ausgestaltung von Kursinhalten zu partizipieren. Das geschieht bereits in einigen Lernaktivitäten, aber dieser Weg muss für mich noch konsequenter fortgeführt werden. Die Kommentarfunktion wäre da ein Beispiel. Ein individell frei gestalbarer Bereich für jeden Teilnehmenden - wie etwa durch Portfoliosystem (exabis) sind da für mich ein Schritt in die richtige Richtung, wenn diese Portfolios auch verschiedengradig öffentlich gemacht werden können: z.B. Gruppe, Kursbereich, Moodlesystem, Welt. Mahara macht es für ich in diesem Bereich exzellent vor.
# Inhalte aus Moodlekursen müssen losgelöst von personenbezogenen Daten für jedermann von überall auf der Welt recherchierbar sein. Nur so würde für mich die Schaffung von Kursinhalten effizient. Ich nutze die Inhalte in meinem Unterricht und bekomme von außerhalb meines Unterrichts dazu zusätzlich als Input. Mit “außerhalb” meine ich dabei nicht andere Lehrer oder Schüler.
# Moodle ist ein Unterrichtsinstrument, eine für mich geniale Zusammenführung verschiedener Methoden, von denen keine neu ist - ein Instrument verändert Unterricht durch die Art seiner Benutzung. Es ist für mich fahrlässig zu behaupten, dass ein Instrument von sich aus Unterricht verändert - wie es allgemeinen Hype um Moodle manchmal geschieht. Ohne eine Einführung in das Prinzip, welches hinter dem Kontruktivismus steht, wird Moodle m.E. keinen wirklichen Fortschritt bringen können, sondern lediglich bestehende Strukturen virtuell abbilden.

Ich stimme Maik an vielen Stellen zu. Ich finde eine Differenzierung besonders wichtig: Was schafft Moodle und was schaffen die Menschen, die mit Moodle arbeiten (wollen). Die Aussage ‘Moodle muss..’ ist für mich falsch. Hier ist zu allererst der Lehrende zu sehen. Er kann diese Rechte an vielen Stellen in Moodle schon längst vergeben. Man muss es halt geschickt kombinieren. Der Moodle-Weg erlaubt verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten. Würde Moodle überall die Kommentierung und Gestaltung zulassen, dann wäre ein lehrerzentrierter Unterricht mit Moodle kaum mehr möglich. Und auch er hat seine Berechtigung.

Inhalte aus Moodlekursen müssen losgelöst von personenbezogenen Daten für jedermann von überall auf der Welt recherchierbar sein.” Hier bin ich mir nicht sicher, wie weit das denn wirklich gewollt ist. Wenn ein Lehrender das will, dann kann er es auch tun. Aber wollen die Lehrer das?

Ohne eine Einführung in das Prinzip, welches hinter dem Kontruktivismus steht, wird Moodle m.E. keinen wirklichen Fortschritt bringen können, sondern lediglich bestehende Strukturen virtuell abbilden.” Und da sind wir bei der Integration in Unterrichts- oder Schulentwicklungsprozesse. Aber das ist nicht die Verantwortung von Moodle.

Und nochmal Maik Rieken:

Viele meiner Konsequenzen sind bereits heute mit Moodle umsetzbar, wenn ich als Lehrender bereit bin, den Lernenden mehr zu vertrauen und ich den Mut aufbringe, mich ihrer wichtigen Kritik bzw. Rückmeldung auch auszusetzen. Ich wünschte mir in diesem Bereich mehr “Best-Practise”-Beispiele - völlig unabhängig von Moodle.

Und da, Maik, bin ich voll bei dir. Danke für deine kritische Sicht.

Mitarbeiter/in für Moodle-Seminare gesucht (Raum Köln)

Januar 29th, 2009

In Zusammenarbeit mit einem Kunden in Köln suchen wir ein oder zwei Personen, die bei Seminaren mit Schülern in die Nutzung von Moodle einführen.

Wir erwarten von Ihnen:

  • Lust und Spass auf Neues
  • Lust auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
  • Kenntnisse der Arbeit mit Moodle aus der Lehrerperspektive
  • Kenntnisse der Moodle-Kursraumfunktionen
  • Kenntnisse der Teilnehmerverwaltung
  • Zeit an Vormittagen

Idealerweise haben Sie praktische pädagogische Erfahrungen und eigene Kenntnisse im Umgang mit Moodle. Kleinere Wissens- und Erfahrungslücken werden wir Ihnen schon erfolgreich ‘austreiben’.
Die Tätigkeit ist eine reine Honorartätigkeit im Zentrum von Köln.

Kontakten Sie mich bitte unter info {@} eledia.de

Ralf Hilgenstock

Für ein Recht auf Bildung - überall

Dezember 21st, 2008

Man kann das Projekt One Laptop per Child jetzt gut unterstützen. Kaufe zwei OLPC-Copmputer. Nutze einen selber. Der zweite wird in einem der Projektländer eingesetzt.
Bestellung über amazon.co.uk.

Der Computer mit Ohren kommt nach Europa

November 16th, 2008

..natürlich heißt er nicht Computer mit Ohren, sondern OLPC oder ‘one laptop per child’.

Die Idee ist es Schülern überall auf der Welt den Zugang zu Lernmöglichkeiten zu ermöglichen und zu erleichtern. Nicholas Negroponte startet das Projekt. Viele Experimente haben gezeigt, dass Kinder überall auf der Welt ohne Anleitung Erwachsener lernen können und IT-Technik dazu eine große Hilfe ist.

Sehr eindrücklich ist der Versuch “Whole in the wall". Man installierte einen Monitor und eine Tastatur (im Hintergrund natürlich PC und Internetverbindung) in einem Gebäude und ließ die Kinder eines Dorfes damit ’spielen’. Nach wenigen Wochen kamen die Initiatoren zurück und wurden von den Kindern gebeten, doch bessere Hardware und weiteres zur Verfügung zu stellen, damit sie dieses und jenes tun könnten.
In der Zwischenzeit hatten sie sich eigenständig den Umgang mit dem Computer beigebracht und selber recherchiert, etwas englisch gelernt etc.. (stark verkürzt)

Aufbauend auf diesen und vielen anderen Eindrücken wurde ein neues Laptop-Konzept entwickelt. Der Laptop sollte billig sein, wirklich intuitiv bedienbar und unter widrigsten Umständen (Hitze, Staub, häufig kein Strom) zuverlässig arbeiten.

Entstanden ist der OLPC-Laptop. Er hat eine ungewöhnliche Arbeitsoberfläche, diverse Programme vorinstalliert. Er vernetzt sich automatisch mit anderen OLPC-Rechnern in der Umgebung und erlaubt sofort eine Zusammenarbeit.

Unter dem Titel Hundert-Dollar-Laptop wurde er auch in Deutschland bekannt. Ab dem 17. November wird es erstmals möglich sein auch in Europa de OPLC zu erwerben.

Das Konzept heißt G1G1. Give one, get one! Man kann zwei Laptops kaufen und erhält einen, der zweite geht automatisch an ein Projekt in den Entwicklungsländern. Denn dort liegt das eigentliche Ziel des Einsatzes des OLPC-Projektes.

In Europa kann man zumindest über Amazon in England den OLPC bestellen. (amazon.co.uk)

Es gibt übrigens eine ganz interessante Verbindung zwischen Moodle und dem OLPC Projekt. Martin Langhoff von Catalyst aus Neuseeland hat lange für Moodle entwickelt und arbeitet seit einem Jahr für das OLPC Projekt. In dem OLPC Netzwerk wird Moodle integriert, dass die Schulen vor Ort über Moodle Inhalte aufbereiten. Im kommenden Jahr wird daran gearbeitet, dass Schüler die Inhalte offline bearbeiten und der Laptop sich mit der Lernplattform synchronisiert wenn es wieder eine Verbindung gibt.
Ein Konzept, das auch an anderer stelle hier in Europa mehrfach angefragt wurde.

Moodlemoot 2009 in Bamberg

Oktober 24th, 2008

Die nächste deutsche Konferenz wirft ihre Schatten. Noch ein wenig im Verborgenen arbeitet das Vorbereitungsteam.

Inzwischen wurde der Call for Paper veröffentlicht und in den nächsten vier Wochen werden Beitragsvorschläge gesammelt. Gesucht sind Erfahrungen und Beispiele aus der Praxis.

Mit leichter Verspätung startet dann auch in Kürze die Anmeldung.

Also nichts wie los! Infos auf http://moodlemoot.de

Vom Umgang mit E-Mailadressen in Moodle-Systemen

Oktober 5th, 2008

In den letzten Wochen häufen sich in meinem Maileingang für die Domain ‘moodle.de’ Nachrichten aus fremden Moodle-Systemen. Dies passiert immer dann wenn jemand in seinem Moodle-System Nutzer anlegt und als Mailadresse ‘*@moodle.de’ einträgt. Meist handelt es sich dabei um Test- oder Dummy-User.

Ich halte das aus mehreren Gründen für problematisch:

  • Andere Leute geht es nichts an, was in Euren Kursen passiert. Deshalb sollten sie auch keine Mails aus den Kursen erhalten.
  • Es handelt sich um gängige Strategien der Spammer, mit falschen Mailadressen durch die Welt zu ziehen. Wird Eure Domain auf dem Wege bei einem Maildienstleister in die Blacklist eingetragen, werden u.U. auch Mails echter Nutzer gesperrt.
    Bsp.: Wenn innerhalb einer Woche z.B. bei aol.com mehrere Nutzer eine ankommende Mail von xy.com als Spam deklarieren, gerät der Absender xy.com auf die Spam Liste. Dies passiert auch automatisch wenn erfundene Namen z.B. ‘haenschenklein@aol.com’ genutzt wird, die vielleicht gar nicht existiert. Wenn nun aber der Schulleiter seine Mailadresse bei aol.com hat, werden ihm reale Mails auch nicht mehr zugestellt, da der Versender auf einer Blacklist steht und als Spamschleuder angesehen wird. Das kann also auch Eure Absenderadresse sein.
  • Wer unbedingt Dummy-Nutzer benötigt, sollte sicher stellen, dass diese Mailadressen der eigenen Institution verwenden, die gezielt ausgefiltert werden können.

Dass das auch einmal ins Auge gehen könnte, zeigte sich letzte Woche. In meinem Maileingang befand sich eine Mail an solch einen Dummy-Nutzer. Inhalt war die Information über die Struktur der Loginnamen und der Passwörter für das Moodle-System der Schule. Adressiert war es an einen Lehrer, der in seinem Profil eine Mailadresse *@moodle.de eingetragen hatte und die E-Mail prompt bei mir landete.
Inzwischen versuche ich, mit kleinem Aufwand die Absender zu ermitteln und weise diese auf das Problem mit einem Standardbrief hin.

Ich möchte noch auf eine kleine Nuance hinweisen. Ich führe immer wieder mal die Diskussion, besonders im Schulbereich, über das Anlegen von Mailaccounts mit erfundenen Namen für Schüler.
Wenn die Schüler dann diese Mailaccounts auch in Moodle-Systemen nutzen und die Mailaccounts irgendwann vergessen, so werden weiterhin Mails an diese Accounts versendet. Werden die Accounts irgendwann vom Anbieter aufgehoben endet der Mailversand nicht. Ganz schnell ist auch auf diesem Wege das Moodle-System auf die Blacklist geraten.
Unabhängig davon habe ich erhebliche Bedenken bei Fake-Adressen, da sie zum Missbrauch verleiten und im Netz zu immer mehr Komplikationen führen.