Deutscher Bundestag nutzt Moodle

Link: http://www.mitmischen.de/lernplattform/

Im Projekt Mitmischen zur Bundespräsidenten und Bundestagswahl wird Moodle eingesetzt.

E-Learning Industrie verschläft innovative Ansätze in der Pädagogik

Link: http://www.weiterbildungsblog.de/2009/05/26/die-e-learning-industrie-hinkt-den-potenzialen-innovativer-padagogik-deutlich-hinterher/

Erst in allerjüngster Zeit, gestützt auf Social Software, Community-Erfahrungen im Web und auf Open Source-Plattformen wie Moodle, machen sich Industrie und Anwender Gedanken über ein stärkeres Miteinander von Bildungsmanagement (top down) und Lernerfahrungen (bottom up).

Mehr im Beitrag von Jochen Robes und der Quelle auf die er sich bezieht.

Moodle Bewertungsbereich

Der Moodle-Bewertungsbereich ist für viele ein Buch mit mehreren Siegeln.

Es gibt in Moodle kaum einen Bereich, der derart leistungsfähig ist wie die Bewertungsübersicht. In Kürze wird mit der Version 1.9.5. eine grafische Überarbeitung und eine deutliche Verbesserung bei der Handhabung erreicht werden.

Dies ist ein guter Zeitpunkt, um eine kleine Handreichung zu erstellen, die die Funktionen darstellt und die Bedienung erläutert.

Ich suche daher eine kleine Gruppe 3-4 Leute, die Interesse haben, hier tiefer einzusteigen.
Am Ende soll eine kleine Broschüre stehen, die das Konzept, die Begriffe und an Hand von Beispielen den Einsatz verdeutlicht.
Auf dem Weg dahin können wir vermutlich die Übersetzung ein wenig optimieren.

Wer Interesse hat, dies bis September 09 zu tun, möge isch bitte bei mir melden.

Über das Richtigkeitsproblem bei Wikis im Unterricht

Es ist schon einige Zeit her, als eine Lehrerin mich zum Nachdenken brachte mit der Frage, wie sie denn gewährleisten könnte, dass in einem von Schülern erstellten Wiki alle Informationen immer richtig seien.

Nach kurzem Nachdenken kam ich zur Einschätzung, dass die Grundeinstellung dahinter erst zu dem Problem führt und man anders zu guten Lösungen kommen kann.

Man kann im Schülerwiki genauso wenig sicherstellen, dass alle Texte immer richtig sind wie man auch nicht sicher stellen können, das alle Lehrertexte immer richtig von der Tafel abgeschrieben werden oder alle Hausaufgaben immer richtig gemacht werden.

Wie kann man nun eine gute Lösung finden? Zentral ist die Festlegung des Lernziels: Am Ende haben wir ein Ergebnis mit richtigen Inhalten. Vom Beginn bis zum Ende findet ein mehrstufiger Prozess statt.

1. sammeln
2. strukturieren, gliedern
3. aufbereiten
4. verifizieren = Richtigkeit inhaltlich prüfen
5. Formulierung, Sprachstil optimieren
6. Rechtschreibung optimieren.

Die Stufen 1-3 können gut in Gruppen erarbeitet werden. Stufe vier kann eine gruppenübergreifende Arbeit sein. Stufe 5 und 6 sind optionale Schritte je nach Lernziel.

Stufe 4 enthält zugleich verschiedene Metalernziele, Inhalte im Web kritisch zu hinterfragen, ein Peerfeedback so zu geben, dass die anderen es annehmen können und unterschiedliche Sichten zu diskutieren.

Entscheidend für das Gelingen des Prozesses ist die Klarheit beim Lehrenden, welche Ziele in Vordergrund stehen und wie die eigene Rolle verstanden wird.
Selbst wenn sich einem die Fußnägel kringeln und der Rotstift heftig zuckt, um Rechtschreibfehler anzustreichen, ist dies in den Phasen 1-4 eher störend, da die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema behindert wird.

Zehn Stufen des E-Learnings (2)

Link: http://dialoge.info/b2/index.php/2009/04/11/zehn-stufen-des-e-learnings

Mit zehn Stufen des E-Learnings beschreibt Martin Dougiamas Phasen der Nutzung von Moodle durch Trainer. Beginnend mit der Bereitstellung von Content (Dateien und SCORM-Lernpakete) und endend mit dem Teilen von Ideen und der kooperativen Arbeit.

Wie sieht es in der Praxis aus?
Wie viele Trainer nutzen Moodle auf welcher Stufe?

Martins Einschätzung ist ernüchternd. Er sagt 90 % der Trainer nutzen die ersten drei Stufen: Content bereit stellen, passive Foren sowie Aufgaben und Tests.

Warum ist das so?
Zum einen finden Lernplattformen ihren Einsatz häufig in Blended-Situationen. Daher übernimmt die Lernplattform nur einen Teil der Lehr-/Lernsituation als Instrument. Andere Teile werden in der Präsenzsituation umgesetzt. Andererseits ist dies ein Spiegel der Lehrrealität. Immer wieder kann man feststellen, dass der Frontalunterricht noch immer in Schule und Hochschule sehr verbreitet ist.

Andererseits steht der Einsatz von Lernplattformen unter der Kritik der Web 2.0 Apologeten, die die offenen kooperativen Lernsituationen im Web favorisieren. Gerade hier ist aber noch mehr Loslassen des Lehrers von seiner klassischen Rolle gefordert. Ist Web 2.0 Lernen vielleicht eher technikgetrieben als realistisch? Immer wieder ist die Rede von den Digital Natives, die aufgrund der alltäglichen Gegenwart des Web wie selbstverständlich mit StudiVZ, ICQ und anderen Medien online arbeiten und daher genau das auch vom Unterricht erwarten.

Ich bin da bekanntermaßen skeptisch. Einerseits glaube ich nicht, dass der Net-Generation, so es sie denn gibt, wirklich in der Breite so autonom und konstruktiv mit Webmedien arbeitet. Andererseits würde die Nutzung der ‘Jugend’-Medien für Lehrzwecke z. T. lächerlich wirken (wie frühere Versuche Unterrichtsinhalte in Action-Comics zu integrieren).

Wann kommt Moodle 2.0?

Die Frage wird immer häufiger gestellt. Martin Dougiamas hat in den letzten Wochen hierzu mitgeteilt, dass es wohl erst zum Jahresende der Fall sein werde. Unklar bleibt dabei bisher, ob dies der Zeitpunkt für eine gute Beta-Version oder eine erste stabile Version sein wird.

In den letzen Wochen haben sich bei der Planung der Funktionen der neuen Version noch sehr viele Veränderungen ergeben. Diese sind noch nicht alle in der Roadmap integriert. Eine Roadmap bezeichnet üblicherweise ein Dokument mit den Planungen der Softwareentwickler.

Die Version 2.0 hat sehr viele Änderungen im gesamten Programmkern. Daher ist hier mit einer sehr umfassenden und intensiven Testphase zu rechnen.

Erfreulicherweise gibt es nun einen Entwickler für das Workshop-Modul. Damit besteht gute Aussicht mit einer neuen Version weiter Funktionen wie Selbstbewertung und Peer-Bewertung nutzen zu können.

In den letzten Wochen sind zudem intensive Diskussionen über Designfragen geführt worden. Es sieht aktuell so aus, als würde ein Templatemodell eingeführt mit dem eine wesentlich flexiblere Gestaltung aller Elemente möglich wird.

Einige Funktionen, die in der Entwicklung weit vorangeschritten sind:
- Conditional Activities -> Lernpfade
- Markierung von Inhalten als bearbeitet
- Optimierung des Bewertungsbereichs (vermutlich schon in 1.9.5)
- Systemweite Gruppen
- neue Dateiverwaltung
- neuer Editor
- vereinfachte Videointegration
- Integration externer Dateiablagen (Repositories), z.B. direkter Zugriff auf Flickr-Bilder oder Google-Docs-Dateien
- Anbindung an Mahara, um Kursinhalte ins eigene Portfolio zu übertragen

Dokumentation zur Moodlemoot 2009 in Bamberg vollständig

Link: http://moodlemoot.moodle.de/course/view.php?id=26

Wenn Sie es nicht geschafft haben, die Konferenz selber zu besuchen, können Sie zumindest den Großteil der Inhalte nun Online nachvollziehen.

Nahezu alle Vorträge wurden aufgezeichnet und stehen als Screencast zur Verfügung. Wer die insgesamt über 4.5 GB Material lieber auf DVD beziehen möchte kann auch dies in Kürze bei uns tun. Wir werden hier bekannt geben wenn die DVD vorliegt, was sie kostet und wo sie zu bestellen ist.

Zehn Stufen des E-Learnings

In den letzten Keynotes hat Martin Dougiamas immer wieder zehn Phasen bei der Nutzung von E-Learning vorgestellt, die ich hier mal mit 10 Stufen übersetzen möchte:

  1. Content veröffentlichen (Arbeitsmaterialien, SCORM-Lernpakete
  2. Ein passives Forum betrieben (meint: ein Forum ist vorhanden und steht den Teilnehmern zur Nutzung zur Verfügung)
  3. Tests und Aufgaben
  4. Wikis, Glossare und Datenbanken kommen zum Einsatz (besserer Content)
  5. Ernsthafte aktive Nutzung des Forums (meint: aktives Fragen stellen und aktive Moderation)
  6. Aktivitäten werden zu Sequenzen, die sich aufeinander beziehen, kombiniert
  7. Die Funktionen der Lernaktivitäten werden intensiver reflektiert und auch zunächst verborgene Funktionen werden genutzt (z. B. Frage-und-Antwort-Forentyp oder von Nutzrn erstellte Glossare
  8. Das Umfragemodul wird genutzt, um den Lernprozess zu erheben und zu reflektieren
  9. Peer-Feedback (z. B. aus dem Workshop-Modul) wird angewandt
  10. Der Austausch von Ideen, aktive Inhaltserarbeitung und Selbststudien werden zum Unterrichtsgegenstand

Neun Grundsätze für ausgezeichnetes E-Learning

Link: http://www.cjlt.ca/index.php/cjlt/article/view/179/177

Im Canadian Journal of Learning and Technology bin ich auf einen sehr anregenden Aufsatz von Jim Henry und Jeff Meadows gestossen. Sie befassen sich mit der Frage, was hervorrangendes E-Learning auszeichnet und verdichten dies auf neun Punkte.

  1. Die Online-Welt ist ein völlig eigenes Medium
  2. Content in der Online Welt ist ein Verb.
  3. Technik ist ein Hilfsmittel, nicht das Ziel
  4. Großartige Online-Kurse werden durch das Lehren, nicht die Technik bestimmt
  5. Das Gespür für Communities und Präsenz sind entscheidend
  6. Exzellenz benötigt mehrere Kompetenzfelder
  7. Eine tolle Oberfläche rettet keinen schlechten Kurs, aber: eine grausame Oberfläche behindert einen vielleicht guten Kurs
  8. Exzellenz entsteht aus permanenter Prüfung und Verbesserung
  9. Kleine Extras wirken sich manchmal langfristig sehr positiv aus

Der Beitrag will nicht völlig neue Erkenntnisse in die Welt setzen, fasst aber m. E. sehr gut zusammen. Ich fasse den Beitrag auf den folgenden Seiten nochmals zusammen. Die Online-Welt ist ein völlig eigenes Medium Es ist nicht zielführend in Online-Umgebungen die Präsenzmaterialien einfach noch einmal auszubreiten. Die Online-Situation funktioniert anders. Dazu zwei Beispiele:

  1. Powerpoint-Folien sind dafür konstruiert zusammen mit einem persönlich Vortragenden wahrgenommen zu werden. Sie sollten daher kein Redetext sein. Online hinterlegte Folien geben daher immer nur einen Bruchteil des Inhalts wieder. Sie müssen also zumindest um den gesprochenen Text ergänzt werden.
  2. Doch auch hier ergeben sich Tücken. Abgefilmte Vorträge sind in aller Regel zu lang. Sie müssen in mehrere kurze Einheiten aufgeteilt werden. Zudem geht dabei das interaktive Element verloren. Dozenten erlauben Zwischenfragen oder reagieren auf die gespürte Resonanz des Publikums. Bei der Online-Vervielfältigung geht diese Option verloren. Man mus sich des Verlusts klar sein, dann kann man gegensteuern. Die didaktische Funktion des Vortrags ändert sich online

Content in der Online Welt ist ein Verb. Die Autoren zitieren Oblinger und Hawkins (The myth about online course development, in: Educause Review, Jan 2007) mit der Frage ‘veteilen wir Inhalte, ein Buch oder Film oder schaffen wir einen Lernraum? Diese Frage scheint mir ganz entscheiden zu sein. Für den Lehrenden bedeutet dies die Frage an die eigene Rolle. Ist er Content-Lieferant oder Ermöglicher von Lernerfahrungen? Er ist sowohl für die sozialen wie die kognitiven Prozesse verantwortlich. Daraus ergibt sich die Annahme., dass der Erfolg weniger von der Zusammenstellung der Inhalte, als der Entwicklung von Lernaufgaben und -aufträge abhängig ist. Jedoch auch bei diesen kommt es auf eine offene, das Entdecken ermöglichende Vorgehensweise und nicht das Abfragen des Altbekannten an. Technik ist ein Hilfsmittel, nicht das Ziel Ein vermehrter Einsatz von Technik im Lernprozess führt nicht alleine schon dazu, dass es auch ein besseres Lernen (was das ist, müsste auch erst situativ definiert werden) gibt. Allein die Verfügbarkeit von Technik darf nicht dazu führen, dass sie eingesetzt wird. Es ist vielmehr immer wieder zu fragen, in welcher weise sie dabei behilflich ist, Lernziele zu erreichen. Großartige Online-Kurse werden durch das Lehren, nicht die Technik bestimmt Folgt man den Autoren, dann ist die Art und Qualität der Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernen von entscheidender Bedeutung. Was heißt das nun im Online Lernprozess? - schnelle Reaktion auf E-Mails und bearbeitete Aufgaben, - häufiger und engagierter Kontakt, - individuelles Feedback, - persönliche Ansprache unter Nennung des namens des Angesprochenen, - klare und erkennbare Ziele für das Lernvorhaben, Diese sollen detailliert genug sein, damit den Teilnehmern klar ist, was sie in der Lage sein sollen zu tun, die Bedingungen unter denen der Lernstoff angewandt oder das angestrebte Verhalten gezeigt werden soll. - die Ziele sollten dauerhaft im Blick gehalten werden. Das Gespür für Communities und Präsenz sind entscheidend Im Zusammenhang mit dem vorherigen Punkt geht es um einen Ausgleich der durch die Distanz vorhandene Entpersönlichung des Kontakts. Man kann nicht erwarten, dass die Teilnehmer gerne durch Massen von Content ‘waten’. Sie brauchen den Kontakt zu den Lehrenden und anderen Teilnehmenden, das Gefühl, dass eine Verbindung untereinander existiert und der Stoff einen Wirklichkeitsbezug, eine Relevanz besitzt. Für den Lehrenden bedeutet dies, sensibel ein Gemeinschaftsgefühl aufzubauen. Dazu gehören kollaborative Lernaktivitäten in Gruppen, umfassende Kommunikationsmöglichkeiten, durchaus Humor und Kleingruppenaktivitäten. Exzellenz benötigt mehrere Kompetenzfelder Es reicht nicht Fachexperte zu sein. Zusätzlich braucht man technische oder handwerkliche Kompetenz, sowie didaktisches Gespür für die online Situation. Die Werkzeuge sind immer einfacher zu handhaben. Es ist dennoch sehr hilfreich ein wenig Hintergrundwissen zu haben, da,mit man nicht in technische Fallen auf Seiten der Teilnehmer hinein läuft, weil Videos nicht angezeigt werden können oder eine eingebundene Webseite auf einmal nicht mehr verfügbar ist. Eine tolle Oberfläche rettet keinen schlechten Kurs, aber: eine grausame Oberfläche behindert einen vielleicht guten Kurs Die Überschrift verwirrt etwas. Gemeint ist vielmehr die Nutzerführung in einem online Kurs. Üblicherweise ist niemand gerade in der Nähe wenn Teilnehmer den Kursraum betreten. Sie wissen nicht automatisch was wo zu finden ist, wie sie vorgehen, was in welcher Reihenfolge oder welcher Weise bearbeitet werden soll. Sie wissen auch nicht von alleine, welche Erwartungen an sie gestellt werden. All dies gilt es zu bedenken und den Teilnehmern einen Studienführer oder eine Landkarte durch die Kurstopografie zur Verfügung zu stellen. Dies muss nicht in einem Dokument erfolgen. Vielmehr kann es immer wieder an verschiedenen Stellen entsprechende Bearbeitungshinweise geben. Exzellenz entsteht aus permanenter Prüfung und Verbesserung Das gilt für den eigenen Kurs und das unterstützende Verhalten des Lehrenden. Aufgaben, Testergebnisse, Diskussionen, Reflexionen helfen dem Lerner über den Lernerfolg, dem Lehrenden über den Lernprozess und der Institution über das Curriculum, den Support und die vorhandene Infrastruktur zu relektieren. Kleine Extras wirken sich manchmal langfristig sehr positiv aus Immer wieder unterschätzt wird die Prüfungsangst, der Lernstress und die Fähigkeit zur Strukturierung von Lernzeit bei den Teilnehmern. Kleine Hinweise zu den Erwartungen und zur Gestaltung des Lernprozesses verringern diese Probleme deutlich. Dazu gehört ein Kurskalender, der wiederkehrende Hinweis, was von den Teilnehmern erwartet wird oder kurze Mails und nachrichten an die Teilnehmer. ————- Die Autoren beteuern, dass erfahrende Lehrende sich nicht auf ihre Lehrerfahrungen verlassen können, wenn es um online Lernsituationen geht. Hier möchte ich klar widersprechen. Erfahrene Lehrende tun viele der genannten Dinge intuitiv im Unterrichtsalltag durch Beobachtung und Reaktion. Es ist nicht nötig, dieses Wissen und die Erfahrung über Bord zu werfen. Es kommt jedoch darauf an, sie auf die neue Situation zu übertragen. Auch die Wünsche und Erwartungen der Lernenden sind nicht neu. Sie treten in der Präsenzsituation genau so auf und wollen auch online erfüllt werden. Ein Teil dieser Situationen muss antizipiert und ein anderer Teil im laufenden Prozess situativ erfüllt werden. Die Reduzierung der Kommunikations- und Wahrnehmungskanäle macht jedoch den entscheidenden Unterschied bei der Umsetzung aus.

Vom arg begrenzten Wert der öffentlichen Wikis und Blogs für den Bildungsbereich

Seit einiger Zeit wird sehr engagiert über den Einsatz von Wikis und Blogs im Bildungsbereich diskutiert. User generated Content und offene Strukturen sollen demnach den Einsatz von Lernplattformen überflüssig machen.

Insbesondere wird dabei hervorgehoben, dass die Offenheit von Wikis und Blogs und die Verbindung zu Menschen außerhalb der Lerngruppe besondere Möglichkeiten für das Lernen und damit zusätzliche Motivation erschließen würde.

Ich bin an dieser Stelle sehr skeptisch. Ich sehe durchaus, dass die Öffnung der Lernprozesse für Außenstehende von Wert ist. Lernprozesse sind heute black boxes. Lehrende und Lernende wissen was darin passiert, aber sonst niemand. Damit bleiben spannende Lernszenarien Externen verborgen. Manch einer scheut sich, selber Lernvorhaben in Angriff zu nehmen, weil er nicht weiß, was dort passiert. Die Sichtbarkeit kann also durchaus Vorteile haben. Völlig klar ist auch, dass der produktive Schaffensprozess des Lernenden in Form einer eigenen Arbeit für die Nachhaltigkeit des Lernens äußerst wertvoll ist.

Andererseits braucht Lernen den Schutz der geschlossenen begrenzten Öffentlichkeit. Lernen ist ein Feld in dem Fehler auftreten und auch auftreten sollen, damit diese erkannt und korrigiert werden können. Dieser Erkenntnisprozess geht die Öffentlichkeit nichts an. Viele Lernende liegen großen Wert darauf, im Schutz der Gruppe zu agieren. Viele trauen sich bereits in einer Gruppe von 15 Teilnehmern nicht, frei zu reden. Die große Öffentlichkeit wäre dann also nicht hilfreich.

Vielleicht dient mancher Lernprozess mit Wikis mehr der öffentlichen Profilierung der Kehrenden als den Lernenden. Das würde zumindest erklären warum die meisten dieser öffentlichen Lernprozessen in den mediendaktischen Seminare unserer Hochschulen stattfinden und selten in andere Fachgebiete übertragen werden. Zumindest ist auffällig, dass überdurchschnittlich häufig Seminare mit entsprechenden Themenstellungen (Web, neue Medientechnologien, Communities) Weblogs und Wikis verwenden.

Die geschlossene Gruppe bietet Raum zum Experimentieren mit Möglichkeiten. Gerade dies in in einem ungeschützten Raum meist nicht mehr möglich.

Ein anderes Problem mit Wikis und Blogs in der Öffentlichkeit für Lernprozesse ergibt sich durch die begrenzte Skalierbarkeit und Wiederholbarkeit. Wer mit einer Gruppe von 20 Teilnehmern ein thematisches Wiki erstellt hat, kann mit der nächsten Gruppe an diesem Wiki in Form von Verbesserungen und Ergänzungen weiter arbeiten. Dabei werden jedoch andere Lernziele realisiert wie mit der ersten Gruppe. Die dritte Gruppe findet ein nahezu perfektes Produkt vor. Sie kann diese lesend erschließen, aber kaum mehr neu erarbeiten. Da es jedoch zum Alltag der Lehrenden gehört, mit wechselnden Gruppen das gleiche Thema zu bearbeiten, sind die Möglichkeiten zur Wiederholung des methodischen Ansatzes für das Thema begrenzt.

Berücksichtigt man dann noch, dass in manchen Bereichen (Schule, einheitliche Lektüren, Curricula) auch noch viele Institutionen das Gleiche bearbeiten, ist mit einem mehrfachen Einsatz der gleichen Methodik (Inhaltserarbeitung durch Wikis) zu rechnen. Das steigert die Gefahr des gegenseitigen Abschreibens.

Ein besonderer Blick auf die leistungsschwachen Teilnehmer lohnt sich besonders. Gerade diese wünschen sich nicht, dass ihre Mängel und Schwächen öffentlich sichtbar werden. Zugleich bleibt ihnen ggfs. ein Erfolgserlebnis durch öffentliche Sichtbarkeit guter Ideen versagt.

Nicht zuletzt sei der Aufwand für Lehrende beim wiederholten Anlegen von Wikis oder Blogs für Teilnehmer genannt, der erhöhte technische Kenntnisse erfordert. Das Anlegen eines Wikis (z.B. auf Grundlage von Mediawiki) und die Bildung von Gruppen darin ist kein Pappenstil. Das Gleiche gilt für Blogs.

Die heutigen Lernplattformen hingegen bieten die Möglichkeit mit wenigen Klicks Wikis anzulegen oder Blogs für Gruppen zur Verfügung zu stellen. Hintergrundwissen über Datenbanken und Webserver sind dafür nicht erforderlich. Gelungene Lernergebnisse können ohne Probleme einer Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Damit ich nicht missverstanden werde, Wikis und Blogs sind tolle Instrumente, um mit einer Lerngruppe Inhalte aufzubereiten und Lernprozesse zu reflektieren. Ich halte es jedoch für gefährlich diese als Allheilmittel darzustellen und damit das Aus für andere Instrumente zu verbinden.

Nach über 30 Jahren aktiver Tätigkeit im Bildungsbereich habe ich viele Methoden kommen und manche auch wieder verschwinden sehen. Hilfreiche Modelle haben sich im Laufe der Zeit bewährt und das Methodenrepertoire ergänzt, ohne dabei andere vollständig zu verdrängen. Auswendiglernen und Frontalvorträge haben auch heute ihren Stellenwert, auch wenn sie immer wieder als steinzeitlich diskreditiert werden.

Es wäre hilfreicher, neue methodische Ansätze so auszuwerten, dass deutlich wird, wann und unter welchen Bedingungen sie hilfreich sind und wann sie unangebracht oder schädlich sind.