Kategorie: "Content"

Moodle: den Texteditor anpassen

November 10th, 2012

 

In Kürze wird Moodle 2.4 erscheinen. Eine Funktion, die komplett neu ist, ist die Anpassungsmöglichkeit für den Texteditor. Der Screenshot zeigt oben eine reduzierte Form, unten die Standarddarstellung.

 

 

In welchen Situationen ist es sinnvoll, Funktionen zu reduzieren und welche sollten am besten wegfallen?

 

Nachtrag:

Sabine hat in den Kommentaren gefragt. Die horizontale Linie  und der Blocksatz kann auch aktiviert werden. Der Screenshot zeigt es:. Das geht ohne Änderung des Programmcodes. Ich werde mal Versuche herauszubekommen, welche Funktionen mit welchen Kürzeln im Standard verfügbar sind.

 

Nach etwas Suchen habe ich nun auch eine (vermutlich) komplette Liste der Funktionen gefunden und eingefügt:

 

Urheberrecht § 52 a: wer ergreift die Initiative.

November 2nd, 2012

Manchmal hat es den Eindruck, man schaut einem ‘Katz und Maus’-Spiel zu.  Beim § 52a scheint das der Fall zu sein.

Der § 52a des Urheberrechts sieht vor, dass öffentliche Bildungseinrichtungen (Schulen, Hochschulen) urheberrechtlich geschützte Werke in kleinen Teilen nutzen können. Diese Regelung ist nach mehrmaliger Befristung nun erneut kurz vor dem Auslaufen. Ende 2012 wird sie ungültig, sofern bis dahin nicht jemand das Gesetz ändert.

Die Zuständigkeit für den Bildungsbereich liegt bei den Bundesländern. Die Zuständigkeit für das Urheberrecht liegt beim Bundestag. Das zuständige Ministerium ist das Bundesjustizministerium.

Juli 2012: Das Bundesjustizministerium hat dem zuständigen Ausschuß des Bundestages einen Bericht über die dritte Evaluierung von §52a des Urheberrechtsgesetzes vorgelegt (Ausschussdrucksache 17(6)201). [Danke an Michael Wuttke für den Hinweis auf diese Information der Linken]].  Darin empfiehlt das Ministerium die Verlängerung der bisherigen Regelung.

Oktober 2012: Der Bundesrat befasst sich mit dem Thema und empfiehlt dem Bundestag, die Befristung im Urheberrecht ganz aufzuheben.

Und nun? In zwei Monaten ist Stichtag. Wer hat denn nun den Ball zum Handeln in der Hand? Die Parteien im Bundestag. Sie können eine Gesetzänderung einbringen. Die Bundesrregierung über das Bundesjustizministerium: sie können dem Bundestag einen Gesetzentwurf vorlegen. Die Mitglieder des Rechtsausschuß des Bundestages: sie können im Rahmen der Gesetzesberatung die Änderung des Gesetzes einbringen. Mitglieder mehrerer anderer Ausschüsse des Bundestages, die eine Mitberatung in Urheberrechtsfragen haben. Die Mitglieder des Bundestages: im Rahmen der letztlichen Beratung des Gesetzes können sie noch Änderungen einbringen.

Derzeit wird eine andere Änderung des Urheberrechts noch im Bundestag beraten. Dabei geht es um das Leistungsschutzrecht für Verleger. Es wäre nun ein Leichtes in dem Rahmen gleich den 52a zu erhalten.

Nun denn mal los.

Bundesrat beantragt § 52a des Urheberrechts zu entfristen, statt auslaufen zu lassen.

Oktober 30th, 2012

Mein Kollege Gerald Hartwig hat mich auf ein paar Neuigkeiten aufmerksam gemacht.  Wesentlich dabei ist, dass der Bundesrat Mitte Oktober vorgeschlagen hat den § 52a des Urheberrechts von seiner Befristung zu befreien. Darüber ist interesanterweise nicht öffentlich berichtet worden.

Es ist jedoch eien Blamage, dass das zuständige Bundesjustizministerium in dieser Frage nicht selber tätig geworden ist. Auch das Bundesbildungsministerium hätte hir im Rahmen der interministeriellen Abstimmung die Bildungsinteressen erkennen und einbringen müssen.

Hier der Text der Beschlussfassung. 514-12B.pdf

Der Ball dürfte damit im Fachausschuß des Bundestages und dann im Bundestag  liegen.

Urheberrecht: Lehrer aufgepasst! Wenn Recht zu Unrecht wird.

Oktober 30th, 2012

Der Jahreswechsel wird urheberrechtlich für Lehrer zu einem entscheidenden Punkt.  Was in 2012 Recht war, kann in 2013 Unrecht sein. Worum geht es?

Am 1. Januar 2013 ist ein Teil des Urheberrechtsgesetzes nicht mehr in Kraft. § 52 a hat ein sog. Bildungsprivileg für die Nutzung von urheberechtlich geschützten Materialien geschaffen. Urheberrechtlich geschützte Materialien konnten bislang in kleinen Teilen für den eigenen Unterricht genutzt werden. Dies erlaubte auch die Digitalisierung und damit die Nutzung in Lernplattformen.

Ausgenommen waren und sind davon alle Formen von Lehrbüchern. Für Lehrbücher gibt es eine besondere vertragliche Regelung zwischen den Schulbuchverlagen, den Verwertungsgesellschaften und den Kultusministerien, die jedoch die Digitalisierung und Nutzung in Lernplattformen ausschließt.

Zum 1. Januar 2013 wird die Sonderregelung des § 52 a ersatzlos wegfallen. Das bedeutet konkret:

  • Kleine Teile von urheberrechtlich geschützten Dokumenten können nicht mehr im Unterricht genutzt werden.
  • Sie dürfen nicht mehr als Kopien im Unterricht genutzt werden.
  • Sie müssen aus Lernplattformen entfernt werden, sofern Schüler darauf noch Zugriff haben.

Etwas was in 2012 noch Recht war, wird damit ab Januar 2013 Unrecht.

Es ist in den letzten Monaten  nicht ersichtlich gewesen, dass sich jemand für die Verlängerung dieser Regelung stark gemacht hat.

Was bleibt möglich?

  • Lehrende können selbst erstellte Texte, Bilder, Grafiken, Videos, Audios nutzen.
  • Lehrende können Quellen nutzen, deren Verfasser seit 70 Jahren tot sind. diese sind gemeinfrei. (Vorsicht bei Übersetzungen: hier gilt der Schutz bis 70 Jahre nach dem Tod des Übersetzers)
  • Lehrende können Werke nutzen bei denen die Urheber ein freies Nutzungsrecht eingeräumt haben, z.B. solche , die unter Creative Commons Lizenzen veröffentlicht wurden.
  • Lehrende können die Rechteinhaber um Erlaubnis zur Nutzung fragen. Das geht oft einfacher als man gemeinhin denkt. Rechteinhaber ist der Verfasser/Autor oder im Fall einer Verlagsveröffentlichung der Verlag.

Hinweis, da es hier oft zu Verwechslungen kommt. Es gibt eine zweite Regelung zur Nutzung von Fotokopien aus Unterrichtswerken. Hier haben die Kultusministerien mit den Schulbuchverlagen und den Verwertungsgesellschaften einen Vertrag geschlossen, der die Nutzung im Unterricht in bestimmtem Umfang, nicht jedoch die Digitalisierung, erlaubt. Dieser Vertrag ist mit dem Begriff ‘Schulbuch-Trojaner’ in Verbindung gebracht worden, da eine entsprechende Software entwickelt werden sollte. Der Inhalt dieses Vertrages hat mit der obigen Regelung nichts zu tun. Dieser zweite Vertrag  bleibt in Kraft.

Es gibt keine 'Raubkopien', aber ...

Juni 19th, 2012

Beim Lesen eines bereits vor einiger Zeit erschienen Buches von Dirk von Gehlen ‘Mashup – Lob der Kopie’ bin ich noch einmal auf die Problematik des Begriffs Raubkopie aufmerksam gemacht worden.

Es gibt keine Raubkopien, aber sehr wohl die Verletzung von Urheberrechten oder Verwertungsrechten.

Der Begriff  ‘Raubkopie’ ist eine Marketingerfindung. Es gibt ihn juristisch nicht. Juristisch gibt es den Begriff ‘Raub’ im Strafgesetzbuch. Vereinfacht meint er, dass man sich unter Androhung von Gewalt das Sacheigentum einer anderen Person aneignet und diese es danach nicht mehr besitzt.

Beim vermeintlichen Raubkopieren wird keine Gewalt gegenüber dem Besitzer eines Gegenstandes ausgeübt. Daher ist es kein Raub gegenüberdem Eigentümer.

Nun könnte es Diebstahl sein.  Der Eigentümer besitzt seinen Gegenstand nach dem Kopiervorgang jedoch weiterhin. Durch das Kopieren wird eine weiterer Version erzeugt.

Dennoch darf nicht übersehen werden, dass ein Schaden durch das Kopieren entsteht. Der Schaden ensteht jedoch nicht bei dem von dessen Version eine Kopie erzeugt wurde, sondern bei dem der die Version veräußert hat.

Es gibt hier einen Unterschied zwischen dem Sachenrecht bei dem es um Gegenstände geht und dem Handelsgegenstand um den es im Urheberrecht geht. Der Kauf einer CD ist nicht primär der Kauf einer materiellen Silberscheibe. Diese ist nur das Transportmittel. In Wirklichkeit wird das Recht zum privaten Abspielen der auf der CD enthaltenen Musik  erworben.

Wer nun eine Kopie der CD erstellt und dabei weder einen Kopierschutz umgeht, noch diese Kopie an andere weitergibt, sondern die Kopie nur als Sicherheitsversion für sich persönlich behält, handelt legal.

Erst wenn ich diese Kopie weitergebe und damit andere zugleich mit mir die Möglichkeit haben, den CD-Inhalt abzuspielen, entsteht ein Schaden. Geschädigt wird der Urheber (manchmal der Musiker, häufig mehr der Texter und Komponist) und der Vertragspartner des Urhebers als Rechteverwerter.

Die Rechteverwerter sind eigentlich Dienstleister der Urheber. Damit die Urheber sich auf das Kreieren von Musik, Texten, Kunst o.ä. konzentrieren können, beauftragen sie andere damit den Vertrieb zu übernehmen. Die Leistung dieser Dienstleister an dem Werk des Urhebers kann sehr unterschiedlich ausfallen.

Im Verlagsbereich habe ich ein wenig Einblick. Es gibt Verlage, die ein Manuskript in Empfang nehmen, es einmal durchlesen, formatieren, drucken lassen und in den Buchhandelskatalog einstellen. Thats it. Andere Verlage konzipieren Bücher und arbeiten intensiv mit den Autoren an Konzept und Inhalt und übernehmen auch Marketingaktivitäten.  Sie sind fast so etwas wie Ko-Autoren.

Es gibt somit mehrere Akteure im gesamten Spiel: Die Urheber, die Servicedienstleister (Rechteverwerter = Verlag) und die Rechteerwerber (Käufer). Wenn nun ein Käufer eine Kopie eines geschützten Werkes erstellt, schädigt er damit … Ja, welcher Schaden entsteht eigentlich wem?

Tatsächlich kommt vom Kaufpreis des Ursprungsprodukts nur ein ganz kleiner Teil beim Urheber an. In manchen Fällen gar keiner. Der Servicedienstleister hat bei der Kopie weder Kosten für die physikalische Kopie, noch für den Vertrieb gehabt. Der wirtschaftliche Schaden einer einzelnen Kopie ist also ein Bruchteil des ursprünglichen Preises.

Diese Betrachtung ist jedoch betriebswirtschaftlich und nicht juristisch. Denn juristisch wird ein fiktiver Schaden ermittelt. Es gibt immer wieder Argumentationen über den volkswirtschaftlichen Schaden durch die Verletzung des Verwertungsrechts. So weit ich diese Berechnungen verstehe, wird davon ausgegangen, dass jede Kopie ohne Erlaubnis, den Kauf eines Nutzungsrechts ersetzt hat. Es wird also die Fiktion geschaffen, hätte man es mir nicht unrechtmässig gegeben, so hätte ich es mir ganz sicher gekauft. Das ist ungefähr so logisch wie die Annahme: Hättest du mir ein Buch nicht zum Geburtstag geschenkt, hätte ich es mir auf jeden Fall selber gekauft. Unsere Alltagserfahrung sagt, dass dem nicht so ist. Zumindest nicht immer.

Kommen wir zurück zum Ausgangspunkt.

Es ist klar, dass es Verletzungen von Urheberrechten gibt. Auch das Verwertungsrecht wird immer wieder umgangen. Jurististisch handelt es sich jedoch nicht um Raub. Es entsteht tatsächlich auch ein Schaden.

Es handelt sich jedoch um einen politischen und wirtschaftlichen Kampfbegriff, dies bewusst falsch als ‘Raubkopie’ zu bezeichnen.

Eigentlich sollte die Diskussion in folgende Richtungen geführt werden:

  • Urheber sollen fair für ihre Leistungen entlohnt werden.
  • Es soll einfach sein, Urhebern  Zahlungen für die Nutzung ihres Werkes zukommen zu lassen.
  • Die Höhe der zu leistenden Zahlungen sollte nachvollziehbar sein.

 

 

 

schulbuchkopie.de

Juni 18th, 2012

In der vergangenen Woche erhielt ich per E-Mail die Information über die Webseite schulbuchkopie.de. Der Verband  Bildungsmedien e.V. und die Kultusministerkonferenz informieren hier über ‘Klare Regeln für die Schulen’ zu Fotokopieren und Server-Speichern in der Schule. Die Startseite verspricht genau zu sagen: ‘was geht, was geht nicht?’

Leider ist genau dies richtig daneben gegangen.

Technisch ganz richtig wird beim Fotokopieren von ‘analogem Kopieren’ gesprochen. Was gilt denn nun wenn ich einen digitalen Kopierer an der Schule habe, was heute die Regel ist?

19. Bei unserem Kopiergerät entstehen beim „normalen“ Fotokopieren aber automatisch digitale Kopien. Was mache ich damit?
Zulässig sind nur analoge Kopien. Die digitale Speicherung und ein digitales Verteilen von Kopien (z.B. per E-Mail) ist schon von Gesetzes wegen nicht gestattet und wird von der neuen Vereinbarung nicht erfasst. Die ggf. beim Kopieren entstehenden Digitalisate dürfen nicht weiter genutzt und müssen gelöscht werden.

 

Heißt dies nun, dass ich mit einem digitalen Kopierer Papierkopien erzeugen darf? Ist dies so zu verstehen, dass ich nur die auf der Festplatte des Fotokopierers gespeicherte Datei  nicht nutzen darf (per E-Mail versenden oder aufbewahren) und sie löschen muß? Entweder sind die Verfasser sich selber nicht so sicher, oder sie wollten es etwas verquast ausdrücken.

Ich vermute, dass Sie folgende Aussage treffen wollten:

Es ist zulässig auf einem Fotokopierer Papierausdrucke zu erstellen. Es ist nicht zulässig evtl. dabei entstehende Abspeicherungen auf Festplatte oder Datenträger (z.B. USB-Stick) aufzubewahren oder per E-Mail weiter zu leiten.

Aber diese Aussage ist nun reine Spekulation und nicht rechtlich abgesichert.

Und noch ein Beispiel:

8. Darf ich ein Bild aus einem Schulbuch einscannen, in ein eigenes Arbeitsblatt integrieren und dieses dann kopieren?
Nein. Durch das Einscannen entsteht eine digitale Kopie. Eine solche Kopie aus Unterrichtswerken ist nicht zulässig.

So weit, so klar. Dann heißt es aber weiter:

Das Abspeichern auf dem Schulserver. Häufig wollen Lehrkräfte Materialien auch auf dem Schulserver ablegen und im Unterricht über PC hierauf zugreifen. Auch hierfür gibt es einfache Regeln.

Wie lauten die Regeln?

Auf dem Schulserver dürfen abgespeichert werden:

  1. ohne Einwilligung des Verlages niemals Schulbücher und Unterrichtsmaterialien (weder eingescannte Materialien noch Bildungs- oder Lernsoftware) oder Teile davon; […]

Vollständig abgespeichert werden dürfen danach:

  1. […];
  2. alle Bilder, Fotos und sonstigen Abbildungen.

Alles klar? Nee. Finde ich auch. Zunächst ist es sprachlich schlechter Stil, eine Aufzählung über die Speicherzulässigkeit mit einem Verbot zu beginnen. Mein Deutschlehrer fände das gar nicht gut verständlich und würde es mir ankreiden. Warum darf ich alle Bilder, Fotos und sonstigen Abbildungen ‘vollständig abspeichern’, ein Bild aus einem Schulbuch aber nicht. Das ist sprachlich unsauber.

Etwas Sprachnachhilfe gefällig? Richtig müsste es lauten: “Sofern sie nicht aus Schulbüchern oder geschützten Unterrichtsmaterialien stammen dürfen folgende Inhalte vollständig abgespeichert werden…”

Ärgerlich finde ich an der Darstellung, dass nicht wirklich klargestellt wird, dass es verschiedene Arten von Quellen gibt und wie diese zu unterscheiden sind.  ‘Schulbücher und Unterrichtsmaterialien’ werden erst einmal unisono behandelt. Für Schulbücher ist die Situation m.E. klar. Unterrichtsmaterialien können jedoch aus unterschiedlichen Quellen stammen und explizit freigegeben worden sein. Wenn ein Lehrer Unterrichtsmaterial selber erstellt und diese anderen zur Verfügung stellt, entscheidet er über die Rechte anderer zur Vervielfältigung und Nutzung. Immer mehr Unterrichtsmaterialien werden unter einer freien Creative Commons-Lizenz publiziert und werden dadurch weiter nutzbar. Sie dürfen auch digitalisiert werden. Dies wird verschwiegen.

Irritiert hat mich der Hinweis, man dürfe aus einem amerikanischem Geschichtsbuch 12% (bis max. 20 Seiten) kopieren. Dies würde bedeuten, die amerikanischen Urheberrechtsregeln und die dort gültige ‘fair use’-Regelung würden durch deutsches Urheberrecht ausgehebelt.  Kann hier mal jemand aufklären?

Verschwiegen wird auch, dass die 12% Regelung inzwischen zumindest von einem Gericht in Stuttgart als nicht existent gesehen wird. Hier hat man geurteilt, dass höchstens drei Seiten ausdruckbar sein dürfen. Ok. Es wäre jetzt auch zu kompliziert gewesen zu erklären, ob und wenn ja wie man das technisch umsetzen kann. Aber gegen das Urteil ist mittlerweile ja auch eine Revision anhängig und ein abschließendes Urteil wird dieses Jahr nicht mehr erwartet.

Was fehlt sonst noch? Ach ja. Die Seite basiert auf den Regelungen des § 52 des Urheberrechts. Dieser ist nur bis zum 31. Dezember 2012 gültig. Was danach kommt? Das ist noch völlig unklar. Erst einmal entfällt das sog. Bildungsprivileg ersatzlos. Dann sind auch die Kopierrechte nicht automatisch weiter gegeben. Hilfreich wäre auch klarzustellen, für welche Schulen und welche Lehrer die Regelungen gelten.  Offen ist z.B. die Frage, ob es für kirchliche Ersatzschulen und private oder privatwirtschaftliche Schulen  und  für nachzuholende Schulabschlüsse an Volkshochschulen gilt etc.

Eines ist jeden falls zweifelhaft:  Lehrerinnen und Lehrer erhalten nicht wie versprochen Rechtssicherheit.

Ganz sicher bin ich mir jedoch an andere Stelle. Das Impressum der Seite ist rechtswidrig. Es enthält weder die Nennung eines Verantwortlichen für die Seite noch dessen eindeutige Erreichbarkeit per Telefonnummer- und E-Mail.

Nun das lässt sich sicher leicht nachbessern.

Verändern freie Bildungsressourcen die Bildungsangebote mittelfristig?

November 21st, 2011

Ein Themenschwerpunkt des BielefelderEducamps vom 19.-20. November 2011 war die Diskussion um Open Educational Ressources (OER). International wird seit längerem über die Bereitstellung freier Materialien für den Einsatz als Lernstoff  diskutiert. Und längst wird nicht mehr nur diskutiert. Inzwischen gibt es große Bildungseinrichtungen (z.B. MIT, Open University oder die private Initiative Khan University (mit Unterstützung der Gates Stiftung), die frei verfügbar Lernpläne und Lernmedien zur Verfügung stellen. Auch Wikipedia hat im Bereich Wikibook entsprechende Ansätze geschaffen.

Vor Jahren war es noch aufwendig zu einem Lernthema zielgruppengerecht aufbereitetes Material zu finden. Heute gibt es dieses Material zu nahezu jedem Thema zuhauf und es ist die größte Herausforderung, die Spreu vom Weizen zu trennen und damit nicht allzuviel Zeit zu verlieren.

Im Rahmen des Educamps habe ich nun verschiedene Diskussionsstränge wahrgenommen:

  • die Auffindbarkeit frei verfügbaren Materials soll verbessert werden
  • das Wissen über Veröffentlichungs- und Weiternutzungsmöglichkeiten muss verbessert werden, um Urheberrechtsprobleme zu vermeiden
  • wenn Inhalte verfügbar sind, ist es nicht mehr die Aufgabe des Lehrenden Inhalte zu vermitteln. Die neue Aufgabe einer Lernbegleitung muß verstärkt ins Bewusstsein gehoben werden
  • die Leistung eines Bildungsanbieters /-verkäufers ist neu zu definieren,wenn er nicht mehr für Inhaltsbeschaffung und -aufbereitung bezahlt wird, da dies ein frei verfügbares Gut ist.

Interessant war, dass dies nicht Forderungen an irgendwen waren, sondern die Teilnehmer selber in die Hand nehmen wollen.

Urheberrecht: Eskalation der Debatte

November 6th, 2011

Das Urheberrecht im Zusammenhang mit Bildung war hier schon öfter Thema. Derzeit ergeben sich ein paar neue Aspekte und der Diskussionston verändert sich.

Aber von Anfang an:

  • Wenn jemand ein Werk schafft (z.B. diese Artikel), dann ist er Urheber des Werkes.  Das Werk des Urhebers ist automatisch geschützt. Häufig (meist) beauftragt der Autor einen Verlag mit der Verbreitung und überträgt dazu das Verwertungsrecht an den Verlag. Der Verlag verkauft die Zeitschrift mit dem Artikel oder das Buch.
  • Wenn nun jemand, dieses Werk vervielfältigen möchte, wendet er sich an den Verlag, stimmt die Nutzung ab und zahlt eine Gebühr. Dies alles ist im Urhebergesetz geregelt. Jede nicht autorisierte Vervielfältigung ist ein Verstoss gegen das Urheberrechtsgesetz.
  • Es gibt jedoch Ausnahmen:

    • zu einen ist der urheberrechtliche Schutz zeitlich begrenzt. 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers erlischt der Schutz. das Werk wird gemeinfrei und jeder darf es unentgeltlich vervielfältigen. Beispiel: Tucholsky ist 1935 gestorben. 2005 erlosch der Schutz für seine Werke, Brecht starb 1956. Seine Werke sind bis 2026 geschützt. Die Erben werden nach dem Tod zu Rechteinhabern. Bei Tonträgern gelten 50 Jahre als Schutzgrenze.
    • Man darf aus Werken zitieren. Zitate sind in der Regel einzelne Sätze oder Absätze, nie jedoch das gesamte Werk. Zitate sind entgelt- und genehmigungsfrei.
    • Schulen, Hochschulen, nichtgewerblichen Einrichtungen der Aus- und Weiterbildung dürfen aus urheberrechtlich geschützten Werken kleine Teile zurVeranschaulichung im Unterricht vervielfältigen (§ 52a UrhG).

      • Keine Ausnahme ohne Ausnahme. Dieses Nutzungsrecht gilt nicht für Werke, die  zum Unterrichtsgebrauch an Schulen erstellt wurden (z.B. Schulbücher).
    • Kopien zu persönlichen Zwecken sind zulässig (§ 53 UrhG). Dazu ist jedoch ein rechtmässig erstelltes  Exemplar zu verwenden und die Nutzung darf nicht gewerblich erfolgen. Eine Weitergabe der persönlichen Kopie ist nicht erlaubt.
  • Digitalisierungen (einscannen) ist bei urheberrechtlich geschützten Werken nicht zulässig. § 44a erlaubt vorübergehende Vervielfältigungshandlungen. Darunter ist z.B. zu verstehen, dass heutige Fotokopierer Scanner sind, die den zu kopierenden Inhalt digitalisieren, auf einer Festplatte ablegen und dann ausdrucken. Dieser Vorgang wird ausdrücklich als Teil einer rechtmässigen Nutzung ohne eigene wirtschaftliche Bedeutung verstanden sofern die anderen Voraussetzungen gegeben sind.
  • Urheber haben ein Recht auf Vergütung bei der Vervielfältigung/Nutzung des Werkes. Dies kann einzelvertraglich geregelt oder pauschal abgegolten werden. Am bekanntesten ist hier die Urheberrechtsabgabe auf Kopierer/Drucker/Festplatte (Speichermedien).  § 54c regelt nun zusätzlich dass Bildungseinrichtungen als Betreiber von Ablichtungsgeräten gelten und Urheber einen Vergütungsanspruch gegenüber diesen Bildungseinrichtungen haben. Die Vergütungsansprüche können nur durch Verwertungsgesellschaften (VG Wort, VG Bildkunst, VG Musikedition) geltend gemacht werden. Die Verlage sind dazu nicht direkt berechtigt.
  • Die Höhe der Vergütung hängt von Art und Umfang der Nutzung ab. Urheber haben ein Recht, die Betriebs- und Geschäftsräume zu betreten, um vor Ort den Umfang der Nutzug zu ermitteln um die Höhe der Vergütung zu ermitteln.

Um die aktuelle Diskussion zu verstehen ist es wichtig zu wissen, dass die Ausnahmeregelung des § 52a zur Nutzung von Teilen von Werken in bestimmten Bildungseinrichtungen zeitlich befristet ist und ab jetzt neu verhandelt wird.

In diesem Jahr gab es nun zwei Gerichtsurteile. Es ging einerseits um den Umfang des Vervielfältigungsrechts. Der Begriff “kleine Teile eines Werkes” ist dabei mit 10% bestätigt worden. Der klagende Verlag möchte dies auf drei Seiten begrenzt wissen und geht ggfs. in Revision. Von Verlagsseite gab es nun auch Forderungen bei der Neuverhandlung des Urheberrechts die Sonderklausel für Bildungseinrichtungen gänzlich zu streichen, da nur dadurch die Herausgabe aktueller qualitativer Werke gesichert werden könne.

Zur Regelung der Vergütung im Bildungsbereich gibt es zwei Verträge.

  1. Pauschalvergütung für die Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke an Bildungseinrichtungen. Die Kultusministerkonferenz hat diesen Vertrag 2007 mit den Verwertungsgesellschaften geschlossen. Er deckt jedoch nicht  eine Nutzung von Werken, die für Unterrichtszwecke erstellt wurden ab. (Quelle: http://www.kmk.org/no_cache/presse-und-aktuelles/pm2007/rechtssicherheit-fuer-schulen.html?sword_list%5B0%5D=urheberrecht)
  2. 2008 wurde im Urheberrecht die Regelung eingeführt, dass Werke zu Unterrichtsgebrauch separat geschützt sind und eine Nutzung immer eine Rechteeinholung erfordert. In einem Vertrag zwischen der Kultusministerkonferenz, den Verwertungsgesellschaften und dem Verband der Schulbuchverlage (VdS) wurde auch hierfür eine Regelung geschaffen und eine Pauschalvergütung vereinbart. (Quelle: http://www.kmk.org/no_cache/presse-und-aktuelles/meldung/fotokopieren-an-schulen-neu-geregelt.html?cHash=e441c50f1c&sword_list%5B0%5D=urheberrecht). Dieser Vertrag wurde 2010 verlängert. Vertrag und FAQ des VdS.

Bei dem Thema Vergütung gibt es u.a. einen ganz schwierigen Teil: die Ermittlung des Umfangs der Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke und die Ermittlung einer angemessenen Entschädigung. Da man bei der Erstellung einer Fotokpie nicht in eine Liste die Nutzung des Werkes einträgt und diese meldet ist man auf Schätzungen angewiesen. Naturgemäß entbehren diese Schätzungen zunächst einmal der Validierung.

Der Vertrag von 2010 enthält nun auch eine Festlegung zur Stichprobenprüfung des Umfangs der Nutzung. Dazu soll bei einem Prozent der Bildungseinrichtungen eine Software installiert werden, die die abgespeicherten Inhalte mit einer Datenbank der Schulbuchverlage abgleicht. Die Ergebnisse dieses Abgleichs werden den Schulträgern gemeldet werden. Die Bundesländer werden verpflichtet, weitere Verfahren festzulegen. Der Vertrag schließt aus, dass konkrete Daten an Verlage weitergeleitet werden.

Diese Stichprobenprüfung kann man als Ausgestaltung der Auskunftspflicht (§ 54f UrhG) und des Kontrollbesuchs (§ 54g UrhG) interpretieren. Sie ist damit gesetzlich legitimiert. Das Gesetz regelt ebenfalls, dass ausschließlich die Verwertungsgesellschaften  (§54h UrhG) zur Geltendmachung von Ansprüchen berechtigt sind. Weder die Urheber (Autoren) noch die Inhaber der Verwertungsrechte (Verlage) können dies tun.

Die Softwarelösung ist nun mit den Begriffen ‘Schultrojaner’ und ‘Schnüffelsoftware’ in die öffentliche Diskussion gebracht worden.  (Ausgangspunkt war ein Beitrag bei Netzpolitik.org. )

Ich hoffe hiermit die Gesamtzusammenhänge einigermassen verständlich dargestellt zu haben. Falls Fehler drin sind, bitte anmerken. Ich bin kein Jurist.

Nun zu meinen persönlichen Einschätzungen:

  • Es sollte von Seiten der Lehrenden klar anerkannt werden, dass Urheber und Verlage eine Leistung erbringen, die nicht durch kopieren ‘geklaut’ werden dürfen.
  • Der Tatbestand des Kopierens von Unterrichtsmedien in Schulen ist so alt wie Fotokopierer das schnelle Erstellen von Klassensätzen ermöglichen, also etwa seit Mitte der 7oer Jahre. Seit einigen Jahren gibt es Pauschalvergütungen für diese Nutzung. Dies erfolgte zunächst über die Urheberrechtsabgabe bei den Kopierern und Festplatten, dann über die Verträge mit der Kultusministerkonferenz. Die Verlage werden also nicht (mehr) ‘beraubt’.
  • Die Ausstattung der Bildungsträger mit Mitteln zur Beschaffung von Unterrichtsmedien ist gelinge gesagt mangelhaft. Eine Ausweitung der Budgets scheint angesichts der öffentlichen Haushalte jedoch wenig aussichtsreich.
  • Es gibt eine weltweite Diskussion über die Erstellung, Verbreitung und Nutzung von frei verfügbaren Bildungsressourcen (OER = Open Educational Ressources). Diese ist ernstzunehmen und sollte gezielt gefördert werden. Diese Medien werden von Lehrenden selber erstellt und unter einer freien Lizenz meist über das Internet anderen zur Verfügung gestellt. Auch der Austausch selbst erstellter Unterrichtskonzepte/medien in einer Schule in der Lehrerbibliothek oder über das Intranet verteilten gehörten dazu. Die Verbreitungsmöglichkeit über das Intranet macht es extrem leicht, dieses Material mit anderen zu teilen. Schwierig ist bislang jedoch der Such-, Finde-  und Auswahlprozess für solche Medien.
  • Aus meiner Sicht haben sowohl meist von Lehrenden erstellten und die von Verlagen produzierten Medien ihre Existenzberechtigung. Die von Lehrern erstellten Medien sind manchmal authentischer, häufig jedoch nur einzelen Teile von Curricula abdeckend. Die von Verlagen bereitgestellten Medien decken häufig komplette Ausbildungsjahre vollständig ab und zeichnen sich oft durch konsistente didaktische Modelle  durch aufwendige visuelle Umsetzungen aus.  Zudem verwenden sie urheberrechtlich geschütztes Material und haben die Dienstleistung der Rechteeinholung übernommen.
  • Der Versuch Lehrer in die Rechtsbrecher’ecke’ zu stellen oder den Druck durch Kontrolle zu erhöhen wird nicht zu mehr Rechtsbewusstsein führen. Statt dessen wird er die Bestrebungen zum Verzicht oder zur selteneren Nutzung von Schulbüchern und hin zu freien Bildunsgressourcen als Gegenbewegung stärken.
  • Die Verlage haben in den letzten Jahren mit dem Vertrag eine zusätzliche Einnahmequelle erschlossen. Bei einem Schulbuchumsatz von 350 Millionen € (2007) sind die 7-9 Millionen aus dem Vertrag zwar eine ernstzunehmende Größe jedoch nicht entscheidend. Ob durch Ermittlung des Umfangs der Vervielfältigung eine Erhöhung der Zahlungen durchzusetzen sind halte ich für zweifelhaft. Vielleicht geht es mehr um die Ermittlung eines Verteilungsschlüssel zwischen den Verlagen.
  • Die Debatte lässt einen Punkt vollständig aus. Die zunehmende Nutzung von Lernplattformen macht digitale Medien erforderlich. Die Digitalisierung von Unterrichtsmedien ist jedoch durch die Verträge und Vereinbarungen nicht abgedeckt und damit weiterhin nicht zulässig. Wenn hier keine Regelung getroffen wird, die eine Nutzung ermöglicht, bleibt nur der Ausweg, Medien selber zu produzieren und als Open Educational Ressource zu veröffentlichen.

Das Thema wird uns weiter beschäftigen. Die Zuspitzung der Diskussion wird jedoch die Chancen für OER und Tauschplattformen von digitalen Inhalten intensivieren und hierfür den Markt bereiten. Wir erörtern dieses Thema an verschiedenen Stellen schon seit Jahren.  Es ist nun an der Zeit, praktisch zur Tat zu schreiten.

Moodle bietet hierfür fantastische Optionen. Jedes Moodle-System kann an (de-)zentrale Contentpools aus anderenMoodle-Systemen angeschlossen werden. Damit wird die Bereitstellung und der Zugriff auf Kurse anderer Ersteller leicht.

Online-Lesezeichen im Kurs veröffentlichen: Diigo

September 20th, 2010

Es gibt seit langer Zeit Bookmark-Dienste (Lesezeichen). Am bekanntesten sind vermutlich delicious oder Mr. Wong. Mein Liebling ist jedoch seit langem Diigo. Er lässt sich leicht in der Browser integrieren und bietet verschiedene Optionen wie:

  • Bookmark erfassen, mit Schlagwörtern versehen und kommentieren
  • ‘Später lesen’-Liste
  • Hervorheben. Bei einem späteren Besuch der Seite wird dies als markierter Text angezeigt.
  • In den eigenen Blog posten
  • Screenshot. Fläche auf Webseite markieren, Screenshot erstellen lassen und in Bookmarkliste einfügen.
  • Bookmarkliste veröffentlichen.

Gerade die letzte Funktion lässt sich ganz gut mit Moodle verwenden. Wenn ich als Lehrender meine Webseitenlinks als Lesezeichen in Diigo speichere und mit Schlagworten versehe, kann ich danach mit der Linkroll-Funktion diese veröffentlichen. Es wird ein kleines CodeStückchen erzeugt und dieses kann im HTML-Modus im Moodle Texteditor auf der Kursseite, einer Webseite, einem Forenbeitrag oder einem Blog hinterlegt werden.

Moodle 2 - das Dateisystem

September 14th, 2010
Moodle 2 steht vor der Tür und eine der zentralen Veränderungen liegt in der Verwaltung von Dateien. Die wichtigste Begrenzung bei der Dateiverwaltung in Moodle war die Verknüpfung von Dateien mit Kursen. Dies führte immer wieder zum  Kopieren von Dateien, die mehrfach benötigt wurden.

In Moodle 2 wird das Konzept grundlegend geändert:
  • Dateien gehören zu Nutzern und können von diesen in Verzeichnissen abgelegt und an jedem Ort wieder genutzt werden.
  • Dateien, die mehrere Nutzer verwenden sollen, werden in Repositories (Archiven) hinterlegt. Hier bietet Moodle Schnitstellen zu sehr vielen existierenden Repositories an.

Eine recht übersichtliche Darstellung  birgt diese englische Präsentation.


Das neue Dateisystem führt derzeit schon zu engagierten Debatten. Zuletzt auch auf der MoodleMoot in Hamburg.
Eine Dateiverwaltung in einer Lernplattform ist ein sehr sensibler Teil der Konzeption. Sie soll die Dateien zugänglich machen, gleichzeitig aber sicherstellen, dass nur berechtigte Personen Zugriff haben. Dateien sollen persönlich geschützt bleiben, aber auch kooperativ von mehreren genutzt werden können.