Der Zugang zum Internet muss sicher sein. Wirklich?

Wenn Schulen und Bildungseinrichtungen ihren Lernenden Zugang zum Internet geben, wird darauf geachtet, dass nichts passieren kann. Funktionen werden deaktiviert. Der Aufruf bestimmter Seiten wird unterbunden, da sich darauf Gefährliches befinden kann.

In England sind die Provider mittlerweile verpflichtet, Schutzfilter zu installieren, um den Zugang zu Internetseiten mit problematischem Inhalt zu verhindern. Inzwischen wurde bekannt, dass dabei auch tausende von Seiten mit erwünschten Inhalten gesperrt wurden. Ursache war häufig die Sperre der IP-Adresse. Dabei hatte man übersehen, dass häufig mehrere Webseiten die gleiche IP-Adresse verwenden.

Ist der Sicherheitsaktivismus nun notwendig oder Hysterie?

Ich habe gerade Wolfgang Heckls Buch ‘Die Kultur der Reparatur’ gelesen.  An einer Stelle beklagt er, dass die handwerklichen Fächer (Handwerken und Hausarbeit) mittlerweile von den Lehrplänen gestrichen sind. An Ihre Stelle sei Medienerziehung getreten. Er findet - im Übrigen - Medienerziehung wichtig, beklagt dennoch den Wegfall der handwerklichen Bildung.’ Ausserdem seien Computer ja weniger gefährlich als Werkbänke.’

Er erzählt dann eine Situation aus seiner Schulzeit aus dem Werkunterricht. Aufgabe war es, eine Holzgravur zu erstellen. Er hat dabei erstmals in der 4. Klasse mit einem Stechbeitel gearbeitet. Bei der Arbeit hat er sich an der Hand verletzt, die blutende Hand mit einem Taschentuch versorgt und das Maleur wohl vor Lehrer und anderen verborgen.

Betrachtet man dies vor dem Hintergrund heutigen Sicherheitsdenken, hätte hier dringend eingegriffen werden müssen. Scharfe Messer, Beitel, Hammer, Sägen müssten zum Schutz der Kinder entweder entschärft, ‘gestumpft’ oder durch weiche Alternativmaterialien ersetzt werden (Gummi statt Stahl).  Sägen müssten ganz aus dem Unterricht entfernt werden, da stumpfe Sägen noch viel gefährlicher sind.

Aus heutiger Sicht ist Handwerksunterricht ein einziges Gefahrenpozenzial, dass es zu entschärfen gilt. Vor 50 Jahren hat niemand solche Bedenken geäussert. Es gab Lebensrisiken, die so allgemeiner Natur waren, dass man damit leben musste.  Das galt auch für die Schule.

Man könnte den Gedanken jetzt noch in den Kochunterricht fortführen. Heiße Herdplatten, kochendes Wasseer, spritzendes Fett,  scharfe Messer. Man darf gar nicht weiterdenken, was da alles passieren kann.

Wenn ich nun zum Internetzugang zurückkomme, stellt sich die Frage, ob nicht manches unangemessenes Sicherheitsdenken ist?

  • Hubertus Thomasius
    Kommentar von: Hubertus Thomasius
    11.01.14 @ 22:38:57

    Hallo,
    meine Werklehrer (ca. 1960) beherrschten ihre Werkzeuge. Die Lehrerkollegen (Mathe, Deutsch usw.) hatten volles Vertrauen in die Sachkunde (heute Know-how) des Werkkundelehrer.
    Ich selbst habe solchen Unterricht als Kind erlebt und bin so froh, dass ich es gelernt habe mit den Gefahren umzugehen. Ich kann und setze auch heute noch Stechbeitel ein :-)
    Durch den Umgang habe ich die Gefahren kennen gelernt - Wissen darum und die Fertigkeit damit umzugehen.
    Ich danke heute meinen Lehrern, die mir das Leben (Gefahr und der Umgang mit den Werkzeugen) gezeigt haben.
    Sachkunde und vertrauensvoller Umgang mit den Werkzeugen (Beitel oder Browser) bei den Lehrern , den Kindern, Jugendlichen und erwachsenen Lernern sollte man den Menschen schon zutrauen. Moderne Pädagogik sieht anders aus als paranoide Zugangssperren.

    Meist scheint das nicht an den Lehrern zu liegen. Die Umgebungsbedingungen (Gesetze, übertriebenes Fürsorgeverhalten bei Eltern und Schule, Administration u.a.) machen es schlimm.

    Beste Grüße Hubertus Thomasius

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