Der Computer mit Ohren kommt nach Europa

November 16th, 2008

..natürlich heißt er nicht Computer mit Ohren, sondern OLPC oder ‘one laptop per child’.

Die Idee ist es Schülern überall auf der Welt den Zugang zu Lernmöglichkeiten zu ermöglichen und zu erleichtern. Nicholas Negroponte startet das Projekt. Viele Experimente haben gezeigt, dass Kinder überall auf der Welt ohne Anleitung Erwachsener lernen können und IT-Technik dazu eine große Hilfe ist.

Sehr eindrücklich ist der Versuch “Whole in the wall". Man installierte einen Monitor und eine Tastatur (im Hintergrund natürlich PC und Internetverbindung) in einem Gebäude und ließ die Kinder eines Dorfes damit ’spielen’. Nach wenigen Wochen kamen die Initiatoren zurück und wurden von den Kindern gebeten, doch bessere Hardware und weiteres zur Verfügung zu stellen, damit sie dieses und jenes tun könnten.
In der Zwischenzeit hatten sie sich eigenständig den Umgang mit dem Computer beigebracht und selber recherchiert, etwas englisch gelernt etc.. (stark verkürzt)

Aufbauend auf diesen und vielen anderen Eindrücken wurde ein neues Laptop-Konzept entwickelt. Der Laptop sollte billig sein, wirklich intuitiv bedienbar und unter widrigsten Umständen (Hitze, Staub, häufig kein Strom) zuverlässig arbeiten.

Entstanden ist der OLPC-Laptop. Er hat eine ungewöhnliche Arbeitsoberfläche, diverse Programme vorinstalliert. Er vernetzt sich automatisch mit anderen OLPC-Rechnern in der Umgebung und erlaubt sofort eine Zusammenarbeit.

Unter dem Titel Hundert-Dollar-Laptop wurde er auch in Deutschland bekannt. Ab dem 17. November wird es erstmals möglich sein auch in Europa de OPLC zu erwerben.

Das Konzept heißt G1G1. Give one, get one! Man kann zwei Laptops kaufen und erhält einen, der zweite geht automatisch an ein Projekt in den Entwicklungsländern. Denn dort liegt das eigentliche Ziel des Einsatzes des OLPC-Projektes.

In Europa kann man zumindest über Amazon in England den OLPC bestellen. (amazon.co.uk)

Es gibt übrigens eine ganz interessante Verbindung zwischen Moodle und dem OLPC Projekt. Martin Langhoff von Catalyst aus Neuseeland hat lange für Moodle entwickelt und arbeitet seit einem Jahr für das OLPC Projekt. In dem OLPC Netzwerk wird Moodle integriert, dass die Schulen vor Ort über Moodle Inhalte aufbereiten. Im kommenden Jahr wird daran gearbeitet, dass Schüler die Inhalte offline bearbeiten und der Laptop sich mit der Lernplattform synchronisiert wenn es wieder eine Verbindung gibt.
Ein Konzept, das auch an anderer stelle hier in Europa mehrfach angefragt wurde.

Moodlemoot 2009 in Bamberg

Oktober 24th, 2008

Die nächste deutsche Konferenz wirft ihre Schatten. Noch ein wenig im Verborgenen arbeitet das Vorbereitungsteam.

Inzwischen wurde der Call for Paper veröffentlicht und in den nächsten vier Wochen werden Beitragsvorschläge gesammelt. Gesucht sind Erfahrungen und Beispiele aus der Praxis.

Mit leichter Verspätung startet dann auch in Kürze die Anmeldung.

Also nichts wie los! Infos auf http://moodlemoot.de

Moodle Konferenz in Rom

Oktober 24th, 2008

Die Moodle-Konferenz in Rom war ein internationaler Treffpunkt und damit ganz sicher der Höhepunkt der Moodle-Anwender. Mit Partnern aus Neuseeland, Australien, de USA und vielen europäischen Ländern gab es einen spannenden Austausch und neue interessante Kooperationsansätze. Dazu gehören:

  • Gemeinsame Präsentation auf der Online Educa in Berlin
  • Alfresco-Integration
  • Englische Version des neuen Buches ‘Moodle einführen in Unternehmen’

Vom Umgang mit E-Mailadressen in Moodle-Systemen

Oktober 5th, 2008

In den letzten Wochen häufen sich in meinem Maileingang für die Domain ‘moodle.de’ Nachrichten aus fremden Moodle-Systemen. Dies passiert immer dann wenn jemand in seinem Moodle-System Nutzer anlegt und als Mailadresse ‘*@moodle.de’ einträgt. Meist handelt es sich dabei um Test- oder Dummy-User.

Ich halte das aus mehreren Gründen für problematisch:

  • Andere Leute geht es nichts an, was in Euren Kursen passiert. Deshalb sollten sie auch keine Mails aus den Kursen erhalten.
  • Es handelt sich um gängige Strategien der Spammer, mit falschen Mailadressen durch die Welt zu ziehen. Wird Eure Domain auf dem Wege bei einem Maildienstleister in die Blacklist eingetragen, werden u.U. auch Mails echter Nutzer gesperrt.
    Bsp.: Wenn innerhalb einer Woche z.B. bei aol.com mehrere Nutzer eine ankommende Mail von xy.com als Spam deklarieren, gerät der Absender xy.com auf die Spam Liste. Dies passiert auch automatisch wenn erfundene Namen z.B. ‘haenschenklein@aol.com’ genutzt wird, die vielleicht gar nicht existiert. Wenn nun aber der Schulleiter seine Mailadresse bei aol.com hat, werden ihm reale Mails auch nicht mehr zugestellt, da der Versender auf einer Blacklist steht und als Spamschleuder angesehen wird. Das kann also auch Eure Absenderadresse sein.
  • Wer unbedingt Dummy-Nutzer benötigt, sollte sicher stellen, dass diese Mailadressen der eigenen Institution verwenden, die gezielt ausgefiltert werden können.

Dass das auch einmal ins Auge gehen könnte, zeigte sich letzte Woche. In meinem Maileingang befand sich eine Mail an solch einen Dummy-Nutzer. Inhalt war die Information über die Struktur der Loginnamen und der Passwörter für das Moodle-System der Schule. Adressiert war es an einen Lehrer, der in seinem Profil eine Mailadresse *@moodle.de eingetragen hatte und die E-Mail prompt bei mir landete.
Inzwischen versuche ich, mit kleinem Aufwand die Absender zu ermitteln und weise diese auf das Problem mit einem Standardbrief hin.

Ich möchte noch auf eine kleine Nuance hinweisen. Ich führe immer wieder mal die Diskussion, besonders im Schulbereich, über das Anlegen von Mailaccounts mit erfundenen Namen für Schüler.
Wenn die Schüler dann diese Mailaccounts auch in Moodle-Systemen nutzen und die Mailaccounts irgendwann vergessen, so werden weiterhin Mails an diese Accounts versendet. Werden die Accounts irgendwann vom Anbieter aufgehoben endet der Mailversand nicht. Ganz schnell ist auch auf diesem Wege das Moodle-System auf die Blacklist geraten.
Unabhängig davon habe ich erhebliche Bedenken bei Fake-Adressen, da sie zum Missbrauch verleiten und im Netz zu immer mehr Komplikationen führen.

Moodle & SCORM

September 28th, 2008

Bis Ende September wird eine neue Moodle Version 1.9.3 veröffentlicht und zentraler Punkt werden Neuerungen im Bereich SCORM sein. Über die letzten Monate wurden systematisch bekannte Fehler beseitigt und die SCORM-Lernaktivität (Lernpaket) überarbeitet.

Damit wird es nun möglich sein, ohne Java-Unterstützung SCORM Inhalte im Standard SCORM 1.2 einzusetzen. Die offizielle ADL-Zertifizierung wird zur gleichen Zeit beantragt. In der Praxis wird es keine große Veränderung mit sich bringen, da bereits bislang die meisten Lernpakete eingesetzt werden konnten.

Die offizielle Kompatibilitätsfeststellung durch ADL hat also eher symbolische Bedeutung.

Bis Jahresende wird dann auch die Kompatibilität mit dem Standard SCORM 1.3/2004 fertig gestellt werden. Obwohl die meisten Autorenprogramme diesen Standard bis heute nicht vollständig erfüllen oder ausnutzen, wird Moodle diesen Schritt gehen.

Bei den plattformübergreifenden Standards wird es in kurzen Abständen weitergehen. Da weltweit die Kritik an SCORM 1.3/2004 sehr umfassend war, werden die Grundlagen für SCORM 2.0 in diesem Herbst diskutiert und parallel arbeitet IMS an Common Cartridge. Basis ist es jeweils Lerninhalte in verschiedenen Plattformen einsetzen zu können.

Moodle ist offizielles IMS Mitglied und beteiligt sich an der Common Cartridge Entwicklung künftig direkt.

Ich sehe diese Diskussionen recht zwiespältig. Alle diese Standards setzen auf didaktische Konzepte des Frontalunterrichts. Teilnehmer bearbeiten ein fertiges Lernpaket nach einem vorgegeben Schema alleine.
Auf der anderen Seite diskutieren wir konstruktivistische Lernkonzepte oder Social Learning als Konzepte der Zukunft. Also das genaue Gegenteil.

Moodle: Ein Rekord nach dem anderen

September 13th, 2008

Über 500.000 registrierte Nutzer auf der internationalen Seite http://moodle.org und in Kürze über 50.000 registrierte Installationen.

Praxistipp: Teilnehmer kommentieren Texte im Glossar

August 17th, 2008

Dieser Praxistipp stellt eine einfache Verbindung zwischen einer Textseite und einem Glossar dar. Ziel ist es einen vorgegebenen Text durch Teilnehmer kommentieren oder interpretieren zu lassen.

Stellen Sie dazu den Text als Textseite (mit oder ohne Editor ein). Richten Sie zusätzlich ein Glossar mit Autoverlinkung ein.

Die Teilnehmer haben nun die Aufgabe Begriffe oder Textpassagen zu kommentieren. Dazu tragen Sie die Textpassage, die sie kommentieren wollen als Begriff im Glossar ein und tragen als Beschreibung ihre Frage, ihren Kommentar oder die Verbesserung ein. Wenn sie dann noch Autoverlinkung für den Begriff aktivieren, sind die Kommentare direkt aus dem Text heraus aufrufbar.

In manchen Situationen mag es sinnvoll sein, die Kommentierungen nicht sofort sichtbar werden zu lassen, sondern sie als Trainer/Lehrer erst einmal durchzusehen. Dazu kann man die Funktion der Freigabe vor Veröffentlichung in den Glossar-Einstellungen verwenden.

Als Trainer kann ich mir die Kommentare später auch nach Teilnehmern sortiert im Glossar anzeigen lassen. (z.B. für Bewertungszwecke)

Noch ein Hinweis am Ende. Falls im Kurs auch an anderer Stelle mit Glossaren und Autoverlinkung gearbeitet wird, kann es zu begrifflichen Überschneidungen kommen.
Dann ist es u.U. hilfreich in der Aufgabenstellung darauf hinzuweisen und nicht nur einzelne Begriffe, sondern kurze Passagen ins Glossar aufzunehmen.

Moodle Trainerzertifizierung ab September vollständig in Deutsch verfügbar

August 15th, 2008

Die Moodle Trainerzertifizierung (MTC) ist eine Möglichkeit, die eigenen Moodle-Kenntnisse zu prüfen und zu dokumentieren. In einem international-einheitlichen Verfahren sind drei Teilaufgaben zu bearbeiten:

  • Projektkursraum
  • Reflexionsfragen
  • Abschlusstest

Der Projektkursraum wird von den Kandidaten auf der Grundlage eines Anforderungsprofils angelegt. Man zeigt damit, dass man handwerklich Moodle anwenden kann.
Die Reflexionsfragen erkunden, ob man in der Lage ist, eine bewusste Auswahl von Werkzeugen vorzunehmen und immer wieder auftretende Probleme einer Lösung zuzuführen.
Der abschliessende Test mit 60 Fragen befasst sich dann noch einmal mit Fachkenntnissen rund um die Anwendung von Moodle.

Die Moodle-Trainerzertifizierung ist nach der Anmeldung innerhalb von 12 Wochen abzuschließen. Während der ersten acht Wochen werden die Kandidaten von Mentoren begleitet.

Ich habe das MTC in der Kerngruppe mit entwickelt und in den letzten Jahren zwei Dutzend deutschsprachige Kandidaten begleitet.

Inzwischen wurden alle Unterlagen auf Version 1.9 aktualisiert und übersetzt. Erstmals liegt damit auch der Abschlußtest in deutscher Sprache vor.

Weitere Informationen direkt bei mir : mailto:ralf.hilgenstock@eledia.de

Stolpern beim Lernen (Hartmut von Hentig: die Dritte)

Juli 24th, 2008

Von Hentig berichtet in seiner Biographie von einem Besuch im Jahr 1964 bei Donald Oliver an der Harvard Universität. Dieser stellt ein Curriculum zur Ausbildung und Stärkung von Entscheidungsbewußtsein und Entscheidungsfähigkeit vor.

In dem Rahmen las er verkürzte Geschichte aus der großen Literatur vor und brach an der Stelle ab, an der eine Person oder Handlung zwischen zwei oder mehr Möglichkeiten zu wählen hat. Die Schüler sollten dann erstens ihre Entscheidung treffen und darstellen und sie zweitens vor den anderen begründen.

Von Hentig: “An seinem Curriculum habe ich gelernt, wie wichtig die ‘Krise’ (das Stolpern) für das Aneignen eines Gedankens oder Faktums ist - das Gegenteil von reibungsloser Einnahme von Wissen in vorgedachten Lernschritten.” (von Hentig, Mein Leben, Bd.2 S. 235)

Dieses Grundmodell lässt sich auf viele Arbeitsbereiche des Lehrens und Unterrichtens übertragen.

Warum ich darauf besonders zurückkomme, in vielen Bereichen des E-Learnings wird sehr viel Wert auf perfekte Inhaltsaufbereitung gelegt. Derjenige, der Inhalt aufbereitet, lernt dabei eine ganze Menge. Die Teilnehmer aber sehen etwas perfektes, rundes und glattes an dem keine Irritationen und Verunsicherungen mehr stattfinden, die aber ein ganz wichtiges Momentum des Lernens sind.

Vor längerer Zeit führte ich die Diskussion mit einer Lehrerin über den Einsatz von Wikis. Es ging um die Frage, wer denn dafür verantwortlich sei, das die Inhalte im von Schülern erstellten Wiki korrekt seien. Ich schlug ihr vor mit den Schülern das Wiki in Phasen zu bearbeiten:
1. Aufgabe: strukturieren
2. Aufgabe: mit Inhalt füllen
3. Aufgabe: vorhandene Inhalte gegenseitig auf Richtigkeit prüfen.

Alle drei Aufgaben können Schüleraufgaben sein.

Moodle Testfragen einfach erstellen

Juli 24th, 2008

[Eigentlich dachte ich, dieses Posting hätte ich gestern schon publiziert. Dann habe ich aber einfach doch nicht gespeichert.]

Vielfach erscheint es zu aufwendig, in Moodle Testfragen einzeln anzulegen. Für jede Frage wird ein eigenes Formular genutzt. Gerade wenn man bereits einen Test in Dateiform vorliegen hat, dünkt diese Form der Übertragung ein wenig zu aufwendig.

Der Moodle-Test erlaubt den Fragenimport. Ein recht einfaches Format ist das sog. GIFT Format. Wie kann man damit arbeiten?

Eine Testfrage am Bsp. Multiple-Choice besteht aus folgenden Elementen:

- Fragentitel (dient der Organisation der Frage in der Übersicht
- Fragestellung
- Antwortoption und evtl. Feedback
- Markierung richtiger und falscher Antworten
-

Wie sieht nun eine solche Frage aus? Beispiel

::Bundeshauptstadt::
Welche Stadt ist Bundeshauptstadt?
{
~Bonn #war früher Bundeshauptstadt
=Berlin #Richtig
~Frankfurt #wird häufig Bankenhauptstadt genannt
~München#ist Landeshauptstadt von Bayern
}

Wie schaut das Ganze genau aus?

:: kennzeichnet den Beginn und das Ende des Fragentitels
Die Frage steht ohne weitere Kennzeichnung.
{ } kennzeichnen Beginn und Ende der Antwortoptionen
= kennzeichnet eine richtige Antwort
~ kennzeichnet eine falsche Antwort
# beginnt einen Feedbacktext.

Diese Codierung kann für Multiple-Choice-Fragen genutzt werden mit einer richtigen Antwort.
Wie schaut es nun aus bei den häufig genutzten Multiple-Choice Fragen mit mehreren richtigen Antworten? Wieder ein Beispiel:

::Landeshauptstädte::
Welche der folgenden Städte sind Landeshauptstadt eines Bundeslandes?
{
~%25%Hannover
~%25%Kiel
~%-25%Kassel
~%-25%Köln
~%25%Düsseldorf
~%25%Wiesbaden
~%-25%Frankfurt
}

In dem Fall werden die Antworten mit einem Prozentwert versehen. Hier werden für jede falsche Antwort 25 % der Punktzahl abgezogen. Richtige Antworten müssen nicht extra gekennzeichnet werden.
Die gleiche Frage könnte auch anders bewertet werden, wenn man sicher stellen will, das bei einer falschen Antwort 0 Punkte vergeben werde sollen. Dann lautet es:

::Landeshauptstädte::
Welche der folgenden Städte sind Landeshauptstadt eines Bundeslandes?
{
~%25%Hannover
~%25%Kiel
~%-100%Kassel
~%-100%Köln
~%25%Düsseldorf
~%25%Wiesbaden
~%-100%Frankfurt
}

Wer also bereits einen Test in Dateiform hat, kann jetzt seine Fragen leicht codieren. Bitte tun Sie das mit Hilfe eines Editors (z.B. Windows - Editor) und nicht mit der Textverarbeitung. Speichern Sie das Ergebnis als txt-Datei ab und wählen Sie dabei unbedingt als Codierung ‘UTF-8′, damit die Umlaute später richtig übernommen werden.

Im Moodle Kursraum können die Testfragen nun unter Administration -> Fragen oder Lernaktivität - Test - Bearbeiten - Import als GIFT-Import hochgeladen werden.