Kategorie: "Bildungsprozesse"

Über das Richtigkeitsproblem bei Wikis im Unterricht

April 26th, 2009

Es ist schon einige Zeit her, als eine Lehrerin mich zum Nachdenken brachte mit der Frage, wie sie denn gewährleisten könnte, dass in einem von Schülern erstellten Wiki alle Informationen immer richtig seien.

Nach kurzem Nachdenken kam ich zur Einschätzung, dass die Grundeinstellung dahinter erst zu dem Problem führt und man anders zu guten Lösungen kommen kann.

Man kann im Schülerwiki genauso wenig sicherstellen, dass alle Texte immer richtig sind wie man auch nicht sicher stellen können, das alle Lehrertexte immer richtig von der Tafel abgeschrieben werden oder alle Hausaufgaben immer richtig gemacht werden.

Wie kann man nun eine gute Lösung finden? Zentral ist die Festlegung des Lernziels: Am Ende haben wir ein Ergebnis mit richtigen Inhalten. Vom Beginn bis zum Ende findet ein mehrstufiger Prozess statt.

1. sammeln
2. strukturieren, gliedern
3. aufbereiten
4. verifizieren = Richtigkeit inhaltlich prüfen
5. Formulierung, Sprachstil optimieren
6. Rechtschreibung optimieren.

Die Stufen 1-3 können gut in Gruppen erarbeitet werden. Stufe vier kann eine gruppenübergreifende Arbeit sein. Stufe 5 und 6 sind optionale Schritte je nach Lernziel.

Stufe 4 enthält zugleich verschiedene Metalernziele, Inhalte im Web kritisch zu hinterfragen, ein Peerfeedback so zu geben, dass die anderen es annehmen können und unterschiedliche Sichten zu diskutieren.

Entscheidend für das Gelingen des Prozesses ist die Klarheit beim Lehrenden, welche Ziele in Vordergrund stehen und wie die eigene Rolle verstanden wird.
Selbst wenn sich einem die Fußnägel kringeln und der Rotstift heftig zuckt, um Rechtschreibfehler anzustreichen, ist dies in den Phasen 1-4 eher störend, da die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema behindert wird.

Neun Grundsätze für ausgezeichnetes E-Learning

April 11th, 2009

Im Canadian Journal of Learning and Technology bin ich auf einen sehr anregenden Aufsatz von Jim Henry und Jeff Meadows gestossen. Sie befassen sich mit der Frage, was hervorrangendes E-Learning auszeichnet und verdichten dies auf neun Punkte.

  1. Die Online-Welt ist ein völlig eigenes Medium
  2. Content in der Online Welt ist ein Verb.
  3. Technik ist ein Hilfsmittel, nicht das Ziel
  4. Großartige Online-Kurse werden durch das Lehren, nicht die Technik bestimmt
  5. Das Gespür für Communities und Präsenz sind entscheidend
  6. Exzellenz benötigt mehrere Kompetenzfelder
  7. Eine tolle Oberfläche rettet keinen schlechten Kurs, aber: eine grausame Oberfläche behindert einen vielleicht guten Kurs
  8. Exzellenz entsteht aus permanenter Prüfung und Verbesserung
  9. Kleine Extras wirken sich manchmal langfristig sehr positiv aus

Der Beitrag will nicht völlig neue Erkenntnisse in die Welt setzen, fasst aber m. E. sehr gut zusammen. Ich fasse den Beitrag auf den folgenden Seiten nochmals zusammen. Die Online-Welt ist ein völlig eigenes Medium Es ist nicht zielführend in Online-Umgebungen die Präsenzmaterialien einfach noch einmal auszubreiten. Die Online-Situation funktioniert anders. Dazu zwei Beispiele:

  1. Powerpoint-Folien sind dafür konstruiert zusammen mit einem persönlich Vortragenden wahrgenommen zu werden. Sie sollten daher kein Redetext sein. Online hinterlegte Folien geben daher immer nur einen Bruchteil des Inhalts wieder. Sie müssen also zumindest um den gesprochenen Text ergänzt werden.
  2. Doch auch hier ergeben sich Tücken. Abgefilmte Vorträge sind in aller Regel zu lang. Sie müssen in mehrere kurze Einheiten aufgeteilt werden. Zudem geht dabei das interaktive Element verloren. Dozenten erlauben Zwischenfragen oder reagieren auf die gespürte Resonanz des Publikums. Bei der Online-Vervielfältigung geht diese Option verloren. Man mus sich des Verlusts klar sein, dann kann man gegensteuern. Die didaktische Funktion des Vortrags ändert sich online

Content in der Online Welt ist ein Verb. Die Autoren zitieren Oblinger und Hawkins (The myth about online course development, in: Educause Review, Jan 2007) mit der Frage ‘veteilen wir Inhalte, ein Buch oder Film oder schaffen wir einen Lernraum? Diese Frage scheint mir ganz entscheiden zu sein. Für den Lehrenden bedeutet dies die Frage an die eigene Rolle. Ist er Content-Lieferant oder Ermöglicher von Lernerfahrungen? Er ist sowohl für die sozialen wie die kognitiven Prozesse verantwortlich. Daraus ergibt sich die Annahme., dass der Erfolg weniger von der Zusammenstellung der Inhalte, als der Entwicklung von Lernaufgaben und -aufträge abhängig ist. Jedoch auch bei diesen kommt es auf eine offene, das Entdecken ermöglichende Vorgehensweise und nicht das Abfragen des Altbekannten an. Technik ist ein Hilfsmittel, nicht das Ziel Ein vermehrter Einsatz von Technik im Lernprozess führt nicht alleine schon dazu, dass es auch ein besseres Lernen (was das ist, müsste auch erst situativ definiert werden) gibt. Allein die Verfügbarkeit von Technik darf nicht dazu führen, dass sie eingesetzt wird. Es ist vielmehr immer wieder zu fragen, in welcher weise sie dabei behilflich ist, Lernziele zu erreichen. Großartige Online-Kurse werden durch das Lehren, nicht die Technik bestimmt Folgt man den Autoren, dann ist die Art und Qualität der Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernen von entscheidender Bedeutung. Was heißt das nun im Online Lernprozess? - schnelle Reaktion auf E-Mails und bearbeitete Aufgaben, - häufiger und engagierter Kontakt, - individuelles Feedback, - persönliche Ansprache unter Nennung des namens des Angesprochenen, - klare und erkennbare Ziele für das Lernvorhaben, Diese sollen detailliert genug sein, damit den Teilnehmern klar ist, was sie in der Lage sein sollen zu tun, die Bedingungen unter denen der Lernstoff angewandt oder das angestrebte Verhalten gezeigt werden soll. - die Ziele sollten dauerhaft im Blick gehalten werden. Das Gespür für Communities und Präsenz sind entscheidend Im Zusammenhang mit dem vorherigen Punkt geht es um einen Ausgleich der durch die Distanz vorhandene Entpersönlichung des Kontakts. Man kann nicht erwarten, dass die Teilnehmer gerne durch Massen von Content ‘waten’. Sie brauchen den Kontakt zu den Lehrenden und anderen Teilnehmenden, das Gefühl, dass eine Verbindung untereinander existiert und der Stoff einen Wirklichkeitsbezug, eine Relevanz besitzt. Für den Lehrenden bedeutet dies, sensibel ein Gemeinschaftsgefühl aufzubauen. Dazu gehören kollaborative Lernaktivitäten in Gruppen, umfassende Kommunikationsmöglichkeiten, durchaus Humor und Kleingruppenaktivitäten. Exzellenz benötigt mehrere Kompetenzfelder Es reicht nicht Fachexperte zu sein. Zusätzlich braucht man technische oder handwerkliche Kompetenz, sowie didaktisches Gespür für die online Situation. Die Werkzeuge sind immer einfacher zu handhaben. Es ist dennoch sehr hilfreich ein wenig Hintergrundwissen zu haben, da,mit man nicht in technische Fallen auf Seiten der Teilnehmer hinein läuft, weil Videos nicht angezeigt werden können oder eine eingebundene Webseite auf einmal nicht mehr verfügbar ist. Eine tolle Oberfläche rettet keinen schlechten Kurs, aber: eine grausame Oberfläche behindert einen vielleicht guten Kurs Die Überschrift verwirrt etwas. Gemeint ist vielmehr die Nutzerführung in einem online Kurs. Üblicherweise ist niemand gerade in der Nähe wenn Teilnehmer den Kursraum betreten. Sie wissen nicht automatisch was wo zu finden ist, wie sie vorgehen, was in welcher Reihenfolge oder welcher Weise bearbeitet werden soll. Sie wissen auch nicht von alleine, welche Erwartungen an sie gestellt werden. All dies gilt es zu bedenken und den Teilnehmern einen Studienführer oder eine Landkarte durch die Kurstopografie zur Verfügung zu stellen. Dies muss nicht in einem Dokument erfolgen. Vielmehr kann es immer wieder an verschiedenen Stellen entsprechende Bearbeitungshinweise geben. Exzellenz entsteht aus permanenter Prüfung und Verbesserung Das gilt für den eigenen Kurs und das unterstützende Verhalten des Lehrenden. Aufgaben, Testergebnisse, Diskussionen, Reflexionen helfen dem Lerner über den Lernerfolg, dem Lehrenden über den Lernprozess und der Institution über das Curriculum, den Support und die vorhandene Infrastruktur zu relektieren. Kleine Extras wirken sich manchmal langfristig sehr positiv aus Immer wieder unterschätzt wird die Prüfungsangst, der Lernstress und die Fähigkeit zur Strukturierung von Lernzeit bei den Teilnehmern. Kleine Hinweise zu den Erwartungen und zur Gestaltung des Lernprozesses verringern diese Probleme deutlich. Dazu gehört ein Kurskalender, der wiederkehrende Hinweis, was von den Teilnehmern erwartet wird oder kurze Mails und nachrichten an die Teilnehmer. ————- Die Autoren beteuern, dass erfahrende Lehrende sich nicht auf ihre Lehrerfahrungen verlassen können, wenn es um online Lernsituationen geht. Hier möchte ich klar widersprechen. Erfahrene Lehrende tun viele der genannten Dinge intuitiv im Unterrichtsalltag durch Beobachtung und Reaktion. Es ist nicht nötig, dieses Wissen und die Erfahrung über Bord zu werfen. Es kommt jedoch darauf an, sie auf die neue Situation zu übertragen. Auch die Wünsche und Erwartungen der Lernenden sind nicht neu. Sie treten in der Präsenzsituation genau so auf und wollen auch online erfüllt werden. Ein Teil dieser Situationen muss antizipiert und ein anderer Teil im laufenden Prozess situativ erfüllt werden. Die Reduzierung der Kommunikations- und Wahrnehmungskanäle macht jedoch den entscheidenden Unterschied bei der Umsetzung aus.

Vom arg begrenzten Wert der öffentlichen Wikis und Blogs für den Bildungsbereich

April 3rd, 2009

Seit einiger Zeit wird sehr engagiert über den Einsatz von Wikis und Blogs im Bildungsbereich diskutiert. User generated Content und offene Strukturen sollen demnach den Einsatz von Lernplattformen überflüssig machen.

Insbesondere wird dabei hervorgehoben, dass die Offenheit von Wikis und Blogs und die Verbindung zu Menschen außerhalb der Lerngruppe besondere Möglichkeiten für das Lernen und damit zusätzliche Motivation erschließen würde.

Ich bin an dieser Stelle sehr skeptisch. Ich sehe durchaus, dass die Öffnung der Lernprozesse für Außenstehende von Wert ist. Lernprozesse sind heute black boxes. Lehrende und Lernende wissen was darin passiert, aber sonst niemand. Damit bleiben spannende Lernszenarien Externen verborgen. Manch einer scheut sich, selber Lernvorhaben in Angriff zu nehmen, weil er nicht weiß, was dort passiert. Die Sichtbarkeit kann also durchaus Vorteile haben. Völlig klar ist auch, dass der produktive Schaffensprozess des Lernenden in Form einer eigenen Arbeit für die Nachhaltigkeit des Lernens äußerst wertvoll ist.

Andererseits braucht Lernen den Schutz der geschlossenen begrenzten Öffentlichkeit. Lernen ist ein Feld in dem Fehler auftreten und auch auftreten sollen, damit diese erkannt und korrigiert werden können. Dieser Erkenntnisprozess geht die Öffentlichkeit nichts an. Viele Lernende liegen großen Wert darauf, im Schutz der Gruppe zu agieren. Viele trauen sich bereits in einer Gruppe von 15 Teilnehmern nicht, frei zu reden. Die große Öffentlichkeit wäre dann also nicht hilfreich.

Vielleicht dient mancher Lernprozess mit Wikis mehr der öffentlichen Profilierung der Kehrenden als den Lernenden. Das würde zumindest erklären warum die meisten dieser öffentlichen Lernprozessen in den mediendaktischen Seminare unserer Hochschulen stattfinden und selten in andere Fachgebiete übertragen werden. Zumindest ist auffällig, dass überdurchschnittlich häufig Seminare mit entsprechenden Themenstellungen (Web, neue Medientechnologien, Communities) Weblogs und Wikis verwenden.

Die geschlossene Gruppe bietet Raum zum Experimentieren mit Möglichkeiten. Gerade dies in in einem ungeschützten Raum meist nicht mehr möglich.

Ein anderes Problem mit Wikis und Blogs in der Öffentlichkeit für Lernprozesse ergibt sich durch die begrenzte Skalierbarkeit und Wiederholbarkeit. Wer mit einer Gruppe von 20 Teilnehmern ein thematisches Wiki erstellt hat, kann mit der nächsten Gruppe an diesem Wiki in Form von Verbesserungen und Ergänzungen weiter arbeiten. Dabei werden jedoch andere Lernziele realisiert wie mit der ersten Gruppe. Die dritte Gruppe findet ein nahezu perfektes Produkt vor. Sie kann diese lesend erschließen, aber kaum mehr neu erarbeiten. Da es jedoch zum Alltag der Lehrenden gehört, mit wechselnden Gruppen das gleiche Thema zu bearbeiten, sind die Möglichkeiten zur Wiederholung des methodischen Ansatzes für das Thema begrenzt.

Berücksichtigt man dann noch, dass in manchen Bereichen (Schule, einheitliche Lektüren, Curricula) auch noch viele Institutionen das Gleiche bearbeiten, ist mit einem mehrfachen Einsatz der gleichen Methodik (Inhaltserarbeitung durch Wikis) zu rechnen. Das steigert die Gefahr des gegenseitigen Abschreibens.

Ein besonderer Blick auf die leistungsschwachen Teilnehmer lohnt sich besonders. Gerade diese wünschen sich nicht, dass ihre Mängel und Schwächen öffentlich sichtbar werden. Zugleich bleibt ihnen ggfs. ein Erfolgserlebnis durch öffentliche Sichtbarkeit guter Ideen versagt.

Nicht zuletzt sei der Aufwand für Lehrende beim wiederholten Anlegen von Wikis oder Blogs für Teilnehmer genannt, der erhöhte technische Kenntnisse erfordert. Das Anlegen eines Wikis (z.B. auf Grundlage von Mediawiki) und die Bildung von Gruppen darin ist kein Pappenstil. Das Gleiche gilt für Blogs.

Die heutigen Lernplattformen hingegen bieten die Möglichkeit mit wenigen Klicks Wikis anzulegen oder Blogs für Gruppen zur Verfügung zu stellen. Hintergrundwissen über Datenbanken und Webserver sind dafür nicht erforderlich. Gelungene Lernergebnisse können ohne Probleme einer Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Damit ich nicht missverstanden werde, Wikis und Blogs sind tolle Instrumente, um mit einer Lerngruppe Inhalte aufzubereiten und Lernprozesse zu reflektieren. Ich halte es jedoch für gefährlich diese als Allheilmittel darzustellen und damit das Aus für andere Instrumente zu verbinden.

Nach über 30 Jahren aktiver Tätigkeit im Bildungsbereich habe ich viele Methoden kommen und manche auch wieder verschwinden sehen. Hilfreiche Modelle haben sich im Laufe der Zeit bewährt und das Methodenrepertoire ergänzt, ohne dabei andere vollständig zu verdrängen. Auswendiglernen und Frontalvorträge haben auch heute ihren Stellenwert, auch wenn sie immer wieder als steinzeitlich diskreditiert werden.

Es wäre hilfreicher, neue methodische Ansätze so auszuwerten, dass deutlich wird, wann und unter welchen Bedingungen sie hilfreich sind und wann sie unangebracht oder schädlich sind.

Die Zeiten ändern sich

März 16th, 2009

Mit jeder neuen Technologie gehen Lernprozesse einher. Nicht immer versteht man auf Anhieb was wie funktioniert.

Während im Mittelalter das gebundene Buch die Papierrolle ablöste und zu einigem Unverständnis geführt haben könnte zeigt dieses norwegische Video (mit deutschen Untertiteln)

… und die Probleme der Netgeneration sind nicht wirklich anders gelagert, wie dieses Video über den Umgang mit den in Bälde antiquierten gedruckten Medien zeigt.

The google video service is not available anymore.

"Vorsicht Moodle"

März 14th, 2009

Moodle hat sich weltweit im Markt der E-Learningplattforen in allen Bildungsbereichen durchgesetzt. Das ist erfreulich, zugleich aber auch Last.

Moodle ist kein Hype. Unter Hype verstehe ich Produkte und Trends, die hochgepuscht werden, viel öffentliche Aufmerksamkeit erleben, aber sich nicht tatsächlich durchsetzen.

Erst Moodle hat z. B. in Deutschland dazu geführt, dass tausende von Bildungseinrichtungen Lernplattformen zur Unterstützung des Präsenzlernens einsetzen. Der hohe Bekanntheitsgrad von Moodle und die Flexibilität haben zugleich den Erwartungsdruck erhöht und unrealistische Vorstellungen entstehen lassen.

Einige Beispiele:
‘Moodle verbessert den Unterricht.’
Das ist tatsächlich richtig, wenn der Lehrer Moodle dazu benutzt. Moodle bietet ein gut geeignetes Werkzeug dies zu tun. Der eigentliche Verbesserer ist und bleibt aber der Lehrende. Moodle schafft das nicht automatisch und das ist auch gut so.

‘Moodle ist einfach zu nutzen.’
Auch das ist tatsächlich der Fall. Wenn man es vergleicht mit anderen Werkzeugen. Man muss sich jedoch auch auf eine Systematik einlassen. Ein Test ist per se keine einfache Sache. Lehrende entwickeln ihn häufig intuitiv. Die einzelnen Schritte verlaufen nicht unbedingt bewusst reflektiert. Beim Anlegen eines Tests muss man sich die formalen Schritte (Einsatzszenario, Fragentyp, Fragentext, Antworten, Feedback, Bewertung, Zusammenstellung, Auswertungen und Gesamtfeedback) klar machen. Diese sind dann in Moodle zu hinterlegen. Im Alltag eines Lehrers werden diese häufig zeitversetzt gemacht. Bewertung und Feedback werden meist erst während der Bewertung selber entwickelt. In Moodle erscheint daher die Erstellung eines Tests aufwendig.
P.S.: Ganz sicher sind Formulare in Moodle für Aufgaben und Tests optimierungsfähig und gerade daran wird aktuell auch heftig gearbeitet.

Simple-Moodle vs. Funktionserweiterung
Auf der einen Seite wird erwartet, dass man Moodle auf wenige Funktionen beschränken können solle, da Moodle viel zu umfangreich sei. Andererseits wird argumentiert, man könne Moodle überhaupt nur dann nutzen wenn diese und jene zusätzliche Funktion genau auf diese oder jene Art und Weise zur Verfügung stünde. Das Phänomen ist, dass diese Aussagen u. U. in der gleichen Institution gestellt werden. Entweder geht es um eine gruppendynamische Auseinandersetzung in einem Kollegium mit ganz anderen Zielen oder um mangelnde Fähigkeit, nicht genutzte Funktionen einfach zu ignorieren. (Verweigern die Simplifizierer eigentlich auch den Einsatz einer Textverarbeitung, weil sie selber nur 5 % der Funktionen nutzen? Oder warum sind die ‘Funktionsforderer’ nicht mit Workarounds zufrieden, wenn diese das angestrebte Ziel erreichen?) Übrigens viele der Simplifizierungen sind durch die einfache einmalige Konfiguration von Moodle (Abschalten von Lernaktivitäten und Blöcken, anderer Aufbau neuer Kursräume) leicht gestaltbar. Manchmal muss man halt jemanden fragen, der isch damit auskennt.

Moodle erreicht heute Personen, die wenig Kenntnisse in der Medienentwicklung haben.
Heute arbeiten Menschen mit Moodle, die bisher mit Fotokopierer und Klebstoff Lernmaterialien zusammengebastelt haben. Manche von Ihnen schaffen es gerade eben, in eine Word-Datei ein Bild einzufügen. Ganz zu schweigen davon, in Powerpoint eine wirkungsvolle, nicht überladene, Animation zu erstellen. Die gleichen Menschen erwarten nun, dass sie mit Moodle Seiten und Inhalte hochprofessionell erstellen und das natürlich einfach von der Hand geht, sich selbst erklärt, weder Schulung noch Übung erfordert.

Manche dieser Forderungen sind schlicht unrealistisch. Andere sind Herausforderungen bei der Weiterentwicklung von Moodle.

Aktuell findet eine sehr engagierte Diskussion um Nutzerführung und Design in Moodle statt. Dabei geht es genau um solche Fragen der Orientierung und der Nutzerführung, aber auch um die visuelle Identität und Anpassbarkeit. Die Diskussion findet im Wesentlichen unter http://moodle.org - Kursraum Using Moodle im Developerforum, im Forum Theme und im Quiz-Forum statt.

Moodle: solide wirtschaftliche Basis

März 14th, 2009

Vielen ist nicht bekannt wie sich ein Open Source Produkt wie Moodle eigentlich finanziert. Es ist ja schon merkwürdig: Da kann man ein hochprofessionelles Produkt kostenlos herunterladen und nutzen. Es gibt festangestellte Mitarbeiter und eine weltweite Koordination der Arbeiten. Wo kommt das Geld dafür her?

Gestern fand ich zufällig diese Grafik.

Vergleich Sakai-Moodle Finanzierung

Sakai ist eine in Deutschland kaum bekannt open source Plattform. Sie wird ganz wesentlich aus Stiftungsmitteln der Carnergie Mellon Foundation und einem Netz aus Hochschulen finanziert. Die Grafik zeigt, dass Sakai im Unterschied zu Moodle massiv durch Stiftungsmittel gepäppelt wurde.

Viele Lernplattformen fristen ihre Existenz aus öffentlichen (Förder-)Mitteln oder haben diese immer wieder angezapft. Ilias und Metacoon sind zwei Beispiele dafür. Sie wurden neben einer Reihe von anderen Projekten, die mittlerweile das zeitliche gesegnet haben, aus den Förderprogrammen des BMBF finanziert. Selbst kommerzielle Produkte haben häufig eine öffentliche Förderung im Hintergrund oder als Basis. Beispiele hierfür sind u.a. die SAP Learning Solution, die aus einem öffentlichen Forschungsprojekt hervorging, Clix, das immer wieder in größeren EU-Programmen involviert ist, und Edunex von T-System, das eine Fortführung der von mehreren Kultusministerien finanzierten, letztlich aber erfolglosen, Plattform einzelner Schulbuchverlage ist.

Öffentliche Förderung ist nicht gut oder schlecht. Entscheiden ist jedoch, ob es gelingt, eine nachhaltige Akzeptanz am Markt und eine solide wirtschaftliche Grundlage zu entwickeln. Dies wird m.E. bei öffentlichen Förderprogrammen immer wieder unterschätzt. Das aktuelle Förderprogramm der Bildungsministeriums in Deutschland setzt den Focus wiederauf reine Technologieentwicklung und vernachlässigt die nachhaltige Markteinführung mit einer soliden wirtschaftlichen Grundlage.

Kann Moodle ohne solche eine Förderung leben? Und was steckt wirtschaftlich hinter Moodle?

Tatsächlich ist Moodle nicht aus einer öffentlichen oder Stiftungsfinanzierung hervorgegangen. In den letzten Jahren hat es tatsächlich Auftragsentwicklungen von Microsoft (MS SQL) oder der Open University (z.B. neues Gradebook) gegeben.

Der wesentliche wirtschaftliche Background ist jedoch ein weltweites Netz von Supportunternehmen, den Moodle-Partnern. Diese refinanzieren durch eine Umsatzabgabe und Partnergebühren die weitere Entwicklung. Inzwischen fast 40 Unternehmen auf allen Kontinenten bieten professionelle Dienstleistungen an. Dies sichert Moodle einen kontinuierlichen Mittelzufluss und Unabhängigkeit von sporadischen und zeitlich befristeten Förderungen.

Letztlich profitieren die deutschen Behörden und Ministerien davon in enormer Weise, da ihnen ein Werkzeug an die Hand gegeben wird für das keine Lizenzkosten anfallen. Nur auf diesem Wege können derzeit in vielen Bundesländern Schulen (nahezu) kostenfrei eine Lernplattform nutzen. Ein Geschenk, das ihnen letztlich nur deshalb zur Verfügung steht, weil andernorts Dienstleistungen bezahlt werden.

Ich betone dies deshalb so deutlich, weil in manchen Foren etwas unwirsch darauf reagiert wird, wenn bestimmte Supportleistungen nur gegen Entgelt angeboten werden oder Handbücher
und Lernvideos auch verkauft werden.

Innerlich geht mit manchmal die - nicht vorhandene - Hutschnur hoch wenn mal wieder gefordert wird, alles müsse kostenfrei sein. Aus der Sicht eines Lehrers, der keinen Zugriff auf Budgets hat, kann ich das verstehen. Nur ist Moodle oder ein Dienstleister nicht der passende Adressat einer solchen Forderung. Vielmehr sind dort dann Schulträger oder Ministerien der richtige Anlaufpunkt. Weder Schulbuchverlage noch Ausstatter von Schulräumen verschenken ihre Leistungen, auch Lehrer sind nicht ehrenamtlich, wenn auch unterbezahlt, tätig. Wir als eLeDia sind Anbieter professioneller Dienste rund um Moodle. Zusätzlich bieten wir auf moodle.de und moodle.org deutschsprachigen Support in Foren und beantworten täglich ohne Berechnung Nutzeranfragen. Viele Rückmeldungen schätzen besonders, dass wir noch dazu außerordentlich schnell Support bieten. Wo gibt es das schon sonst.

Letztlich machen nur bezahlte Leistungen insgesamt die Entwicklung und Pflege von Moodle möglich.

P.S. Eine Moodlekonferenz wie in Bamberg mit über 400 Teilnehmern 100 Vorträgen, 50 Helfern, Gästen aus Australien, Neuseeland, England, Belgien, Österreich und der Schweiz erfordert etwa zehn Monate Vorbereitung. Wir danken der Universität Bamberg für die Bereitstellung der Räume und von Mitarbeitern, die unermüdlich im Hintergrund alles vorbereitet haben. Wir danken den Teilnehmern und den Ausstellern, deren Teilnahme- und Ausstellergebühren diese Veranstaltung ermöglichen. Etwaige Überschüsse fließen ebenfalls in die Entwicklung von Moodle zurück.

T-System lässt Schulen T-Online.de sperren

März 11th, 2009

Ok. Die Überschrift ist etwas verwirrend. Um was geht es?

T-Systems versucht seit einiger Zeit die Schulministerien davon zu überzeugen, dass die Lernplattform der Zukunft ein Konzept von vorgestern braucht. Der Name: Edunex. Eine alte Plattform der Schulbuchverlage, die bereits in den Versuchen einiger Bundesländer nur mäßig angenommen wurde, wurde in wenig aufgepeppt.

Mit dem Argument, dass die Plattform bereits die Inhalte der Schulbuchverlage enthalte, wird auf Kundenfang gegangen. Tatsächlich wurden einzelne wenige Inhalte der Schulbuchverlage, die bereits vor Jahren entwickelt wurden, eingestellt. Wie mir ein Mitarbeiter eines der beteiligten Verlage erzählte, handele es sich um die alten Materialien, die nicht an neue Curricula oder bundesländerspezifische Anforderungen angepasst wurden.

Weitere Inhalte der Verlage bestehen aus Verlinkungen auf die Angebote der Verlagswebseiten mit der Option des käuflichen Erwerbs. Diese Materialien sind jedermann bereits heute über die Webseiten zugänglich.

Werner Grafenhain (lo-net) kommentierte nun den neuesten Clou von T-Systems zum Verkauf seines Ladenhüters. Auf der Cebit stellte T-Systems den narrensicheren Schutz der Schüler vor. “Edukey ist ein kleiner Kasten mit integriertem Fingerabdruck-Leser und WLAN-Modul, der an den USB-Port eines Rechners angeschlossen wird, der von USB aus booten kann. Im 8 Gigabyte großen Flash-Speicher befindet sich ein bootfähiges Windows XP Embedded, dazu eine komplettes Microsoft Office und ein Browser.”

Sicher ist sicher. Warum?

1. “Außerdem forderten Eltern von den Schulen, dass sie sicherstellen, dass ihren Kindern im Internet “nichts passiert". Vom großen Internet sind nur die Seiten verfügbar, die die jeweilige Schule auf eine White-List gesetzt hat.”
Damit sollten als erstes die Seiten des eigenen Konzern unter http://t-online gesperrt werden. Erstens wegen penetranter Werbung und zweitens wegen der Eroti k-Seiten. Damit soll die Notwendigkeit des Jugendschutzes nicht in Abrede gestellt werden.

2. “Mit Edukey habe der Schüler keine Möglichkeit, Webseiten zu besuchen, die ihn von seinem Lernerfolg abhalten, heißt es bei T-Systems. Hat sich der Schüler mit seinem Fingerabdruck identifiziert, bootet der Edukey direkt über den Browser in die Edunex-Schulumgebung, wobei schon der Verbindungsaufbau verschlüsselt ist.” Toll!

3. Besonders klever an dem Ganzen ist, dass zugleich ein wirksamer Schutz vor Pfuschen eingebaut wird und damit online sicher eine Klassenarbeit geschrieben werden kann. “Während einer solchen Klassenarbeit soll der Schüler bei jeder Aufgabe per Fingerabdruck bestätigen, dass er selbst die Aufgabe gelöst hat. Zusätzlich soll dabei eine Prüfung per Webcam erfolgen, dass nicht geschummelt wird.”
Davon wird sicher sicher jeder Schüler abhalten lassen, den Spickzettel selber zu nutzen oder den Nachbarn heimlich selber zu fragen. Welche Schule an jedem PC nun eine Webcam integriert hat und was Datenschützer von solchen Formen von Kontrolle halten und wer dann bei 33 Schülern 33 Webcam-Aufzeichnungen über 45 Minuten auswertet, dafür hat T-System sicher auch schon eine technische Lösung. Zumindest braucht man wohl nur nebenan im Konzern mal nachzufragen wie man Überwachungen von Mitarbeitern im großen Stil rational durchführt. Erfahrungen gibt es da wohl reichlich.

Übrigens: Das ganze System funktioniert natürlich nur mit dem Internet Explorer als Browser. Dieser Browser wird an immer mehr PCs ausgemustert, das sagen die Auswertungen der Zugriffe auf die meisten Webseiten. Offensichtlich scheint er aber für Kontrollzwecke besonders gut geeignet zu sein.

Zitate von heise-Online

11. März: Tag des Digitalen Lernens

Februar 28th, 2009

Tag des digitalen Lernens: Was ist das?

Der Tag des digitalen Lernens wurde im letzten Jahr erstmals von verschiedenen Organisationen deutschlandweit ausgerufen. Zahlreiche Schulen haben sich daran beteiligt und mit Aktionen und Veranstaltungen Möglichkeiten des digitalen Lernens in der Schule aufgezeigt. In diesem Jahr rufen die digitale Schule Bayern (www.digitale-schule-bayern.de), die Zentralstelle für Unterrichtsmedien (www.zum.de), die religions-pädagogische Internetplattform rpi-virtuell (www.rpi-virtuell.net), das Portal Innovative Teachers (www.innovative-teachers.de) von Microsoft, die Initiative n21 in Niedersachsen (www.n21.de), die Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung Dillingen (www.alp.dillingen.de), das Landesinstitut für Pädagogik und Medien Saarland (www.lpm.uni-sb.de) sowie die E-lisa-academy Österreich Schulen in Deutschland und Österreich auf, sich am Tag des digitalen Lernens zu beteiligen.

In medias res: Was Moodle kann und was nicht ...

Februar 22nd, 2009

So langsam nimmt die pädagogische Debatte rund um Moodle Fahrt auf. Das ist gut so.

Es ist nicht Moodle, das den Unterricht verändert. Moodle ist ein Instrument unter vielen in der Hand des Lehrenden, das das Potenzial hat Unterricht zu verändern. Aber es geht nicht von alleine.

Mathias Funk und Sven Gänger berichten in einem Beitrag über die Ergebnisse eines hessischen Modellversuchs zu e-Portfolios (Das E-Portfolio als Werkzeug zur Förderung selbstbestimmten Lernens? in:Zeitschrift für e-learning, 2-2008). Im Fazit schreiben sie u.a. “dass die Nutzung einer strukturierten E-Portfolio-Plattform nicht der Garant dafür ist, dass sich Unterricht in Richtung Selbstbestimmung und Individualisierung entwickelt.”
Hintergrund ist die Fallstudie dreier Lehrer, deren Einsatz von E-Portfolio zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen führt und die Lehrpraxis und die Haltung der Lehrer entscheidend ist. Abschließend formulieren Sie, dass die Veränderung der Lernkultur bereits eingeleitet, zumindest aber ein erklärtes Ziel darstellen solle wenn E-Portfolios eingeführt würden.

Letztlich wird damit betont, nicht das Werkzeug ist das Ziel.

In der Taz findet sich am 28.1.2009 ein Beitrag über Blogs für das Lernen 2.0. Darin wird Kritik über Moodle laut:

Prinzipiell ist Scheppler mit Moodle nicht unzufrieden. Anderswo heimste die Plattform dagegen jede Menge Kritik ein und gilt unter Lehrern vielfach als das viel geförderte Tool, das niemand benutzen möchte. Vielen ist es zu kompliziert. Unterrichtsblog-Pionier Thomas Rau ist es zu hässlich, zu wenig öffentlich - und es fehlt die Möglichkeit, Schüler zur Heimarbeit mit Moodle zu verpflichten. Auch weil eben noch immer nicht davon ausgegangen werden kann, dass jeder Schüler einen Computer mit funktionierendem Internetanschluss zu Hause stehen hat.

Drei Stichworte liefert uns Lehrer Rau:
kompliziert: Die wesentlichen Dinge sind einfach. Man kann die einfachsten Dinge sehr effektiv nutzen. Man muss nicht alles haben. Es wird kein Tool geben, dass alle Lehrer lieben. Das ist Gesetz.
hässlich: Moodle kann angepasst werden. Es gibt viele Beispiele, die zeigen dass Moodle ganz anders aussehen kann, wenn man will. z.B: http://ecdl-moodle.de oder http://playpen.riverview.nsw.edu.au/moodle19/ oder http://quantum.riverview.nsw.edu.au/. Alles Moodle-Systeme, jedoch mit grafischen Anpassungen. Dass Schulen häufig die altbackensten Oberflächen auswählen, liegt nicht unbedingt an Moodle.
zu wenig öffentlich: Dies ist eine Frage des Öffnens und des Wollens. Da das Internet ein Gedächtnis hat, das nicht kontrollierbar ist, ist die Nicht-Öffentlichkeit ein ganz wesentlicher Schutzraum. Dennoch ein Lehrer kann jederzeit seinen Kurs für Gäste öffnen und damit öffentlich machen. Viele in der Lehre genutzte Blogs setzen aus meiner Sicht Schüler und Studenten einer Öffentlichkeit schutzlos aus.

Und nochmal Lehrer Rau aus der taz zitiert:

Nicht das Einzige, was Rau, der selbst an seiner Schule “Moodle-Beauftragter” ist, stört. “Das selbstorganisierte Lernen läuft damit auch nicht optimal", mäkelt er und gibt aber dennoch zu: “Aber es ist besser als gar nichts.”

Fink und Gänger (s.o.) machen sich in ihrem Beitrag eine Begriffsunterscheidung von Thomas Häcker zu eigen.

Von selbstgesteuertem Lernen spricht er, wenn die Lernenden lediglich bei den regulativen Prozessen des Lernens mitentscheiden können, also bei der Auswahl von Lernformen und Methoden. Von selbstbestimmten Lernen ist dagegen erst zu sprechen wenn … auch die Mitbestimmung bei den Inhalten und Lernzielen sowie bei der Einschätzung und Bewertung des Lernprozesses und der Lernergebnisse eine Bedeutung erhält.

Was ist nun selbstorganisiertes Lernen? Gabi Reinmann hat kürzlich in zwei Aufsätzen kritisiert, dass es in der Debatte an begrifflicher Klarheit fehlt.

Maik Rieken zieht nun eine persönliche Bilanz seiner Arbeit mit Moodle (hier und hier)

# Moodle muss den Lernenden (denen in der Teilnehmendenrolle) noch weit mehr Möglichkeiten geben, an der inhaltlichen und strukturellen Ausgestaltung von Kursinhalten zu partizipieren. Das geschieht bereits in einigen Lernaktivitäten, aber dieser Weg muss für mich noch konsequenter fortgeführt werden. Die Kommentarfunktion wäre da ein Beispiel. Ein individell frei gestalbarer Bereich für jeden Teilnehmenden - wie etwa durch Portfoliosystem (exabis) sind da für mich ein Schritt in die richtige Richtung, wenn diese Portfolios auch verschiedengradig öffentlich gemacht werden können: z.B. Gruppe, Kursbereich, Moodlesystem, Welt. Mahara macht es für ich in diesem Bereich exzellent vor.
# Inhalte aus Moodlekursen müssen losgelöst von personenbezogenen Daten für jedermann von überall auf der Welt recherchierbar sein. Nur so würde für mich die Schaffung von Kursinhalten effizient. Ich nutze die Inhalte in meinem Unterricht und bekomme von außerhalb meines Unterrichts dazu zusätzlich als Input. Mit “außerhalb” meine ich dabei nicht andere Lehrer oder Schüler.
# Moodle ist ein Unterrichtsinstrument, eine für mich geniale Zusammenführung verschiedener Methoden, von denen keine neu ist - ein Instrument verändert Unterricht durch die Art seiner Benutzung. Es ist für mich fahrlässig zu behaupten, dass ein Instrument von sich aus Unterricht verändert - wie es allgemeinen Hype um Moodle manchmal geschieht. Ohne eine Einführung in das Prinzip, welches hinter dem Kontruktivismus steht, wird Moodle m.E. keinen wirklichen Fortschritt bringen können, sondern lediglich bestehende Strukturen virtuell abbilden.

Ich stimme Maik an vielen Stellen zu. Ich finde eine Differenzierung besonders wichtig: Was schafft Moodle und was schaffen die Menschen, die mit Moodle arbeiten (wollen). Die Aussage ‘Moodle muss..’ ist für mich falsch. Hier ist zu allererst der Lehrende zu sehen. Er kann diese Rechte an vielen Stellen in Moodle schon längst vergeben. Man muss es halt geschickt kombinieren. Der Moodle-Weg erlaubt verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten. Würde Moodle überall die Kommentierung und Gestaltung zulassen, dann wäre ein lehrerzentrierter Unterricht mit Moodle kaum mehr möglich. Und auch er hat seine Berechtigung.

Inhalte aus Moodlekursen müssen losgelöst von personenbezogenen Daten für jedermann von überall auf der Welt recherchierbar sein.” Hier bin ich mir nicht sicher, wie weit das denn wirklich gewollt ist. Wenn ein Lehrender das will, dann kann er es auch tun. Aber wollen die Lehrer das?

Ohne eine Einführung in das Prinzip, welches hinter dem Kontruktivismus steht, wird Moodle m.E. keinen wirklichen Fortschritt bringen können, sondern lediglich bestehende Strukturen virtuell abbilden.” Und da sind wir bei der Integration in Unterrichts- oder Schulentwicklungsprozesse. Aber das ist nicht die Verantwortung von Moodle.

Und nochmal Maik Rieken:

Viele meiner Konsequenzen sind bereits heute mit Moodle umsetzbar, wenn ich als Lehrender bereit bin, den Lernenden mehr zu vertrauen und ich den Mut aufbringe, mich ihrer wichtigen Kritik bzw. Rückmeldung auch auszusetzen. Ich wünschte mir in diesem Bereich mehr “Best-Practise”-Beispiele - völlig unabhängig von Moodle.

Und da, Maik, bin ich voll bei dir. Danke für deine kritische Sicht.

Für ein Recht auf Bildung - überall

Dezember 21st, 2008

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