Kategorie: "Bildungsprozesse"

Lernplattformen mit neuem Paradigma betreiben. Zur Debatte.

November 3rd, 2018
An allen Ecken und Enden wird gefordert, dass sich Lernen ändern soll. Das gilt für Schulen, Hochschulen und Unternehmen.  Auch wenn die Diskussionen weitgehend getrennt verlaufen, so haben sie doch einen gemeinsamen Tenor:

  • Die Veränderungen in der Welt sind schnell und nicht (gut) vorhersehbar. Daher sind die Anforderungen, welche Qualifikationen benötigt werden, nicht vorherbestimmbar.
  • Es kommt oft weniger darauf an, Wissen anzusammeln, als eine Haltung (manche nennen es Mindset) zu fördern, die  den Einzelnen darin unterstützt, sich selber, das an Kenntnissen zu beschaffen, was benötigt wird. Dabei geht es oft nicht um Vorratswissen, sondern um adhoc-Ergänzung von Fähigkeiten und Kenntnissen. Das würde ich mal Micro-Content nennen.
  • Dies geht einher mit stark veränderten Strukturen in der Arbeitswelt, in der Netzwerke wichtiger sind als Hierarchien. Es lässt sich derzeit beobachten, dass auch große Unternehmen sich umstrukturieren, um flexibler reagieren zu können.
  • Das bedeutet jedoch auch einen Verlust an zentraler Steuerung z.B. was zu lernen ist, da die Zentrale das gar nicht mehr sehen kann. Zentrale Lernpläne können nur in wenigen Bereichen eingesetzt werden und sind manchmal schon bei der ersten Umsetzung von der Entwicklung überholt.
    In der Schule gibt es ähnliche Prozesse wenn eine Abkehr von der Gießkanne hin zur Individualisierung eingefordert wird. (Lehrer würden das vermutlich anders formulieren.) In der schulischen Berufsausbildung stellt sich die Frage, wie der schulische Ausbildungsteil uptodate bleiben kann wenn sich im Unternehmensalltag alles so schnell ändert.
  • Der derzeitige Stand der Diskussion und der Trend ist, dass der einzelne Lerner mehr Verantwortung und Initiative an den Tag legen muss als bisher. Hier kommt wieder der Aspekt Haltung/Mindset zum Tragen.
Vor diesem Hintergrund kann man nun den Ansatz Lernplattform betrachten. Geht man von Moodle und ihren Derivaten aus, so geht es weniger um die Lernplattform, als um deren häufigen praktischen Einsatz.

  • Kurse werden zentral angelegt
  • Ein Trainer/Lehrender bestimmt Struktur und Ablauf
  • Es findet Bewertung statt
  • Diskussion wird weder gewünscht noch forciert.
  • Das herrschende Frontalunterrichtsparadigma wird in der Lernplattform weiter eingesetzt.
In der Unternehmenswelt ist der noch immer stark befürwortete Einsatz von SCORM Lernpaketen ein deutliches Anzeichen dieser frontal fokussierten Lernwelt.
 
Über die Jahre hat es immer wieder Abgesänge auf Lernplattformen gegeben. Das LMS ist tot, es lebe das Wiki/ die Blogs/ Social Media /Trello/ der Activity Stream und so weiter. Trotzdem gibt es Moodle weiter. Trotzdem steigen weiterhin Organisationen in Moodle ein.
 
Ich arbeite inzwischen seit über 15 Jahren mit Moodle. Ich sehe täglich den Einsatz der Lernplattform. Gerade in den Foren auf moodle.org werden ganz verstreut immer wieder sehr spannende Einsatzszenarien angefragt. Das Interessante daran ist, man kann sehr vieles mit Moodle umsetzen. Ich kenne keine Platform, die auch nur annähernd diese didaktische Vielfalt unterstützt. Manches geht sehr einfaches, manches mittels Winkelzügen oder mit Zusatzplugins. Und ganz selten müssen wir sagen, sorry, geht nicht, könnte man aber entwickeln.
 
Wie kommt das? Als Martin Dougiamas mit der Entwicklung von Moodle begann hatte er die Vorstellung, dass Lernen ein sozialer Vorgang ist, der immer in Bewegung bleibt.  Social Constructivism war das theoretische Konzept, das ihn leitete. Auf seiner Website finden sich hierzu Quellen und Dokumente https://dougiamas.com/archives/. Ganz grundlegend vielleicht: https://dougiamas.com/archives/a-journey-into-constructivism/
Konkret bedeutet dies, dass Moodle viele Werkzeuge und Ansätze beinhaltet, die den Lernenden zum aktiv Gestaltenden macht.  Das fängt an bei der Interessen-Funktion im Profil zur Vernetzung, integrierten persönlichen Blogs, den Wikioptionen, der Vielfalt bei Foren, dem Rollenmodell bis hin zur Gegenseitigen Beurteilung (Workshop). Viele dieser Funktionen werden eher selten genutzt. Oft soll der integrierte Messenger, der eine systemweite Kommunikation ermöglicht, deaktiviert oder eingeschränkt werden. Ich halte das für ein deutliches Zeichen für die 'letzten Zuckungen' des alten Paradigmas.
 
Eine Lernplattform ist ein Werkzeug. Es gibt Menschen, die den Einsatz der Werkzeuge festlegen. Daher passiert nichts von alleine. Es kommt also auf das Mindset der Anwender, ihr Bild vom Lehren und ihre Nutzung der Werkzeuge an.
 
Wenn der Online-Kurse primär eine Ablage von Dateien oder ein Ort für Ankündigungen, Übungstests und Prüfungen ist, dann mag das zwar im Moment hilfreich sein, ist jedoch vor dem Hintergrund der oben genannten Entwicklungen gerade mal die Fingerübung vor dem Konzert.
 
Übrigens, auch der vor ein paar Jahren eingesetzte Trend zu xMOOCs und cMOOCs bleibt weitgehend dem alten Paradigma verhaftet. Schaut zwar nett aus, ist aber weitgehend fremdbestimmtes und fremdgeleitetes Lernen.
 
So viel der Vorrede. Ich denke derzeit nach über die Frage wie denn eine Lernplattform gestaltet wird, die den obigen Entwicklungen gerechter wird und welche Funktionen in Moodle dazu zum Einsatz kommen, umfunktioniert werden müssten oder ggfs. auch noch fehlen und entwickelt werden sollten.  
 
Hier ein paar Stichworte, die übrigens alle heute umsetzbar sind:
  • Es gibt Bereiche für verpflichtende Kurse, dieser ist verborgen, da die TN hier zugewiesen werden.
  • Es gibt Bereiche für Communities. Diese sind offen und jeder kann abonnieren und beitragen.
  • Es gibt zentral bereitgestellte Learning  Nuggets mit kurzen Hinweisen. Diese sind nach Themengebieten strukturiert und werden kuratiert.
  • Es wird systematisch mit Tags gearbeitet. Tags dienen dazu, Inhalte zu finden.
  • Die Volltextsuche erlaubt es nicht über Tags auffindbare Inhalte zu finden.
  • Die Nutzer werden motiviert ihr Interessenprofil zu pflegen, eigenen Blogs zu nutzen und zu taggen.
  • Der systemweite Messenger dient zur Vernetzung.
  • Die Startseite teasert neue Kurse und weit via RSS auf Informationen aus zentralen Foren der Community, bzw. Hinweise auf neue kuratierte Inhalte hin.
  • Jeder Nutzer kann selber Kurse anlegen und greift dabei auf Kursvorlagen zurück, die vorstrukturiert Kurselemente umfassen. Damit wird es leichter, eigene Inhalte einzupflegen.  Vor Jahren habe ich das mal exemplarisch gemacht: https://community.moodle.de/course/index.php?categoryid=6
  • Badges unterstützen die Motivation.
  • Die Plattform wird zur Kommunikation an alle Nutzer genutzt. Das passiert häufig.
  • Es gibt Hinweise auf neu entstehendes und fertig gewordenes.
  • Inhalte werden mit Austauschmöglichkeiten verknüpft.
 
Dies sind nur ein paar Ideen. Ich bin gespannt, ob ihr mich jetzt für einen Wolkenkuckucksheimer (Phantasten) haltet oder an diesen Ideen wieter mitschreibt.

Neue Datenschutzregeln. Die Herausforderungen gestalten

Januar 28th, 2018

Im Mai 2018 wird die Datenschutzgrundverordnung wirksam. Es wird jetzt Zeit, die eigene Lernplattform fit zu machen.

Kürzlich hörte ich vom Anbieter einer anderen Lernplattform, es würden nur sehr wenige persönliche Daten in Lernplattformen verwaltet. Das ist leider grundfalsch. Lernplattformen speichern tatsächlich sehr viele Daten über die Nutzer.

Wenn man genauer nachdenkt ist manches davon offensichtlich:

  • Name, E-Mail-Adresse
  • Logindaten
  • Belegte Kurse
  • Bearbeitete Lerninhalte
  • Beantwortete Tests, gelöste Aufgaben
  • Beiträge in Foren
  • Logoutdaten
  • IP-Adressen etc,

Im Laufe einer längeren Nutzung entstehen so recht viel Daten. 

Viele Anbieter nehmen den Datenschutz auf die leichte Schulter. Diese sollten jetzt besonders aufmerksam werden. Aber auch alle, die bisher schon das Thema auf 'dem Schirm' hatten, müssen einiges anpassen.

Durch die Einführung  eines neuen europäischen Datenschutzrechts werden viele neue Regeln definiert. Wer sie ignoriert riskiert empfindliche Geldstrafen.

In Deutschland galten bisher je nach Institution das Bundesdatenschutzgesetz oder das Landesdatenschutz des Bundeslandes (bei öffentlichen Verwaltungen, Hochschulen und Schulen). Auf europäischer Ebene gab es zwar auch eine Richtlinie. Diese hatte jedoch 'nachrangigen' Stellenwert. Ab 25. Mai 2018 ist das anders.

An diesem Tag wird die Datenschutzgrundverordnung unmittelbar wirksam. Zeitgleich tritt ein ergänzendes neu abgefasstes Bundesdatenschutzgesetz in Kraft und auch die Landesdatenschutzgesetze befinden sich in der Überarbeitung. Jedoch gelten diese nur an den Stellen an denen das europäisches Gesetzeswerk Öffnungsklauseln erlaubt und das sind recht wenige.

Die neue Gesetzgebung stärkt die Rechte der Menschen, deren Daten verarbeitet werden. Alle, die die Daten verarbeiten, müssen verschiedene Maßnahmen ergreifen, damit die Verarbeitung der Daten gesetzeskonform bleibt.

Ich werde in den kommenden Wochen Einzelaspekte hier berichten. Die Kunden von eLeDia erhalten detaillierte Infos und Support. Aber auch andere können gerne unsere Kompetenz bei eLeDia nutzen.

Wer sich schon mal mit den Originalquellen vertraut machen will, kann dies hier tun.

 

 

 

Von Rechts wegen: Ausblick auf 2015

Januar 3rd, 2015

Anfang Dezember hat das Bundeskabinett den Entwurf eines IT-Sicherheitsgesetz verabschiedet. Dieses wird in den nächsten Monaten im Bundestag beraten.

Teil dieses Gesetzs ist eine Änderung des Telemediengesetzes. Betreiber einerLernplattform unterliegen auch diesem Gesetz.

Im Gesetzentwurf heißt es nun:

?(7) Diensteanbieter haben, soweit dies technisch möglich und wirtschaftlich zumutbar ist, im Rahmen ihrer jeweiligen Verantwortlichkeit für geschäftsmäßig angebotene Telemedien durch technische und organisatorische Vorkehrungen sicherzustellen, dass
1. kein unerlaubter Zugriff auf die für ihre Telemedienangebote genutzten technischen Einrichtungen möglich ist und
2. diese
a) gegen Verletzungen des Schutzes personenbezogener Daten und
b) gegen Störungen, auch soweit sie durch äußere Angriffe bedingt sind,
gesichert sind. Vorkehrungen nach Satz 1 müssen den Stand der Technik be-rücksichtigen. Eine Maßnahme nach Satz 1 ist insbesondere die Anwendung eines als sicher anerkannten Verschlüsselungsverfahrens."

In meiner Lesart ergeben sich daraus für den Betrieb von Lernplattformen zwei Anforderungen:

  1. Lernplattformen müssen regelmässig upgedatet werden.
  2. https:// Verschlüsselung wird Standard.

Das regelmässig Update ist unabdingbar, da nur so die geforderten technischen Vorkehrungen zum Schutz der Daten gewährleistet werden. Der Betrieb von Lernplattform-Versionen für die keine Sicherheitsupdates mehr zur Verfügung gestellt werden, ist somit ein Gesetzesverstoss.

Die Datenverschlüselung wird ausdrücklich gefordert.

Auch wenn dies noch nicht verabschiedet ist, gehe ich davon aus, dass es in nahezu dieser Form im Bundestag verabschiedet wird.

Von Rechts wegen: Nachtrag zu 2014

Januar 3rd, 2015

In den letzten zwei Monaten gab es  zwei wichtige juristische Entscheidungen:

Der Europäische Gerichtshof hat festgestellt, dass öffentlich verfügbare YouTube-Videos durch einen Einbett-Code (embed) auf anderen Seiten genutzt werden und (!) dadurch keine Urheberrechtsverletzung stattfindet. Begründet wurde dies damit, es würde keine zusätzliche Öffentlichkeit geschaffen, denn die Videos seien ja bereits für Jedermann verfügbar.

Thomas Schwenke hat in seinem Blogbeitrag http://rechtsanwalt-schwenke.de/eugh-embedding-haftung-youtube/ dargestellt, dass man dieses Urteil nicht so interpretieren könne, auch andere Inhalte (z.B. Grafiken, Fotos oder Texte) dürften nun per Embed-Link eingebettet werden. Also Vorsicht bitte.

Urheberrecht: § 52a gilt jetzt unbefristet. Bundestag und Bundesrat haben Anfang Dezember die zeitliche Befristung des § 52a aufgehoben. Der Passus war in den letzten Jahren mehrfach zeitlich befristet worden und gilt nun (vorläufig) dauerhaft. Dies betrifft vorwiegend die Hochschulen.

§ 52a legt fest, dass urheberrechtlich geschützte Werke (ausgenommen Lehrwerke) in kleinen Teilen für Unterrichtszwecke genutzt werden dürfen (http://www.gesetze-im-internet.de/urhg/__52a.html). Diskussionspunkt war die Frage, was denn diese 'kleinen Teile' sein sollen. Nach einem Musterprozess zwischen der Fernuniversität Hagen und dem Kröner Verlag ist dies nun höchstrichterlich geklärt.

Kleine Teile sind maximal 12% eines Werkes bzw. max. 100 Seiten: http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=pm&Datum=2013&Sort=3&nr=66067&pos=0&anz=193.

Nach dieser Klärung ist das Thema jedoch noch nicht ganz abgeschlossen. Das Landgericht Stuttgart wird im Januar noch über die Frage einer angemessenen Vergütung entscheiden. Dies hat grundsätzliche Bedeutung.

Der vierte Absatz von §52a UrhG geht auf die Vergütung dieser Nutzung ein. Wenn der Rechteinhaber (meist der Verlag) ein "angemessenes Lizenzangebot" bereitgestellt hat, entfällt das kostenfreie Nutzungsrecht. Nachdem bisher 'kleine Teile'  ein unbestimmter Begriff war, ist nun also  'angemessenes Lizenzangebot' zu klären.

Unter Führung des UTB-Verlages entsteht gerade eine Plattform 'Digitaler Semesterapparat': http://booktex.de. Hier soll es künftig möglich sein, sich schnell einen Überblick über Lizenzkosten in Abhängigkeit von der Dauer der Nutzung und der Zahl der Nutzer zu verschaffen. Zugleich soll einfach eine Lizenz abgeschlossen werden können.

Dr. Bertram Salzmann, der  Booktex leitet und bis zum Jahresende Geschäftsführer von UTB war, erläuterte mir bei einem Gespräch, dass man nun noch auf das Ergebnis der Gerichtsverhandlung in Stuttgart warte, um dann konkrete Angebote zu unterbreiten.

Urheberrecht: Bildungsprivileg wird über den Jahreswechsel gerettet

November 11th, 2012

In der letzten Woche ist in Sachen Bildungsprivileg im Urheberrecht einige Bewegung entstanden. Im Bundestag wurden Anträge beraten. Demnach sieht es nun so aus, als würde die zeitliche Befristung um weitere zwei Jahre verlängert.

Das Aufatmen darf aber nicht von Dauer sein. Zum einen steht der Entscheid eines Musterprozess vor der Tür, der die Frage ‘kleine Teile’ auslegen wird. Zum anderen ist in dem Verfahren auch über die Frage der Ausdruckbarkeit zu entscheiden. Das erstinstanzliche Gericht hatte entscheiden, dass die Zahl der ausdruckbaren Seiten beschränkt werden müsse.

Für die Hochschulen heißt dies, dass Sie sich mit den Verwertungsgesellschaften auf einen Vergütungsvertrag einigen müsen. (Anm.: Man könnte den Satz auch umdrehen.) Andererseits kann man den Zwei-Jahreszeitraum auch nutzen, um die Frage des Open-Access zu regeln.

Die Auseinandersetzung geht weiter. Es ist in den nächsten Wochen zunächst zu schauen, ob die Beratungen im Parlament tatsächlich abgeschlossen werden.

Vielen Dank an Andreas Vollmer und Michael Wuttke für folgende Link - Link - s.

Mir fällt dabei auf, dass inzwischen der §52a UrhG als eLearning-Paragraph bezeichnet wird. Diese Bezeichnung war mir früher nicht begegnet.  Ich bin mir nicht sicher, ob diese Bezeichnung hilfreich ist.  Einerseits bezieht sich §52a auch auf Fotokopien, andererseits wäre mal genauer hinzuschauen, ob es eLearning nicht weiterer Schranken im Urheberrecht bedürfe.

 

Learning analytics und Moodle

November 2nd, 2012

Seit einiger Zeit geistert ein Stichwort durch die internationale eLearning Landschaft: learning analytics.

Dahinter steckt die Idee, die von Lernern in Lernumgebungen im Hintergrund erzeugten Daten über Nutzung und Lernfortschritt, aber auch über Lernhindernisse auzuwerten, um daraus Hinweise zur Kursoptimierung oder zur verbesserten Lernerunterstützung zu gewinnen. Learning analytics ist kein klar abgegrenzter Begriff. Daher werden mit ihm noch rechtunterschiedliche Ideen verbunden.

Tatsächlich sind es zumeist noch Ideen und häufig ist wenig konkretes zu erkennen.

Wenig beachtet lauft seit 2011 das Projekt Lernprozessmonitoring - Monitoring von Lernprozessen in personalisierenden und nicht
personalisierenden Lernplattformen der Beuth Hochschule für Technik zusammen mit eLeDia und anderen Partnern.

Ich hatte heute Gelegenheit den aktuellen Projektstand zu sehen und bin beeindruckt.

In stark vereinfachter Darstellung übernimmt LEMO die Datenbank und die ServerLog-Daten aus der Moodle-Lernplattform, anonymisiert diese vollständig und wertet sie dann mittels Data-Warehouse-Methoden  aus.

Aktuell sind u.a. folgende Auswertungen möglich:

  • Zahl und Häufigkeit des Zugriffs auf Lerninhalte im Kurs
  • Zugriffsreihenfolge auf Lerninhalte (tatsächlich genutzte Lernpfade)  einzelner Nutzer oder wiederholte Kombinationen von Aktivitätsaufrufen
  • Zeitreiheneinschränkung
  • Nutzergruppenauswertung
  • Vergleiche (in Vorbereitung)

Die Darstellung der Daten erfolgt in unterschiedlicher grafischer Weise als Balkengrafik oder Netzgrafiken, die sich dynamisch anpassen. Derzeit ist das Tool in einer Entwicklungsphase und kann als alpha-Prototyp bezeichnet werden.

Die heutige interne Diskussion in Berlin hat gezeigt, dass die Auswertung der Daten durchaus Erkenntnisse zur Lernprozessanalyse liegert, gleichwohl weder eine eierlegende Wollmichsau ist, die Antworten auf alle Fragen liefert, noch ganz einfach zu interpretierende Daten liefert. Eine Erkenntnis war, dass es durchaus einer umfassenden Erläuterung bedarf wie manche Daten aus dem Rohmaterial herausgenommen und analysiert werden, um die Ergebnisse interpretien zu können.

Von einem Projekt mit dem Ziel, einen Prototyp zu entwickeln kann man sicher nicht erwarten bereits eine perfekte Lösung bereitzustellen. Man kann jedoch bereits jetzt konstatieren, dass eine gute Basis gelegt ist, auf der man weitere Arbeiten aufbauen kann.

Am 30. November wird es in der Beuth Hochschule in Berlin eine öffentliche Präsentation des Arbeitsstandes geben. Interesenten wenden sich bitte an info@eledia.de.

My dream-Moodle

November 26th, 2011

Moodle ist als Lernplattform weit verbreitet und unsere Firma eLeDia betreibt hunderte Moodle-Systeme für unsere Kunden. Wir haben in der letzten Zeit Dutzende Zusatzfunktionen entwickelt, um individuelle Wünsche umzusetzen. Darin enthalten sind auch viele Anpassungen, die wir selber für wichtig gehalten haben.

Moodle is a world wide used system. Our company eLeDia is hosting several hundreds of Moodle instances for our clients. We developed dozens of new features and functionalities on request of clients or as own product.

Anfang Dezember werden wir im Team intern die Frage diskutieren, welche Wünsche wir denn an Moodle haben? Wie sähe denn unser Dream-Moodle-System aus? Ich würde nun gerne von Euch lesen, was zu einem Dream_Moodle gehören würde:

Our team will discuss internal about our dream Moodle system. We will collect our own wishes for a dream Moodle system. In preparation for this discussion I would like to ask you: How looks  your dream Moodle system ?

  • didaktische Funktionen/didactical features
  • Lehr-/Lernszenarien / Teaching sceanrios/ Leraning scenarios
  • Teilnehmerzentrierung / student orientation
  • Organisation / Organization
  • Verwaltung / Administration

Gemeinsam mit Anwendern, Content-Entwicklern, Beratern, Trainern und Softwareentwicklern wollen wir Ideen entwickeln und schauen, wohin wir die Reise gerne laufen lassen würden. Die Ergebnisse wollen wir verdichten und dann schauen, wo wir selber aktiv werden, was wir für die Core-Entwicklung tun wollen oder wo wir Anregungen weiter geben wollen.

Our internal discussion includes users content developers, consultants, trainer and software developers. We will discuss our own priorties and how we can give ideas to the community and to the core developers.

Verändern freie Bildungsressourcen die Bildungsangebote mittelfristig?

November 21st, 2011

Ein Themenschwerpunkt des BielefelderEducamps vom 19.-20. November 2011 war die Diskussion um Open Educational Ressources (OER). International wird seit längerem über die Bereitstellung freier Materialien für den Einsatz als Lernstoff  diskutiert. Und längst wird nicht mehr nur diskutiert. Inzwischen gibt es große Bildungseinrichtungen (z.B. MIT, Open University oder die private Initiative Khan University (mit Unterstützung der Gates Stiftung), die frei verfügbar Lernpläne und Lernmedien zur Verfügung stellen. Auch Wikipedia hat im Bereich Wikibook entsprechende Ansätze geschaffen.

Vor Jahren war es noch aufwendig zu einem Lernthema zielgruppengerecht aufbereitetes Material zu finden. Heute gibt es dieses Material zu nahezu jedem Thema zuhauf und es ist die größte Herausforderung, die Spreu vom Weizen zu trennen und damit nicht allzuviel Zeit zu verlieren.

Im Rahmen des Educamps habe ich nun verschiedene Diskussionsstränge wahrgenommen:

  • die Auffindbarkeit frei verfügbaren Materials soll verbessert werden
  • das Wissen über Veröffentlichungs- und Weiternutzungsmöglichkeiten muss verbessert werden, um Urheberrechtsprobleme zu vermeiden
  • wenn Inhalte verfügbar sind, ist es nicht mehr die Aufgabe des Lehrenden Inhalte zu vermitteln. Die neue Aufgabe einer Lernbegleitung muß verstärkt ins Bewusstsein gehoben werden
  • die Leistung eines Bildungsanbieters /-verkäufers ist neu zu definieren,wenn er nicht mehr für Inhaltsbeschaffung und -aufbereitung bezahlt wird, da dies ein frei verfügbares Gut ist.

Interessant war, dass dies nicht Forderungen an irgendwen waren, sondern die Teilnehmer selber in die Hand nehmen wollen.

Social Media und Lernen

November 6th, 2011

In den letzten Wochen habe ich immer wieder mal für mich versucht, dem Begriff ‘Social Media’ und seiner Verwendung nachzugehen. Ehrlich gesagt, er erscheint mir immer mehr als ziemlich aufgeblasene Hype-Konstruktion hinter der man alles und jedes verstecken kann.

Was sind Social Media? Wikipedia leitet den Beitrag ein mit “Social Media bzw. Soziale Medien bezeichnet digitale Medien und Technologien (vgl. Social Software), die es Nutzern ermöglichen, sich untereinander auszutauschen und mediale Inhalte einzeln oder in Gemeinschaft zu gestalten.”

Mein aktueller Stand ist nach einigen Wochen folgender:

  1. Medien sind veröffentlichte Texte, Bilder, Grafiken, Audios, Videos etc.
  2. Social meint zweierlei

    • Eine Kommunikation über diese Medien ist möglich.
    • DerInhalt wird gemeinsam erarbeitet oder überarbeitet.
  3. Social Media werden meist mit Hilfe von Software (Foren, Wiki, Blog, Content Management, Lernplattformen, etc.) ‘verteilt’. Der Aspekt der Kommunikation findet nur bei einem geringen Teil der Angebote statt. Der Aspekt der gemeinsamen Produktion ist noch seltener anzuteffen.
  4. Auf den ersten Blick ist immer von offenen Zugriffsmöglichkeiten im Internet die Rede. Tatsächlich gibt es derartige Funktionen auch häufig für begrenzte Nutzergruppen (unternehmensintern, verbandsintern, Intranet, etc.)

Mich interessiert besonders der Zusammenhang von Social Media und Lernen. Hierzu ein paar Szenarien:

  • Ein Lehrender bereitet einen Lerninhalt auf, stellt ihn den Lernenden vor und diskutiert ihn mit diesen.
  • Ein Lehrender entwickelt neuen Lerninhalt und diskutiert ihn mit anderen Lehrenden, um ihn zu optimieren und setzt ihn dann im Unterricht ein.
  • Ein Lernender (oder eine Gruppe) erarbeitet sich selber Lerninhalte, bereitet sie auf und präsentiert sie anderen Lernenden und dem Lehrenden.
  • Ein erfahrener Mensch bereitet sein Wissen auf und stellt es anderen noch nicht so Erfahrenen zur Verfügung.
  • Ein nicht so erfahrender Mensch, fragt nach Wissen, erhält eine Antwort von einem  oder mehreren Personen, die erfahrener sind, und kann danach schlauer weiter arbeiten.

Ich habe bei dieser Aufzählung bewusst die Sprache der Social Media Apologeten entfernt und die Prozesse auf  ihre Kerne reduziert. Was ist daran eigentlich neu? Es beschreibt Situationen in formellen und informellen Lernprozessen, in Prozessen der Informationsaufbereitung, -verteilung und -weiterentwicklung. Alter Wein in neuen Schläuchen.

Dennoch gibt es Aspekte, die sich ändern oder die nicht ausreichend differenziert oder reflektiert werden. Ich erwähne sie hier nur mit Stichworten.

  • Formelle und informelle Lernprozesse werden nicht differenziert.
  • Die Begriffe ‘Lernen’ und ‘Informationsbeschaffung’ werden nicht differenziert.
  • Es gibt implizite Annahmen, jeder (!) wäre motiviert selber Lernsituationen zugestalten, Lernstoff bereitzustellen.
  • Die Veranwortung für Lernen wird unreflektiert auf das Individuum verlagert. Die institutionelle Verantwortung (Führungskraft, Personalabteilung, Bildungsanbieter) wird nicht angeschaut.
  • Die Rolle von Lehrenden wird nicht betrachtet. Ich verstehe sie als jemanden, der im Hinblick auf ein Lernziel wichtige von weniger wichtigen Aspekten trennt, Lernmedien aus einer Fülle von Angeboten auswählt, einen Weg zur Erschließung des Lerninhalts durch Lernende anbietet und Lernende begleitet und mit ihnen den Fortschritt reflektiert.

Die immer wieder zu lesende Aussage “Wir brauchen keine Lernumgebungen, wie brauchen nur noch Social Media” halte ich für unreflektierten Unfug.

Unbestritten ist für mich jedoch, dass im Bereich der lebenslangen Lernsituationen mehr konzeptionelle Gedanken um die Frage des adhoc-Lernen gemacht werden müssen. Die klassischen Angebote einer wochen- oder tagelangen Qualifizierung müssen sorgfältig ergänzt werden um kurze Einheiten, die jeder Nutzer sich  auf Nachfrage abrufen kann. Die Nutzung dieser Einheiten setzt ein ausreichendes Vor- und Zusammenhangswissen und eine intrinsische Motivation der Nachfrager zusammen. Ohne Motivation, keine Nachfrage. Ohne Vorwissen keine Einordnung des neuen stückhaften Wissens.

Bei meiner Befassung mit dem Thema bin ich auch auf den Gedanken gestossen, bei ‘Social Media’ handele es sich nicht um Tools, sondern um einen kulturellen Veränderungsprozess. Dieser Überlegung kann ich nun wieder gut folgen.Wenn ich ihn auf die Lehrenden übertrage, bedeutet das, kollaborative Lernsituationen müssen (kulturell) erst noch immer in der DNA der meisten Lehrenden undder Lernabteilungen verankert werden. Bis dahin bleibt ein weiter Weg.

 

 

Moodle & Usability

März 19th, 2011

Weder ist das Thema Usability neu, noch ist es für Moodle ein Fremdwort.  Dennoch ist es für eine Lernumgebung eine besondere Herausforderung. Diese Woche führten die Technische Universität Ilmenau, das Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien und eLeDia einen Moodle Usability Workshop. Mit dabei weitere Vertreter von der Universität Bremen, der Hochschule Offenburg und der Fernfachhochschule der Schweiz.

Ich werde in Kürze ausführlicher über die Ergebnisse berichten.

Für heute nur ein kurzer Einstieg: Warum ist Usability bei Lernplattformen recht komplex? Die Zahl derer, die aktiv Usability  beeinflussen ist groß. Bei einer Software, die ich auf meinem PC installiere erstellen Softwareentwickler ein Programm und ichinstalliere es. Vielleicht mache ich noch ein paar Einstellungen.

Bei einer Lernplattform wie Moodle gibt es auch den Softwareentwickler und einen Endanwender, den Teilnehmer an einem Kurs.  Dazwischen gibt es nun jedoch noch den Übersetzer der Oberfläche, den Administrator, den Oberflächendesigner und den Trainer, der einen Kurs einrichtet.

An Hand von eindrucksvollen Beispielen, Diskussionen und eigenen Versuchen konnten wir nicht nur Probleme, sondern auch Lösungsansätze zur Verbesserung  herausarbeiten.

Die Usability Diskussion wird im Rahmen der MoodleMoot im Programm und am Rande in einer Arbeitsgruppe fortgesetzt werden. Derzeit wird ein Kursraum mit Ergebnissen und zur weiteren Diskussion auf http://moodle.de vorbereitet.